Deutschland finanziert Zehntausende Abfangdrohnen von Quantum Systems für die Ukraine
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Gegen russische Drohnenschwärme helfen nur noch mehr Drohnen: Deutschland bezahlt der Ukraine mehrere zehntausend Abfangdrohnen des Münchner DefenseTech-Unicorns Quantum Systems. Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz soeben bei seinem Überraschungsbesuch in Kyjiw angekündigt. Die Drohnen sind Teil des deutschen Militärhilfepakets für den Winter 2026/2027 und sollen direkt in der Ukraine produziert werden.
Gebaut in der Ukraine, gegen schnellere Drohnen
Entwickelt wurden die Abfangdrohnen vom ukrainischen Team von Quantum WIY Industries, hinter dem der ukrainische Hersteller WIY Drones steht, an dem Quantum Systems beteiligt ist. Die Systeme sollen Städte, zivile Einrichtungen und kritische Infrastruktur vor Drohnenangriffen schützen und sind bereits im Einsatz. Mit dem Auftrag wird ihre Produktion nun deutlich hochgefahren. Gesteuert werden sie über die Software-Plattform MOSAIC UXS von Quantum Systems.
Hintergrund ist eine neue Bedrohung aus der Luft. Russland setzt neben den klassischen Shahed-Drohnen zunehmend auf schnellere Modelle mit Strahltriebwerk, die mit bis zu rund 370 km/h etwa doppelt so schnell fliegen. Um solche Ziele abzufangen, braucht es Abfangdrohnen in deutlich größerer Stückzahl. Quantum Systems arbeitet selbst an schnelleren Plattformen und hat im Sommer mit einer Testdrohne einen Geschwindigkeitsrekord von 699 km/h aufgestellt, dessen Technik in künftige Abfangdrohnen einfließen soll.
„Die Ukraine braucht Abfangdrohnen im industriellen Maßstab“, sagt Sven Kruck, Co-CEO von Quantum Systems. „Durch den Ausbau der Produktion in der Ukraine können wir schneller auf die akute Bedrohung reagieren und gleichzeitig eine industrielle Fähigkeit aufbauen, die auch Deutschland und seine Verbündeten stärkt.“
Ein Milliardenpaket für den fünften Kriegswinter
Merz reiste gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Vertreter:innen von Rüstungs- und Industriefirmen wie Hensoldt, Diehl Defence, Siemens Energy und Quantum Systems nach Kyjiw. Neben den Drohnen sagte Deutschland laut Euronews eine Milliarde Euro für die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen sowie 350 Millionen Euro für die Reparatur zerstörter Kraftwerke zu. „Die Ukraine braucht in den kommenden Wochen all unsere Unterstützung“, sagte Merz mit Blick auf den nahenden fünften Kriegswinter. Die Zustimmung in Deutschland bröckelt allerdings: Mehr als 40 Prozent der Deutschen finden laut Umfragen inzwischen, dass die Hilfe für die Ukraine zu weit geht.
Beim Industrie-Roundtable mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und Merz unterzeichnete Quantum Systems zudem eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Rüstungshersteller Fire Point. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen neue Technologien für unbemannte Systeme und zur Abwehr moderner Bedrohungen aus der Luft entwickeln.
Deutsch-ukrainisches Produktionsnetz
Für Quantum Systems ist der Auftrag der nächste große Schritt in der Ukraine. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen einen Auftrag über 15.000 Abfangdrohnen von den ukrainischen Streitkräften erhalten. Inzwischen betreibt die Firma ein deutsch-ukrainisches Produktionsnetz aus Quantum Frontline Industries, Quantum WIY Industries und Quantum Tencore Industries und beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiter:innen in der Ukraine. Das Modell soll Erfahrungen von der Front mit deutscher Industriekapazität verbinden und langfristig auch Produktionskapazitäten für die Bundeswehr und verbündete Armeen schaffen.
Finanziell ist das Unternehmen dafür gerüstet. Im Sommer sammelte Quantum Systems in einer der größten DefenseTech-Runden Europas 1,2 Milliarden Dollar ein, die Bewertung stieg auf rund 8 Milliarden Dollar (rund 6,8 Milliarden Euro).
Die Konkurrenz rüstet ebenfalls auf
Quantum Systems ist nicht das einzige deutsche DefenseTech, das vom Drohnenkrieg profitiert. Der Münchner KI-Rüstungskonzern Helsing liefert bereits Kampfdrohnen an die Ukraine und ist mit 18 Milliarden Dollar bewertet. Gemeinsam mit Stark Defence erhielt Helsing zudem Aufträge der Bundeswehr über 540 Millionen Euro. Auf Drohnenabwehr spezialisiert ist auch das Münchner Startup Tytan Technologies. In der Ukraine selbst bauen mehr als zehn Hersteller Abfangdrohnen, darunter Wild Hornets mit ihrer Sting-Drohne.

