El Niño

Super-El-Niño bricht Temperaturrekord, Monate vor seinem Höhepunkt

Satellite image of Hurricane Polo with a well-defined eye over the Pacific Ocean off Mexico
Hurricane Polo off Mexico's Pacific coast. Image: NASA Earth Observatory/Michala Garrison

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So heiß war der tropische Pazifik noch nie, seit es Messungen gibt. Die Meeresoberfläche in der sogenannten Niño-3.4-Region, dem wichtigsten Messgebiet für El Niño, lag kürzlich um mehr als 3 Grad über dem langjährigen Mittel. Das zeigen die täglichen Daten des Climate Reanalyzer der University of Maine, der die Satellitenmessungen der US-Wetterbehörde NOAA (OISST) auswertet. Laut Science News stieg die Abweichung dort auf 3,08 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020, der bisherige Rekord von 3,02 Grad stammte aus dem November 2015. Und der Höhepunkt ist noch gar nicht erreicht.

Der Höhepunkt kommt erst im Winter

Bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt. El Niño erreicht seine volle Stärke normalerweise erst zwischen November und Jänner. Bei den bisherigen Rekord-Ereignissen 1997/98 und 2015/16 lag die Abweichung Anfang September erst bei rund 1,9 Grad, rechnet Carbon Brief vor. Die Modelle erwarten für den Höhepunkt im Mittel rund 4,1 Grad, vier von fünf der 674 ausgewerteten Modellläufe liegen zwischen 3,4 und 4,6 Grad.

Auch die offizielle Einschätzung der NOAA ist eindeutig. Das Climate Prediction Center sieht eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent für ein „sehr starkes“ Ereignis im Herbst und Winter. Zu 75 Prozent könnte es stärker werden als alle El Niños seit 1950. „Wir werden unseren Höhepunkt wahrscheinlich in den nächsten Monaten erreichen“, sagt Nathaniel Johnson vom Geophysical Fluid Dynamics Laboratory der NOAA. Dass die Werte so hoch klettern, hat laut Nathan Lenssen vom National Center for Atmospheric Research auch mit der Erderwärmung zu tun: „Durch die Erwärmung des Planeten steckt heute mehr Energie in den Ozeanen.“

2027 könnte das heißeste Jahr werden

Für die globalen Temperaturen hat das Folgen. Laut Carbon Brief dürfte 2026 das wärmste oder zweitwärmste Jahr seit Beginn der Messungen werden. Die volle Wirkung zeigt sich aber mit Verzögerung, der größte Effekt wird für 2027 erwartet. Wie gravierend die Folgen für Menschen sein können, zeigen Hochrechnungen des Climate Impact Lab der University of Chicago: Bis Februar 2027 könnte der Super-El-Niño weltweit rund 451.000 zusätzliche Hitzetote verursachen.

Im Westen: Hurrikane aus dem aufgeheizten Pazifik

Direkt spürbar sind die Folgen bereits an den Küsten der USA, und zwar sehr unterschiedlich. Im Osten des Pazifiks liefert das warme Wasser Energie für eine ungewöhnlich aktive Hurrikan-Saison. Hurrikan Polo wurde kürzlich zu einem Sturm der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von rund 290 km/h. Laut NOAA legte er binnen 24 Stunden um rund 176 km/h zu, die dritthöchste jemals gemessene Verstärkung im Ostpazifik nach Patricia (2015) und Otis (2023). Polo ist bereits der dritte Kategorie-5-Sturm der Saison in der Region, nach Genevieve und Lowell.

Auch Kalifornien bekam die Auswirkungen zu spüren. Die Reste von Hurrikan Marie brachten Anfang September seltenen Regen nach Südkalifornien: Am Flughafen von Los Angeles fielen laut Fox Weather rund 15 Millimeter, fast dreimal so viel wie sonst im ganzen September.

Im Osten: ruhiger Atlantik, aber ein früher Nordoststurm

Auf der anderen Seite des Kontinents wirkt El Niño genau umgekehrt. Über dem Atlantik verstärkt das Phänomen die Scherwinde in der Höhe, die Hurrikane am Entstehen hindern. Die NOAA rechnet deshalb zu 75 Prozent mit einer unterdurchschnittlichen Saison. „Wenn El Niño auftritt, wird er meist zum dominierenden Faktor für die gesamte Hurrikan-Saison, und dieser El Niño wird jeden Monat stärker“, sagt NOAA-Hurrikanexperte Matt Rosencrans.

Ruhig blieb es an der Ostküste trotzdem nicht. Ein für die Jahreszeit ungewöhnlich starker Nordoststurm, ein sogenannter Nor’easter, zog am vergangenen Wochenende über den Nordosten der USA. Er brachte Böen von bis zu 130 km/h, Überflutungen an der Küste von Long Island bis zu den Outer Banks und ließ laut AP mehr als 130.000 Haushalte ohne Strom. In New York kam ein Mensch durch einen umstürzenden Baum ums Leben. Solche Stürme treten sonst vor allem im Spätherbst und Winter auf. Ob El Niño bei diesem einzelnen Sturm eine Rolle gespielt hat, lässt sich allerdings nicht ohne Weiteres sagen.

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