Altersvorsorgedepot: Trade Republic zieht mit Gratis-Angebot nach
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Der Preiskampf um Deutschlands neue Riester-Nachfolge erreicht die Nulllinie: Trade Republic bietet sein Altersvorsorgedepot komplett kostenlos an. Keine Depotgebühren, keine Kosten für Sparpläne und dazu Dutzende ETFs, für die Kund:innen langfristig keine Fondskosten zahlen. Damit reagiert der Berliner Neobroker auf seinen Münchner Rivalen Scalable Capital, der den Markt mit einem ähnlichen Angebot bereits kräftig aufgemischt hat.
Was das Altersvorsorgedepot ist
Das Altersvorsorgedepot ist das Herzstück der deutschen Reform der privaten Altersvorsorge, die der Bundestag im Frühjahr beschlossen hat. Es soll ab 2027 die Riester-Rente ablösen. Anders als bei Riester gibt es keine Pflicht zur Kapitalgarantie, Sparer:innen können direkt in ETFs und Fonds investieren. Erträge bleiben bis zur Rente steuerfrei, Beiträge lassen sich von der Steuer absetzen.
Dazu kommt Geld vom Staat: Laut Trade Republic gibt es bis zu 540 Euro Förderung pro Jahr, bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr sowie einen einmaligen Bonus von 200 Euro für Berufseinsteiger:innen. Das Angebot richtet sich an Sparer:innen in Deutschland, für Österreich gibt es kein vergleichbares Fördermodell.
Das Angebot von Trade Republic
- Keine Depotgebühren: Für das Altersvorsorgedepot fallen keine laufenden Verwahrkosten an.
- Kostenlose Sparpläne: Auch die regelmäßige Ausführung von Sparplänen kostet nichts.
- ETFs ohne Fondskosten: Mehrere Dutzend der beliebtesten ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard sollen langfristig ohne Fondskosten angeboten werden.
„Mit dem neuen Altersvorsorgedepot gehört Deutschland weltweit zu den Vorreitern bei der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge“, sagt Mitgründer Christian Hecker. Jetzt komme es darauf an, dass die Förderung bei den Menschen ankomme und „nicht in hohen Gebühren von Banken und Versicherern versickert“. Zum Start fährt Trade Republic seine bisher größte Werbekampagne im Fernsehen, im Radio und auf Plakaten, mit echten Kund:innen als Testimonials.
Leisten kann sich der Neobroker das Gratis-Modell: Trade Republic hat im Geschäftsjahr 2024/25 754 Millionen Euro Umsatz erzielt und den Gewinn fast versiebenfacht, vor allem dank Provisionen aus dem Wertpapiergeschäft. Mehr als zehn Millionen Kund:innen nutzen die App bereits, viele davon mit Sparplänen.
Scalable Capital hat vorgelegt
Den Preiskampf eröffnet hat Scalable Capital. Bereits im August kündigte der Münchner Neobroker ein Standarddepot an, das im ersten Jahr kostenlos ist und danach höchstens 0,15 Prozent pro Jahr an Produktkosten verursacht. Kürzlich legte Scalable mit dem Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider:innen nach: Sparpläne sind kostenlos, Trades kosten 0,99 Euro oder im Abo-Modell PRIME+ gar nichts. Bei 16 ETFs, darunter Scalables eigener Welt-ETF, schreibt das Unternehmen über einen „Rentenbonus“ die Fondskosten gut und reinvestiert sie. „Wer fürs Alter spart, darf nicht durch Gebühren oder Garantien ausgebremst werden“, sagt Gründer und Co-CEO Erik Podzuweit. Erst kürzlich hat Scalable zudem eine Bankniederlassung in Wien eröffnet.
Die etablierten Anbieter verlangen dagegen teils deutlich mehr:
- Smartbroker: Für die ETFs fallen nur deren Fondskosten an, je nach Produkt etwa 0,03 bis 0,2 Prozent pro Jahr.
- Deka: Das Standarddepot der Sparkassen kostet 0,1 Prozent des Depotwerts pro Jahr.
- DWS (Deutsche Bank): Das digitale Standarddepot kostet in den ersten zwei Jahren 0,1 Prozent und danach 0,28 Prozent pro Jahr. Beim Depot für Selbstentscheider:innen sind es 0,99 Prozent.
- Fidelity: 1,35 Prozent Produktkosten plus 24 Euro Kontoführung pro Jahr.
- ING: Hat eine Warteliste eingerichtet, Konditionen sind noch nicht bekannt.
Für Standardprodukte hat der Gesetzgeber die Kosten bei 1 Prozent pro Jahr gedeckelt. Für Depots, in denen Sparer:innen selbst entscheiden, gilt dieser Deckel nicht, die Anbieter können ihre Preise dort frei festlegen.
Keine Eile beim Abschluss
Bei aller Werbung raten Verbraucherschützer:innen zur Ruhe. Die Stiftung Warentest betont, dass es keinen Grund zur Eile gibt: Die staatliche Förderung für das gesamte Jahr 2027 lässt sich auch noch im Dezember 2027 rückwirkend sichern. Die Altersvorsorge sei für die meisten Menschen eine der wichtigsten Finanzentscheidungen, deshalb sollten sich Sparer:innen vor dem Abschluss gründlich informieren.

