Nvidia verhandelt 250-Milliarden-Dollar-Bürgschaft für OpenAI – Bericht
Nvidia verhandelt einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge über eine Bürgschaft von rund 250 Milliarden Dollar zugunsten von OpenAI. Die Garantien sollen es dem ChatGPT-Entwickler ermöglichen, einen Rechenzentrumscampus mit einer Anschlussleistung von zehn Gigawatt im Süden des US-Bundesstaates Ohio zu mieten. Errichtet wird die Anlage von SB Energy, der Energietochter des japanischen Konzerns SoftBank. Die Zeitung beruft sich auf mit dem Vorgang vertraute Personen; Reuters und Bloomberg griffen den Bericht auf. Nvidia und OpenAI haben sich bisher nicht dazu geäußert, die Gespräche befinden sich Bloomberg zufolge in einem frühen Stadium und können noch scheitern oder sich in den Konditionen ändern.
Was die Garantie abdecken soll
Die Bürgschaft würde laut Bericht eine Reihe von Finanzierungsvehikeln absichern, die den Bau und das Leasing des Campus finanzieren. Kreditgeber sollen dadurch mehr Sicherheit erhalten – ein Punkt, der deshalb relevant ist, weil OpenAI selbst über kein Investment-Grade-Rating verfügt und Fremdkapital in dieser Größenordnung sonst nur zu deutlich schlechteren Konditionen bekäme. Die Nvidia-Chips, die in den Hallen laufen sollen, sind von den 250 Milliarden Dollar nicht erfasst. Über deren Finanzierung wird dem Bericht zufolge separat verhandelt: Dabei geht es um ein Volumen von bis zu 350 Milliarden Dollar. Inklusive Hardware könnte das Gesamtprojekt mehr als 500 Milliarden Dollar kosten und wäre damit das größte bisher angekündigte Rechenzentrumsvorhaben weltweit.
Der Standort: ehemalige Urananreicherungsanlage in Piketon
Der Campus entsteht auf dem Gelände der stillgelegten Portsmouth Gaseous Diffusion Plant in Pike County, einer Urananreicherungsanlage aus dem Kalten Krieg. Das US-Energieministerium hatte den Standort – unter dem neuen Namen PORTS Technology Campus – im März 2026 gemeinsam mit SoftBank und dem Netzbetreiber AEP Ohio als Public-private-Partnership präsentiert, der Spatenstich erfolgte am 20. März. Vorgesehen sind zehn Gigawatt Rechenzentrumsleistung sowie bis zu zehn Gigawatt neue Erzeugungskapazität, davon rund 9,2 Gigawatt aus Erdgas. Dazu kommen 4,2 Milliarden Dollar für Netzausbau und neue Leitungen. Die erste Ausbaustufe mit rund 800 Megawatt soll 2028 stehen.
Bemerkenswert ist die politische Ebene des Deals: Das Gaskraftwerk wird mit 33,3 Milliarden Dollar aus Japan finanziert, die aus dem im Vorjahr geschlossenen US-japanischen Handels- und Investitionsabkommen stammen. Die Zuteilung der Rechenzentrumsleistung liegt laut „Wall Street Journal“ faktisch bei der US-Regierung, mitentscheidend sei Handelsminister Howard Lutnick. Neben OpenAI hätten auch Microsoft, Google und Anthropic Interesse an Kapazitäten an dem Standort angemeldet.
Debatte über zirkuläre Finanzierung geht weiter
Für Nvidia wäre eine Bürgschaft dieser Größenordnung ein weiterer Schritt weg vom reinen Chipverkäufer hin zum Finanzierer und Vermittler von Standorten, Strom und Kapazitäten. Der Konzern hält nach einer Beteiligung von 30 Milliarden Dollar Anteile an OpenAI – ursprünglich war im September 2025 eine Absichtserklärung über bis zu 100 Milliarden Dollar im Raum gestanden, die CEO Jensen Huang im März mit Verweis auf den bevorstehenden OpenAI-Börsengang deutlich reduzierte.
Genau diese Verflechtung befeuert die seit Monaten laufende Diskussion über zirkuläre Finanzierungen im KI-Sektor: Nvidia stellt Kapital oder Sicherheiten für Kunden bereit, die damit Nvidia-Hardware kaufen. Kritiker sehen darin eine Form von Vendor Financing, die die tatsächliche Endnachfrage verschleiert und Verluste im Fall eines Abschwungs rasch durch das gesamte Ökosystem laufen lassen könnte. Der Investor Michael Burry, der zuletzt seine Short-Position auf Nvidia ausgebaut hat, kommentierte den Bericht auf X sinngemäß mit dem Hinweis, dass sich das Ganze im Kreis drehe. Befürworter argumentieren dagegen, dass Garantien dieser Art notwendig sind, um Infrastruktur in einer Dimension zu finanzieren, für die klassische Projektfinanzierung nicht ausgelegt ist.

