KI-Boom: USA planen fast dreimal so viele Gaskraftwerke wie 2023
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Die KI braucht Strom, und in den USA kommt er immer öfter aus Gas: Die geplante Leistung neuer, ans Netz angeschlossener Gaskraftwerke hat sich seit Anfang 2023 fast verdreifacht. Der Grund sind vor allem die Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Gleichzeitig schrumpfen die Pläne für neue Windkraft.
60 Gigawatt neue Gaskraftwerke bis 2030
Das zeigt eine neue Analyse samt interaktiver Karte der Umweltorganisation Environment America Research & Policy Center und des Thinktanks Frontier Group. Auf Basis von Meldungen an die US-Energiebehörde EIA beziffern sie die bis Ende 2030 geplanten Gaskraftwerke auf 60,4 Gigawatt. Im Dezember 2025 waren es noch 41,8 Gigawatt, ein Plus von 44 Prozent in nur acht Monaten. Anfang 2023 lag der Wert bei 20,4 Gigawatt.
Zur Einordnung: Allein die geplanten neuen Gaskraftwerke übertreffen laut der Analyse die gesamte Kraftwerksleistung jedes einzelnen US-Bundesstaats außer Texas, Kalifornien und Florida. Es handelt sich um geplante Projekte, nicht alles davon wird tatsächlich gebaut. Die Zahlen zeigen aber, wie schnell sich die Pläne der US-Stromwirtschaft Richtung Gas verschieben.
Bei den Erneuerbaren geht es in die andere Richtung. Die geplanten Solaranlagen stagnieren, die geplante Windkraft ist seit Dezember 2025 um 33,9 Prozent gesunken. Solar führt zwar weiterhin die Liste der erwarteten neuen Kraftwerksleistung an, hält mit dem Rechenzentrums-Boom aber nicht Schritt.
„Die Daten sind eindeutig: Der rasant steigende Strombedarf von Rechenzentren gefährdet den Übergang unseres Landes zu sauberer Energie“, sagt Andre Delattre, Chief Operating Officer von The Public Interest Network, zu dem Environment America gehört. Angesichts der Lebensdauer neuer Gaskraftwerke könnten diese die USA auf Jahrzehnte an fossile Brennstoffe binden.
Texas baut ein Drittel
Texas allein steht für 33,2 Prozent der geplanten neuen Gaskraftwerke, das sind rund 20 Gigawatt. Würden alle Projekte gebaut, wüchse die Gaskraftwerksleistung des Bundesstaats um fast ein Viertel. Dahinter folgen:
- Louisiana: 6,6 Gigawatt
- Pennsylvania: 4,4 Gigawatt
- Oklahoma: 3 Gigawatt
- Mississippi: 2,6 Gigawatt
Zusammen kommen die fünf Bundesstaaten auf rund 60 Prozent der geplanten Leistung. Insgesamt sind neue Gaskraftwerke in 32 Bundesstaaten und Washington, D.C. vorgesehen. Und die Rechnung ist unvollständig: Gaskraftwerke, die nicht ans Netz gehen, sondern Rechenzentren direkt versorgen, sind nicht enthalten. Sie könnten laut den Autor:innen noch einmal Dutzende Gigawatt ausmachen.
Gesundheitskosten durch Abgase
Beim Verbrennen von Gas entstehen Schadstoffe, die zu Feinstaub und bodennahem Ozon beitragen. Dazu kommt Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas, das bei Förderung und Transport entweichen kann. Die Analyse verweist auf Modellrechnungen, wonach Abgase von fossilen Kraftwerken, Gasturbinen vor Ort und Notstrom-Dieselgeneratoren für Rechenzentren im Jahr 2028 bei starkem Wachstum rund 600.000 Fälle von Asthmabeschwerden und etwa 1.300 vorzeitige Todesfälle verursachen könnten.
„Wenn wir neue Gaskraftwerke bauen, die Stilllegung von Kohlekraftwerken hinauszögern und den Ausbau der Erneuerbaren bremsen, gefährden wir unsere Gesundheit, unseren Planeten und das Wohlergehen künftiger Generationen“, sagt Johanna Neumann, Senior Director der Kampagne für 100 Prozent erneuerbare Energie bei Environment America.
Gemeinden wehren sich
Vor Ort wächst der Widerstand, sowohl gegen die Rechenzentren selbst als auch gegen die Kraftwerke, die sie versorgen sollen. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Data Center Watch rund 120 Rechenzentrumsprojekte im Wert von fast 170 Milliarden Euro durch lokalen Protest blockiert oder verzögert. Die Zahl organisierter Bürger:innengruppen hat sich binnen eines halben Jahres auf 843 in 49 Bundesstaaten mehr als verdoppelt. Laut einer Auswertung von Heatmap News wurden 2026 bereits Rechenzentren im Wert von 260 Milliarden Dollar (rund 231 Milliarden Euro) nach lokalem Widerstand abgesagt, drei Viertel der Amerikaner:innen würden ein Rechenzentrum in ihrer Nähe ablehnen.
Die Anrainer:innen fürchten steigende Strompreise, weil die Kosten für neue Kraftwerke und Leitungen oft auf alle Kund:innen umgelegt werden, dazu Wasserverbrauch, Lärm und Abgase. Zum Symbol ist Memphis geworden: Dort betrieb Musks KI-Firma xAI für ihr Rechenzentrum Colossus zahlreiche Gasturbinen, gegen die Anwohner:innen und Bürgerrechtsorganisationen wegen der Luftverschmutzung juristisch vorgingen. Hunderte Bezirke und Gemeinden haben inzwischen Moratorien oder Verbote für neue Rechenzentren erlassen.
Die Gegenposition: Gas als Rückgrat für die KI
Die Energiebranche und die US-Regierung sehen Gas dagegen als unverzichtbar, um den Strombedarf der KI rasch und rund um die Uhr zu decken. „Seit wir viel schwankende Erzeugung ins Netz gebracht haben, haben wir Probleme mit der zuverlässigen Versorgung“, sagte Chevron-Chef Mike Wirth auf der Energiekonferenz CERAWeek. Der neue Bedarf erfordere andere Lösungen. US-Energieminister Chris Wright bezeichnete KI dort als „energieintensive Fertigungsindustrie“, für die die USA „mit Warp-Geschwindigkeit“ Energie bereitstellen müssten.

