Photovoltaik

Schluss mit dem 33-Sekunden-Chaos: PV-Förderung setzt ab 2027 auf Speicher

Two home battery storage units mounted on the wall of a residential home
Home battery storage units in a residential home. © Rsparks3 / Wikimedia Commons (CC0)

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Wer eine neue Solaranlage aufs Dach schraubt, bekommt ab 2027 dafür keine Förderung mehr, wohl aber für den Speicher daneben: Die Bundesregierung baut die Photovoltaik-Förderung grundlegend um. Statt eines Wettrennens um Fördermittel, das zuletzt nach 33 Sekunden vorbei war, soll es künftig einen Speichersystembonus geben, den man laufend und nach Fertigstellung beantragen kann.

Ein Fördercall als Lotterie

Den Anlass für die Reform lieferte der zweite PV-Fördercall des Jahres. Nach nur 33 Sekunden waren die Mittel ausgeschöpft, von knapp 28.000 Anträgen kamen nur rund 3.000 zum Zug. Viele Förderwerber:innen gingen trotz fertiger Investitionspläne leer aus. Laut dem Fachmedium i-Magazin standen rund 20 Millionen Euro an Fördergeld einem Bedarf von etwa 120 Millionen Euro gegenüber.

„Wenn ein Fördertopf nach 33 Sekunden leer ist und von knapp 28.000 Anträgen nur rund 3.000 zum Zug kommen, dann ist klar, dass dieses System nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP). „Förderung darf kein Wettrennen um den schnellsten Klick sein.“ Die Logik nach dem Prinzip „First Come, First Served“ stammt aus dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) von 2021. Der nächste Fördercall am Donnerstag ist der letzte nach dem alten Modell.

Speicher statt Paneele

Den Kern der Reform hat Zehetner gemeinsam mit Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) und NEOS-Energiesprecherin Karin Doppelbauer nach Gesprächen mit Elektrotechnik, Elektrohandel und PV-Branche vorgestellt:

  • Speichersystembonus: Die klassische Investitionsförderung für neue PV-Anlagen fällt weg. Gefördert werden stattdessen Batteriespeicher für neue Anlagen und die Nachrüstung von Speichern bei bestehenden Anlagen.
  • Intelligente Steuerung als Pflicht: Voraussetzung ist ein Energiemanagementsystem, das den Speicher nach klar definierten Kriterien netz- und systemdienlich betreibt. Strom soll also dann gespeichert, genutzt oder eingespeist werden, wenn das Netz ihn braucht.
  • Made in Europe: Wer einen Speicher zu einer neuen PV-Anlage kauft, muss einen in Europa produzierten Wechselrichter verwenden. Für Nachrüstungen soll es weiterhin einen zusätzlichen Made-in-Europe-Bonus geben.
  • Kein Call mehr: Statt einzelner Fördertermine gilt ein laufendes Antragsmodell nach Fertigstellung, ähnlich dem Handwerkerbonus.

„Entscheidend ist nicht mehr nur, wie viel Strom wir erzeugen, sondern wie gut wir ihn in unser Energiesystem integrieren“, sagt Zehetner. Bisher nicht genutzte Fördermittel sollen außerdem die EAG-Pauschale auf der Stromrechnung leicht senken.

Was für bereits geplante Projekte gilt

Auch wer heuer leer ausgegangen ist, soll eine zweite Chance bekommen. Projekte mit intelligentem Speicher, die 2026 keine EAG-Förderung erhalten haben und ab November abgerechnet oder in Betrieb genommen werden, können 2027 bereits im neuen System einreichen. Für Installationsbetriebe soll das laufende Modell vor allem das Stop-and-go rund um die Fördertermine beenden.

Offen sind allerdings noch die wichtigsten Details: Wie hoch der Bonus ausfällt und welche technischen Kriterien ein Speicher erfüllen muss, wird gerade verhandelt. Danach braucht die Gesetzesänderung eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat, die Regierung ist also auf die Stimmen von FPÖ oder Grünen angewiesen. Zehetner lädt „alle Parteien ein, diesen Weg mitzugehen“.

Branche begrüßt, aber mit Vorbehalten

Die Elektrotechnik ist zufrieden. „Aus einer Lotterie wird damit ein effizientes und planbares Fördersystem“, sagt Bundesinnungsmeister Christian Bräuer. Auch der Elektrohandel lobt das Ende des Stop-and-go-Modus.

Ganz ohne Kritik geht es aber nicht. Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic Austria, sieht bei der Made-in-Europe-Pflicht „noch Spielraum für eine breitere und praxistaugliche Ausgestaltung“. Hintergrund: Ein Großteil der Wechselrichter kommt aus China, entsprechende Boni sorgten schon beim letzten Fördermodell für Diskussionen. Die Branche hatte zudem statt neuer Förderungen eine Senkung der Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen auf 10 bis 12 Prozent gefordert, was Zehetner laut ORF mit Verweis auf die Budgetlage ablehnte. Das i-Magazin kritisiert außerdem, dass „netzdienlich“ ohne konkrete Vorgaben ein dehnbarer Begriff bleibt, und verweist auf Pläne, die maximale Förderquote von 30 auf 20 Prozent der Investitionskosten zu senken. Für Kund:innen heißt das: Die Förderung wird planbarer, pro Anlage aber womöglich kleiner.

Opposition: Zu wenig Geld, zu viele offene Fragen

Scharfe Kritik kommt von der Opposition, deren Stimmen die Regierung für die Zweidrittelmehrheit braucht. Für die Grünen liegt das Problem nicht im Fördermodus, sondern beim Geld. „Das Förderbudget wurde auf das absolute gesetzliche Minimum gekürzt, die Energiewende mutwillig ausgehungert“, sagt Energiesprecher Lukas Hammer in einer Aussendung. Daran ändere auch der Abschied vom Prinzip „First Come, First Served“ nichts. Die frühere Umsatzsteuerbefreiung für PV-Anlagen unter Klimaschutzministerin Leonore Gewessler sei einfacher gewesen, die aktuelle Regierung habe sie abgeschafft. Von einem Gesetzesentwurf sei zudem noch nichts zu sehen, die Regierung vertröste Betroffene „schon aufs nächste Jahr“.

Die FPÖ sieht in den Plänen dagegen ihre eigenen Forderungen umgesetzt, allerdings verspätet. Speicher und eine netzdienliche Nutzung des Sonnenstroms habe man „längst“ gefordert, sagt FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl in einer Aussendung. Ein entsprechender Antrag der Partei sei zweimal im Parlament vertagt worden. Besonders kritisch sieht Hammerl die Übergangsregel: Haushalte und Betriebe sollen schon in wenigen Wochen Speicher einbauen, ohne zu wissen, welche technischen Anforderungen gelten und wie viel Förderung sie bekommen. „Das ist keine Planungssicherheit, das ist eine neuerliche Bankrotterklärung der eigenen Energiepolitik“, so Hammerl. „Heute verkündet die Regierung das Ende der Förderlotterie, übermorgen lässt sie die Menschen wieder dazu antreten“, sagt er mit Blick auf den Fördercall am Donnerstag. Eine Reform mit Speichern und klarer Netzdienlichkeit unterstütze die FPÖ grundsätzlich, die verbindlichen Bedingungen müssten aber vorliegen, bevor investiert wird.

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