Polymarket und Kalshi werden in Spanien vorläufig gesperrt
Spanien hat ein Verfahren gegen die beiden US-amerikanischen Prognosemarkt-Plattformen Polymarket und Kalshi eingeleitet und deren Websites vorläufig gesperrt. Die Behörden werfen den Unternehmen vor, ohne die erforderliche Glücksspiellizenz auf dem spanischen Markt zu operieren. Ähnliche Maßnahmen gibt es inzwischen auch in anderen EU-Ländern sowie in mehreren US-Bundesstaaten.
Spanien leitet Sanktionsverfahren ein
Das spanische Ministerium für Soziale Rechte, Konsum und Agenda 2030 hat über die Dirección General de Ordenación del Juego (DGOJ) ein offizielles Sanktionsverfahren gegen Polymarket und Kalshi eröffnet. Beide Plattformen sollen in Spanien tätig sein, ohne über die vorgeschriebene behördliche Genehmigung zu verfügen, was einen Verstoß gegen das spanische Glücksspielrecht darstellt.
Als Sofortmaßnahme hat das Ministerium eine Anordnung zur Sperrung der Websites beider Plattformen erlassen. Diese Sperre gilt als vorläufige Sicherungsmaßnahme und bleibt bis zur endgültigen Entscheidung im Sanktionsverfahren in Kraft. Das Verfahren selbst soll voraussichtlich drei bis vier Monate dauern. Die Zustellung der Verfahrenseinleitung erfolgte über das Amtsblatt (BOE), da direkte Zustellungsversuche an die im Ausland ansässigen Betreiber erfolglos geblieben waren.
Die DGOJ betont, dass nicht lizenzierte Betreiber wesentliche Schutzstandards nicht erfüllen, darunter Identitätsverifizierung, Zugangskontrolle für Minderjährige sowie Mechanismen zum Schutz von Personen, die sich selbst vom Glücksspiel ausgeschlossen haben.
Was sind Prediction Markets?
Auf Prognosemärkten kaufen und verkaufen Nutzerinnen und Nutzer Anteile, die den Ausgang zukünftiger Ereignisse widerspiegeln. Die Preise dieser Anteile spiegeln dabei die kollektiv eingeschätzte Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses wider. Gehandelt wird auf Ereignisse aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Sport oder Wetter.
Die Plattformen selbst verstehen sich nicht als klassische Wettanbieter, sondern als Börsen, auf denen sich Käufer und Verkäufer gegenüberstehen, ähnlich wie an Aktien- oder Derivatemärkten. Regulierungsbehörden in zahlreichen Ländern teilen diese Einschätzung jedoch nicht und stufen das Geschäftsmodell als Glücksspiel ein.
Verbote und Einschränkungen in anderen EU-Ländern
Spanien ist nicht das einzige europäische Land, das gegen Polymarket und Kalshi vorgeht. In den vergangenen Monaten haben mehrere EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen ergriffen:
- Portugal: Die portugiesische Glücksspielaufsicht hat ein Verbot gegen Polymarket verhängt. Begründung: Die Plattform besitzt keine Genehmigung für den portugiesischen Markt, zudem sind Wetten auf politische Ereignisse nach nationalem Recht grundsätzlich untersagt.
- Ungarn: Die ungarische Aufsichtsbehörde für regulierte Aktivitäten hat ebenfalls ein Verbot gegen Polymarket ausgesprochen.
- Frankreich: Dort wurde ein eingeschränkter Zugang eingeführt. Nutzerinnen und Nutzer können die Plattform lediglich im „View only“-Modus aufrufen und nicht aktiv an Märkten teilnehmen.
Auch US-Bundesstaaten gehen gegen die Plattformen vor
In den Vereinigten Staaten häufen sich ebenfalls regulatorische Maßnahmen gegen die Branche. Das Nevada Gaming Control Board hat eine zivilrechtliche Durchsetzungsmaßnahme eingereicht und eine einstweilige Verfügung beantragt, um Polymarket am Anbieten nicht lizenzierter Wetten zu hindern.
Bereits Anfang Januar hatte die Sportwetten-Aufsicht des Bundesstaates Tennessee Polymarket, Kalshi und Crypto.com angewiesen, ihre Sportprognosemärkte zu schließen und getätigte Einsätze zurückzuerstatten. Zusätzlich sieht sich Kalshi mit einer Sammelklage im Southern District of New York konfrontiert, in der dem Unternehmen der Betrieb eines illegalen und nicht lizenzierten Wettbüros vorgeworfen wird.
Rasantes Wachstum, wachsender regulatorischer Druck
Polymarket und Kalshi haben in den vergangenen zwei Jahren stark an Bedeutung gewonnen, insbesondere rund um die US-Präsidentschaftswahl 2024. Laut einem Bericht von Dune und Keyrock aus November 2025 verzeichnen beide Plattformen zusammen monatliche Handelsvolumina von über 13,5 Milliarden US-Dollar und mehr als 43 Millionen Transaktionen pro Monat.
Dieses Wachstum zieht jedoch zunehmend die Aufmerksamkeit von Behörden auf sich. Neben der grundsätzlichen Frage der Lizenzpflicht rückt auch das Thema Insiderhandel in den Fokus. Anfang Januar hatte ein Polymarket-Nutzer über 436.000 US-Dollar verdient, nachdem er kurz vor einem US-amerikanischen Eingreifen in Venezuela korrekt auf den Machtverlust von Nicolás Maduro gesetzt hatte. Der Vorfall veranlasste den demokratischen Abgeordneten Ritchie Torres, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, der Bundesbediensteten mit relevantem Insiderwissen die Nutzung solcher Plattformen untersagen soll.
Regulierungsbehörden in Europa und den USA sehen das grundlegend anders und verschärfen ihren Kurs gegenüber der Branche zunehmend. Ob sich Prediction Markets langfristig als eigenständige Anlageklasse etablieren oder unter das Glücksspielrecht fallen, dürfte in den kommenden Monaten in zahlreichen Verfahren entschieden werden.

