Atoco: Startup macht aus Rechenzentrums-Abwärme Trinkwasser
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Rechenzentren schlucken Wasser, dieses Startup will ihnen welches zurückgeben: Das kalifornische Unternehmen Atoco gewinnt Trinkwasser aus der Luft und nutzt dafür die Abwärme von Servern. Bei einer Vorführung im September in Irvine leitete Atoco Wärme von rund 65 Grad, die die Abwärme eines Rechenzentrums simulierte, in eine seiner Anlagen, wenig später lief Wasser aus dem Hahn. Das berichtet WIRED.
Nobelpreis-Chemie im Container
Hinter Atoco steht der Chemiker Omar Yaghi, der 2025 gemeinsam mit Susumu Kitagawa und Richard Robson den Chemie-Nobelpreis für die Entwicklung metallorganischer Gerüstverbindungen erhielt. Diese sogenannten MOFs sind extrem poröse Materialien: Ein einziges Gramm hat laut Atoco eine innere Oberfläche von etwa zwei Fußballfeldern. Die Poren lassen sich so gestalten, dass sie Wasserdampf selbst aus sehr trockener Luft einfangen, laut Atoco schon ab einer Luftfeuchtigkeit von rund 10 bis 20 Prozent. Wird das Material erwärmt, gibt es das Wasser wieder ab, und der Zyklus beginnt von vorn. Strom braucht das Ernten selbst nicht, schon Wärme ab etwa 38 Grad soll reichen.
Die Demo-Anlage liefert bis zu 300 Liter Wasser pro Tag, mit der Abwärme eines kleinen Rechenzentrums von 20 Kilowatt. Ein kommerzielles Gerät mit 1.000 Litern pro Tag ist in Entwicklung, erste Bestellungen erhofft sich Atoco bis Jahresende. Fünf Prototyp-Tests mit Partnern in den USA und den Golfstaaten liefen bereits, mit großen Tech-Konzernen spricht CEO Samer Taha nach eigenen Angaben über Pilotprojekte. Für ihn ist die Rechnung einfach: Atoco nimmt die Abwärme, die Rechenzentren loswerden wollen, und gibt Wasser zurück, also genau das, was beim Kühlen zum Problem wird.
Europa schreibt Abwärme-Nutzung vor
Das Thema brennt, weil KI-Rechenzentren riesige Mengen Strom und Wasser verbrauchen und vielerorts auf Widerstand stoßen. Finnland hat erst kürzlich Googles Rechenzentrumspläne gestoppt. Darauf verweist auch Atoco selbst: In der EU müssen Rechenzentren mit mehr als einem Megawatt Leistung ihre Abwärme laut Energieeffizienzrichtlinie grundsätzlich weiterverwenden, gleichzeitig will die EU ihre Rechenzentrumskapazität bis 2035 verdreifachen. Bisher fließt solche Wärme vor allem in Fernwärmenetze, wie etwa beim Projekt OnZero von Wiener Unternehmern.
Teurer als Entsalzung
Noch ist die Technik aber weit von der Größenordnung großer Rechenzentren entfernt. Hyperscaler verbrauchen für die Kühlung teils Millionen Liter Wasser pro Tag, eine Atoco-Anlage schafft ein paar hundert. Atoco will deshalb viele Geräte zusammenschalten. Auch der Preis ist ein Thema: Atoco beziffert die Produktionskosten auf rund 5 Dollar (etwa 4,50 Euro) pro Tonne Wasser, moderne Entsalzungsanlagen schaffen 2 Dollar oder weniger. Bis Atoco günstiger wird, könnte es laut Taha drei bis fünf Jahre dauern. Seth Cohen, Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät der UC Irvine, gibt zudem zu bedenken, dass MOFs ohne externe Wärmequelle sehr wohl Energie brauchen, um das Wasser freizugeben. In großem Maßstab ist die Technik bislang unerprobt.

