Telekom will mit KI 2,5 Milliarden Euro einsparen
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Der Chatbot übernimmt die Hotline, der KI-Agent das Netz: Die Deutsche Telekom will mit künstlicher Intelligenz bis 2030 rund 2,5 Milliarden Euro an indirekten Kosten einsparen, gerechnet gegenüber 2023. Das hat der Konzern soeben bei seinem AI Investor Day in Bonn angekündigt. Gleichzeitig soll KI zum Wachstumsgeschäft werden und die Qualität im Netz und im Kundenservice verbessern.
„KI verändert die Deutsche Telekom grundlegend“, sagt Telekom-Chef Tim Höttges. „Entscheidend ist, dass Technologie messbaren Nutzen stiftet, für unsere Kund:innen und für unser Unternehmen.“
Wo die Telekom sparen will
Eingesetzt wird KI dort, wo viel Routinearbeit anfällt: im Netzbetrieb, im Kundenservice, in der Softwareentwicklung und in der Verwaltung. Die Ziele und ersten Ergebnisse im Überblick:
- Einsparungen: Schon 2027 sollen KI und Automatisierung außerhalb der USA Bruttoeinsparungen von rund 1,1 Milliarden Euro gegenüber 2023 bringen, bis 2030 sollen es rund 2,5 Milliarden Euro bei den indirekten Kosten sein. Die Kosten für die KI-Nutzung selbst, also die Token-Kosten, sind bei den 1,1 Milliarden Euro noch nicht abgezogen.
- Hotline: Der Chatbot „Frag Magenta“ hat allein im ersten Halbjahr rund 2,6 Millionen Kundenanfragen abgewickelt.
- USA: Bei T-Mobile US ist die Zahl der Anrufe im Kundenservice um 55 Prozent gesunken, KI-Agenten bearbeiten dort bereits 40 Prozent aller Kundenkontakte.
- Netz: Der „RAN Guardian Agent“ erkennt drohende Überlastungen im Mobilfunknetz, etwa bei Großveranstaltungen. Die Reaktionszeit ist laut Telekom von mehreren Stunden auf rund eine Minute gesunken.
- Beschwerden: Bei neuen Anschlüssen soll KI Probleme erkennen, bevor daraus Beschwerden werden. Erste Anwendungen zeigen 30 Prozent weniger Reklamationen.
Ein Teil der Einsparungen soll wieder investiert werden, in die Digitalisierung des Konzerns und in den schnelleren Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland.
Souveräne KI als Geschäft
Auf der Umsatzseite setzt die Telekom vor allem auf Europas Wunsch nach souveräner KI. Unternehmen und Behörden wollen KI für sensible Aufgaben nutzen, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben. Herzstück ist die Industrial AI Cloud in München, in der Firmen Industriesimulationen und KI-Prozesse betreiben können. Dazu kommt eine Plattform, mit der kleine und mittlere Unternehmen wiederkehrende Aufgaben etwa im Kundenservice oder in der Logistik automatisieren sollen.
Heuer rechnet die Telekom mit rund 250 Millionen Euro KI-Umsatz mit Geschäftskunden außerhalb der USA, bis 2030 sollen es rund 800 Millionen Euro werden. Auch Privatkund:innen sollen zahlen: Der Magenta AI Assistant übersetzt Handygespräche in Echtzeit, beantwortet Fragen und fasst Inhalte zusammen, ganz ohne zusätzliche App oder neues Gerät. Die Telekom sieht darin die Chance auf neue Dienste und Tarife.
Mitarbeiter:innen sollen KI-Aufseher werden
Unter dem Motto „AI for All“ stellt die Telekom ihren Beschäftigten Werkzeuge wie das hauseigene AskT, ChatGPT Enterprise und Microsoft Copilot zur Verfügung. Mehr als 100.000 Mitarbeiter:innen wurden bereits im Umgang mit KI geschult. Künftig sollen sie Ziele vorgeben, Ergebnisse prüfen und die Verantwortung für Entscheidungen behalten, während die KI die Arbeit erledigt. „Wir fangen gerade erst an“, sagt Höttges.
Wie viele Jobs die Automatisierung kosten wird, sagt die Telekom nicht. Bei T-Mobile US, wo KI-Agenten schon einen großen Teil des Kundenservice übernehmen, läuft parallel ein Umbau mit dem Abbau von rund 4.700 Stellen, den das Unternehmen allerdings mit schlankeren Strukturen und dem Wegfall doppelter Rollen begründet.
KI als Bedrohung für das Kerngeschäft
Dass KI für Telekomkonzerne nicht nur Chancen bringt, zeigt eine Analyse der Bank of America. Die Analyst:innen sehen zwar Vorteile im Vertrieb und bei der Kundenbindung, etwa durch personalisierte Angebote. Gleichzeitig machen es KI-Agenten Kund:innen aber leichter, Tarife zu vergleichen und den Anbieter zu wechseln. Es gebe bereits Berichte über KI-Agenten, die Mobilfunkpakete recherchieren und mit Anbietern bessere Konditionen aushandeln. Die Deutsche Telekom zählt laut BofA allerdings zu den Anbietern, die diesem Preisdruck vergleichsweise gut standhalten.
Auch die Konkurrenz setzt auf KI, teils gemeinsam mit der Telekom. Mit SoftBank und drei weiteren Netzbetreibern hat der Bonner Konzern das Joint Venture Syntelligence gegründet, das KI-Lösungen speziell für die Telekombranche entwickelt, zum Start einen Schutz gegen Spam-Anrufe.

