Übernahmeangebot

US-DefenseTech Red Cat will Steyr Motors für etwa 205 Millionen Euro kaufen

Red Cat drone system in field operation
A Red Cat drone system in field operation (Image: Red Cat)

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Der US-Drohnenhersteller Red Cat Holdings will den oberösterreichischen Spezialmotorenbauer Steyr Motors übernehmen und bietet dafür 39 Euro je Aktie in bar.

Red Cat Holdings (Nasdaq: RCAT) legt dazu ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Steyr Motors AG vor, wie das Unternehmen in einer Aussendung mitteilt. Der Angebotspreis liegt 28,9 Prozent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag und 55,8 Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Die Ankeraktionärin B&C-Gruppe hat sich unwiderruflich verpflichtet, ihre Aktien anzudienen, und Steyr-CEO Julian Cassutti will mit seinen eigenen Aktien ebenfalls mitgehen.

Der Käufer: Red Cat Holdings

Red Cat sitzt in Salt Lake City und baut Drohnen und Robotiksysteme für Verteidigung und nationale Sicherheit, darunter die Aufklärungsdrohne Black Widow. Die Firma wächst rasant, schreibt aber Verluste: Der Umsatz stieg zuletzt um mehrere hundert bis über tausend Prozent im Jahresvergleich, startet allerdings von einer sehr kleinen Basis, und die Margen sind dünn. Im Frühjahr holte sich Red Cat per Kapitalerhöhung rund 225 Millionen Dollar frisches Geld an der Börse, laut Aussendung ist das Steyr-Angebot nun "vollständig finanziert". Evercore berät als Finanzberater, Freshfields als Rechtsberater.

Strategisch interessant ist die maritime Sparte "Blue Ops". Sie will 2027 mehr als 1.000 unbemannte Überwasserfahrzeuge (USV) bauen, und Steyr Motors ist laut NuWays Research einer von zwei Motorenlieferanten für das aktuell einzige Modell V7. Wer den Antrieb besitzt, kontrolliert ein Schlüsselteil der Lieferkette.

Die Bewertung: Was Steyr Motors kosten soll

Steyr Motors hat 5.251.261 Aktien, seit das Grundkapital im Frühjahr durch die Übernahme des dänischen Herstellers BUKH angehoben wurde. Daraus lässt sich der Preis des Angebots berechnen:

Kennzahl Wert
Angebotspreis je Aktie 39,00 Euro
Eigenkapitalwert beim Angebot (39 Euro mal 5,25 Millionen Aktien) rund 205 Millionen Euro
Börsenwert am vergangenen Freitag (Kurs rückgerechnet: rund 30,26 Euro) rund 159 Millionen Euro
Börsenwert am 52-Wochen-Tief (rückgerechnet: rund 25,03 Euro) rund 131 Millionen Euro
Unternehmenswert inklusive geschätzter Nettoverschuldung von rund 9 Millionen Euro rund 214 Millionen Euro
Unternehmenswert zu Umsatz 2025 (48,5 Millionen Euro) rund 4,4
Unternehmenswert zu Umsatz 2026 (Prognose 56 bis 61 Millionen Euro) rund 3,5 bis 3,8
Unternehmenswert zu bereinigtem EBIT 2025 (7,0 Millionen Euro) rund 31
KGV auf NuWays-Gewinnschätzung 2027 (1,71 Euro je Aktie) rund 23
KGV auf NuWays-Gewinnschätzung 2028 (3,04 Euro je Aktie) rund 13

Red Cat zahlt den Aktionär:innen also gut 46 Millionen Euro mehr als der Markt am vergangenen Freitag für das Unternehmen verlangte. Zum Vergleich: Beim Börsengang 2024 lag der Platzierungspreis bei 14 Euro, das entsprach einem Börsenwert von rund 74 Millionen Euro. Der Angebotspreis ist knapp das Dreifache davon. Mutares verkaufte im Frühjahr des Vorjahres 910.000 Aktien für 30,9 Millionen Euro, also zu gut 33 Euro je Aktie, und trennte sich später vom Rest. Der Unternehmenswert wirkt auf Basis der aktuellen Zahlen hoch, denn im ersten Halbjahr 2026 lag das bereinigte EBIT bei nur 0,1 Millionen Euro. Er wirkt günstiger, wenn man die Erwartungen für 2027 und 2028 und den Auftragsbestand von 310 Millionen Euro heranzieht. Die Schätzungen stammen von NuWays, einem von Steyr beauftragten Analysehaus.

Die bewegte Geschichte von Steyr Motors

Die Wurzeln reichen weit zurück. Die Monoblock-Motorenfamilie, das technische Herz der Firma, geht auf Entwicklungen von Steyr-Daimler-Puch in den 1920er Jahren zurück. 1990 wurde die Motorensparte aus dem Traditionskonzern herausgelöst. Danach wechselte sie mehrfach den Besitzer: ein früherer ÖIAG-Chef, ein chinesisches Konsortium, am Ende der französische Thales-Konzern. Ende 2018 schlitterte Steyr Motors in die Insolvenz, 2019 übernahm Thales, bis dahin langjähriger Großkunde (etwa für den australischen Hawkei), das Unternehmen.

2022 verkaufte Thales an die Münchner Beteiligungsfirma Mutares, laut Mutares zu einem symbolischen Kaufpreis. Unter CEO Julian Cassutti folgte ein rascher Turnaround und im Herbst 2024 der Börsengang im Scale-Segment der Frankfurter Börse, später kam die Notierung in Wien dazu. B&C stieg als Ankerinvestorin ein. 2025 ging es für die Aktie steil nach oben, Rahmenverträge mit Rheinmetall und später mit KNDS (mindestens 500 Hilfsaggregate für den Leopard 2 bis 2034) füllten die Bücher, und Mutares verkaufte seine letzten 23 Prozent. Heute sind rund 85 Prozent der Aktien im Streubesitz, B&C hält etwa 15 Prozent.

2026 begann mit der ersten Dividende der Firmengeschichte (0,25 Euro je Aktie), der Übernahme des dänischen Bootsmotorenherstellers BUKH und einem Joint Venture in China mit 65 Millionen Euro garantiertem Umsatz über fünf Jahre. Dann kam der Dämpfer: Verzögerte Abrufe großer Rüstungsprojekte bremsten das erste Halbjahr, das Nettoergebnis rutschte auf minus 1,2 Millionen Euro, die Umsatzprognose für 2026 sank von 75 bis 95 auf 56 bis 61 Millionen Euro, und die Mittelfristziele für 2027 (rund 140 Millionen Euro Umsatz, rund 40 Millionen Euro EBIT) wurden zurückgenommen. Die Aktie fiel auf ihr Jahrestief. Im Sommer hatte Red Cat bereits einmal ein unverbindliches Angebot abgegeben und wieder zurückgezogen. Jetzt ist es wieder da, diesmal mit Preis und Rückendeckung der Ankeraktionärin.

Die Konkurrenz

Im Motorengeschäft nennt NuWays Cummins, Iveco, Caterpillar und Deutz als Konzerne, die ihre Aktivitäten in Steyrs Nische ausbauen könnten, bei Stromaggregaten tritt Steyr mit seiner M12 Power Unit gegen Caterpillar, Cummins und MTU an. Steyrs Argument ist die hohe Leistungsdichte bei geringem Gewicht, oft als Einzellieferant auf Plattformen mit jahrzehntelanger Laufzeit. Red Cat selbst bewegt sich im Drohnengeschäft unter anderem im Umfeld von US-Anbietern wie AeroVironment oder Skydio, die um dieselben Programme des Pentagons konkurrieren.

Zwei Sichtweisen auf das Angebot

Für das Angebot spricht aus Sicht von Steyr-Führung und Aufsichtsrat die Chance auf internationale Expansion, Kapital und Kundenzugang. Der Aufsichtsrat bewertet die Transaktion vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage positiv. Red Cat verspricht, Belegschaft, Fertigung sowie Forschung und Entwicklung am Standort Steyr zu halten und den Standort als Ankerpunkt für das Europageschäft zu prüfen. Aus Sicht der Aktionär:innen bietet der Barpreis nach dem Kurssturz im Sommer einen sofortigen Ausstieg.

Dagegen halten die Analyst:innen von NuWays, die nach der Gewinnwarnung weiter auf Kaufen stehen und einen fairen Wert von 49 Euro je Aktie errechnen, also gut ein Fünftel mehr als geboten wird. Ihrer Einschätzung nach ist das Wachstum verschoben, aber nicht gestrichen, weil keine Aufträge verloren gegangen seien. Für 2027 stehen ein spanischer Fünfjahresauftrag über 1.000 Fahrzeuge, eine österreichische Ausschreibung über 800 Fahrzeuge und das USV-Geschäft im Raum. Auf der anderen Seite des Deals steht ein Käufer, der Verluste schreibt und dessen Bewertung am Kapitalmarkt hoch ist. Zudem müssen Behörden in Österreich, Italien, Australien und Großbritannien zustimmen, was zeigt, wie sensibel eine Rüstungslieferkette beim Eigentümerwechsel ist.

Wie es weitergeht

Die vollständige Angebotsunterlage soll auf ir.redcatholdings.com erscheinen, die Annahmefrist läuft voraussichtlich bis Mitte Dezember. Das Angebot kommt nur zustande, wenn Red Cat am Ende mindestens 50 Prozent plus eine Aktie hält, das sind rechnerisch rund 2,63 Millionen Aktien. Die zugesagten Aktien von B&C (rund 0,79 Millionen) sind davon ein knappes Drittel, die Mehrheit der übrigen Aktionär:innen muss also noch überzeugt werden. Noch diese Woche legt Steyr laut Finanzkalender die Zahlen zum dritten Quartal vor, die für die Entscheidung der Aktionär:innen zusätzliche Hinweise liefern dürften.

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