Secret Mission: Wiener Startup macht die Innenstadt zum Agenten-Krimi
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Ein toter Forscher, eine verschwundene Substanz und ein Team, das die Spur verfolgen muss: Mit Secret Mission haben vier Wiener Gründer ein Erlebnis gebaut, bei dem man selbst mitten im Krimi landet. Statt in einem verschlossenen Escape Room ermitteln die Teilnehmenden quer durch den ersten Bezirk, mit echten Schauspieler:innen, Funkgeräten und einer Hacking-App.
Gestartet ist das Unternehmen vor rund drei Monaten. Hinter Secret Mission stehen Alexander Datzer (Geschäftsführer), Clemens Kaufmann (Storytelling), Michael Schabereiter (Technologie) und Florian Zach (Marke und Vertrieb). Laut eigenen Angaben haben drei von ihnen im Staatsdienst gearbeitet, unter anderem bringt das Team Erfahrung aus dem Polizei- und Privatdetektivumfeld mit, einer kommt von der Bühne. „Unsere Vision ist, aus Städten und außergewöhnlichen realen Orten begehbare Geschichten zu machen“, sagt Schabereiter.
NOVEX-3: Von der Kirche in den Weinkeller
Die erste Mission heißt NOVEX-3. Die Geschichte: Ein Forscher ist tot, eine geheimnisvolle Substanz verschwunden, und die Spur führt mitten durch Wien. Die Teams verfolgen Hinweise, befragen Verdächtige und müssen entscheiden, wem sie vertrauen. Die Route führt von einer historischen Kirche durch die Gassen des ersten Bezirks bis in einen unterirdischen Weinkeller. Dabei gelangen die Teilnehmenden auch an Orte, die im Alltag nicht öffentlich zugänglich sind, Secret Mission mietet sie exklusiv an.
Das Format verbindet die Rätsel eines Escape Games mit immersivem Theater. Schauspieler:innen begegnen den Teams an realen Schauplätzen, reagieren auf ihre Fragen und improvisieren innerhalb einer ausgearbeiteten Geschichte, das Drehbuch umfasst laut Startup mehr als hundert Seiten. Entscheidungen der Spieler:innen beeinflussen den Verlauf bis hin zu unterschiedlichen Ausgängen. Funkgeräte, Agentenausweise, physische Rätsel und eine interaktive App gehören zur Ausrüstung, digitale Aufgaben und persönliche Begegnungen greifen ineinander.
- Teamgröße: ein bis acht Personen
- Spielzeit: 60 bis 90 Minuten, mit Briefing rund zwei Stunden
- Sprache: Deutsch oder Englisch
- Preis: ab 79,99 Euro pro Person bei sechs bis acht Personen, kleinere Teams zahlen mehr
Firmenevents als Wachstumstreiber
Geld verdient Secret Mission mit Tickets für Privatpersonen und Tourist:innen, mit Gutscheinen und maßgeschneiderten Veranstaltungen. Ein wichtiges Standbein sollen Teambuildings und Firmenevents werden, die Pakete dafür starten bei 2.500 Euro netto. Gebucht wird online direkt beim Startup sowie über Erlebnis- und Reiseplattformen.
Externes Kapital haben die Gründer bisher nicht aufgenommen, Secret Mission ist bootstrapped. Kurzfristig will das Team die Auslastung in Wien steigern und das Firmenkundengeschäft ausbauen. Weitere Missionen sind in Arbeit, auf der Website sind bereits „Tiefsee“ und „Diamantenraub“ angekündigt. Langfristig soll Secret Mission ein Erlebnisformat werden, das man in jeder größeren europäischen Stadt wiedererkennt. Fixiert sei davon aber noch nichts, betonen die Gründer: „Diese Schritte sind Pläne, keine bereits fixierten Expansionen.“
Schwer zu kopieren, schwer zu skalieren
Den Wettbewerbsvorteil sehen die Gründer im Zusammenspiel vieler Bausteine: Drehbuch, geschulte Darsteller:innen, eingespielte Abläufe, Spielmaterial und Zugang zu besonderen Locations. „Einen Escape Room kann man räumlich nachbauen; ein überzeugendes Live-Erlebnis über mehrere echte Orte hinweg erfordert zusätzlich Partner, Personal, präzise Koordination und eine konsistente Geschichte“, sagt Schabereiter.
Genau das macht das Wachstum aber auch aufwendig, und das räumen die Gründer selbst ein: Wegen Schauspieler:innen und Spielorten sei Secret Mission „kein reines Softwaregeschäft“. Jede neue Stadt braucht neue Locations, neues Personal und eine angepasste Geschichte. Deshalb arbeitet das Team an wiederholbaren Abläufen und Formaten, die sich Schritt für Schritt an anderen Orten umsetzen lassen.
Andere Startups setzen beim Thema Escape Games deshalb auf das Gegenteil. Das Tiroler Startup Mirakelbox etwa bringt autonome Escape Rooms, die ganz ohne Betreuung vor Ort auskommen, in Hotels und Einkaufszentren. Secret Mission positioniert sich am anderen Ende: möglichst viel Mensch, möglichst wenig Kulisse.

