Analyse

Warum auf Unicorns nach Hype-Jahr 2021 jetzt schwierigere Zeiten zukommen

© Jp Valery on Unsplash

675 Mrd. Dollar wurden 2021 in Startups und Scale-ups weltweit investiert, und Gründer:innen von Unicorns erhielten den Status von Nationalhelden. Der Investor:innen-Markt wurde zum Gründer:innen-Markt: Nicht selten erzählten Business Angels und VCs davon, dass sie Pitch Decks in petto hatten, um sich bestmöglich vor Foundern zu positionieren. Ein Überangebot an Geld traf 2021 auf aufstrebende Digital-Unternehmen, von denen Investor:innen unbedingt ein Stückchen haben wollten.

Es gab nie eine bessere Zeit, Startup-Gründer in Europa zu sein!„, hörte man allerortens. „Fortunes Are Made During Times Of Crisis“, lautete der Leitsatz vieler. Corona-Krise? Ok, jetzt ist meine Zeit gekommen, dachten sich viele. Daraus entstanden in Europa – mit Hilfe enormer Investitionen aus den USA – etwa 100 neue Unicorns. Nun gibt es die große Frage, ob es 2022 so weitergehen kann.

Es gab nie eine bessere Zeit, Startup-Gründer in Europa zu sein

Investor:innen schrauben an den Valuations

Das erste Monat des neuen Jahres hält dafür eine ernüchternde Antwort parat: Nein. Denn die 2021 gestiegene Inflation nötigt die US-Notenbank nun dazu, ab März die Bremse zu ziehen und den Leitzins zu erhöhen. Geld wird wieder teurer werden, und der Ausblick auf die Zinswende hat Tech-Aktien und Krypto-Assets hart zugesetzt. Die Kurse vielen in den vergangenen Tagen stark, Lust auf Risiko-Assets haben Anleger:innen nun deutlich weniger. Trending Topics hat über die Entwicklungen ausführlich berichtet.

In Investor:innen-Kreisen kursieren bereits seit mehreren Wochen Daten-Analysen zu einer Preiskorrektur bei den Bewertungen von High-Growth-Unternehmen – etwa im Fintech-Bereich. Was hinter den Kulissen bereits Verbreitung fand, gelangt nun an die Öffentlichkeit. So berichtet jetzt The Information, dass Tiger Global Management, einer der größten Geldgeber für private Tech-Startups in den letzten zwei Jahren, ihre Angebote für Anteile an privaten Software-Startups heruntergeschraubt haben – sie sind nicht gewillt, Preise zu bezahlen, wie sie noch 2021 gezahlt wurden. In einigen Fällen sollen die niedrigeren Bewertungen Gründer:innen gegeben worden sein, nachdem die Dokumente zu den Investitionen bereits unterzeichnet worden waren.

Tiger Global stand neben Softbank, Insight Partners, Coatue, Tencent und einigen anderen an der Spitze jener aggressiven Wachstumsinvestoren, die Scale-up-Gründer förmlich mit Geld überschütteten. Auch in Österreich haben sie investiert, und zwar in GoStudent, Adverity und PSPDFKit. Neben Tiger Global soll auch Alkeon Capital aus New York(u.a. Veriff, FireBolt, Apprentice, Qonto, Pleo), ebenfalls als Unicorn-Macher in Europa unterwegs Bewertungen von Scale-ups hinunter geschraubt haben.

Crypto, Aktien & Unicorns: Warum Tech crasht

Unicorns: Softbank will „Bewertungsdisziplin“

Schließlich hat sich auch noch Rajeev Misra, CEO des Softbank Vision Fund, zu Wort gemeldet. „‚Unser Unternehmen ist 20 Milliarden Dollar wert, schicken Sie uns ein Term Sheet, und wir entscheiden, wessen Geld wir nehmen‘ – das ist vorbei“, sagte Misra am Axios Pro Rata Event vor kurzem. Ein Gründer-Markt, in dem Founder sich die Investor:innen nach Belieben aussuchen können und diktieren, zu welchen Bewertungen sie einsteigen können – diese Zeit sei vorbei, meint der Vision Fund-Chef.

Der Markt für Privatunternehmen (und das sind Unicorns im Unterschied zu börsennotierten Firmen) sei „überbewertet“ und müsse „wieder ins Gleichgewicht kommen“, so Misra weiter. Privatfirmen im Software-Bereich würden heute mit Revenue-Multiples von 20x und mehr bewertet werden, jene an der Börse notierte aber nur mit 12x. Bei Softbank werde man 2022 mehr Bewertungsdisziplin walten lassen, kündigte Misra an.

Das Bewertungsdilemma in der Inflationskrise trifft auch Softbank selbst. Nachdem bekannt wurde, dass der Verkauf von Arm an Nvidia wohl flachfallen wird, viel der Kurs des japanischen Investment-Riesen selbst. Insgesamt hat Softbank in den vergangenen Monaten ein Drittel seines Börsenwertes verloren. Einen ersten Schocker gibt es auch aus Frankreich: SigFox, ein mit 300 Millionen Dollar ausgestattetes IoT-Scale-up, ist bankrott – die Überreste der Firma sollen nun neue Besitzer:innen finden.

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