Wero & EuroPA: 5 europäische Payment-Anbieter wollen 130 Millionen User von Visa, PayPal und Co wegholen
Europas Banken arbeiten an einer gemeinsamen Antwort auf Visa, Mastercard und PayPal, und sie wird konkreter. Mit einem im Februar 2026 unterzeichneten Memorandum of Understanding (MoU) haben sich die französisch-deutsch-belgisch-niederländische Wero-Initiative (betrieben von der EPI Company) und die Mitglieder der EuroPA-Allianz – Bancomat, Bizum, SIBS-MB WAY und Vipps MobilePay – auf den Aufbau einer gemeinsamen, grenzüberschreitenden Zahlungsinfrastruktur verständigt.
Zusammengenommen erreichen die fünf Anbieter laut eigenen Angaben rund 130 Millionen Nutzer:innen in 13 europäischen Ländern, was etwa 72 Prozent der Bevölkerung der EU plus Norwegen entspricht. Ziel ist es, dass diese Nutzer:innen künftig länderübergreifend zahlen können, ohne ihre gewohnte App zu wechseln. Eine französische Wero-Nutzerin etwa könnte Geld an eine spanische Bizum-Kontaktperson senden, als wäre es eine Inlandstransaktion.
Wer erwartet welche Reichweite
Die fünf beteiligten Systeme decken jeweils unterschiedliche Märkte ab:
- Wero (EPI Company): aktiv in Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Mehr als 48 Millionen Nutzer:innen sind bereits mit dem P2P-Dienst vertraut, seit September 2024 wurden rund 6 Milliarden Euro transferiert. Allein in Frankreich kommt Wero laut Stripe auf rund 16 Millionen aktive Nutzer:innen.
- Bizum: spanischer Marktführer im P2P-Zahlungsverkehr.
- Bancomat: italienischer Anbieter mit breiter Bankenanbindung.
- MB WAY (SIBS): dominierende Lösung in Portugal.
- Vipps MobilePay: der nordische Anbieter, der in Norwegen, Dänemark, Finnland und Schweden aktiv ist.
Innerhalb der EuroPA-Allianz funktioniert die Interoperabilität zwischen den drei Gründungsmitgliedern bereits: Seit März 2025 können über 50 Millionen Nutzer:innen in Andorra, Italien, Portugal und Spanien – Kund:innen von 186 Finanzinstituten – sofort über die Grenzen hinweg Geld senden und empfangen. Polens BLIK und das griechische IRIS-System sind ebenfalls der Initiative beigetreten und sollen schrittweise integriert werden.
Zeitplan: P2P zuerst, Handel folgt
Der Rollout erfolgt in Stufen. Peer-to-Peer-Überweisungen sollen 2026 in allen 13 abgedeckten Ländern verfügbar sein, gefolgt von Online- und stationären Händlerzahlungen. Die beteiligten Anbieter geben als gemeinsames Ziel an, nahtlose grenzüberschreitende Zahlungen in Europa bis 2027 zu ermöglichen.
Einen ersten technischen Machbarkeitsnachweis gibt es bereits: In einem Proof of Concept konnten Nutzer:innen von Bancomat, Wero und MB WAY QR-Code-basierte Person-to-Merchant-Zahlungen bei Händlern in den jeweils anderen Netzwerken durchführen, unterstützt von La Banque Postale, Intesa Sanpaolo und 28 MB-WAY-Finanzinstituten.
Geplant ist eine zentrale Interoperabilitäts-Plattform, die die nationalen Systeme miteinander verbindet, ohne die jeweiligen Marken zu ersetzen. Die Verwaltung soll über eine gemeinsame Einheit erfolgen, die die Partner aufbauen wollen.
Hintergrund: Wie Wero funktioniert
Wero ist kein klassisches Wallet mit Guthaben, sondern eine Overlay-Lösung auf den bestehenden Bankkonten. Konkret handelt es sich um ein digitales Wallet, das Echtzeitzahlungen über das SEPA Instant Credit Transfer (SCT Inst)-Schema abwickelt und von der European Payments Initiative (EPI) verwaltet wird. Nutzer:innen greifen entweder über die App ihrer Hausbank oder über eine eigenständige Wero-App darauf zu.
Technisch bedeutet das: Wero nutzt das SEPA Instant Credit Transfer-Protokoll und bestehende Account-to-Account (A2A)-Schienen, um Geld innerhalb von rund zehn Sekunden zwischen Bankkonten zu transferieren – per Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder QR-Code. Anders als bei Karten- oder klassischen SEPA-Überweisungen muss die empfangende Person keine IBAN angeben. Die Sicherheit basiert auf europäischen Bankstandards und der PSD2-Regulierung, einschließlich Strong Customer Authentication (SCA); alle Daten werden DSGVO-konform verarbeitet.
Im E-Commerce funktioniert Wero ähnlich wie etablierte lokale Bezahlmethoden: An der Kasse wählt der Kunde Wero, wird zur Banking- oder Wero-App weitergeleitet, authentifiziert die Zahlung – und der Händler erhält in Echtzeit die Bestätigung.
Die Bankenpartner hinter Wero
Hinter der EPI Company, die Wero betreibt, steht ein Konsortium europäischer Banken und Payment-Anbieter. Zu den 16 Anteilseignern zählen laut Bank- und Partnerkommunikation: BFCM, BNP Paribas, Groupe BPCE, Crédit Agricole, Deutsche Bank, DSGV (Sparkassen), ING, KBC Group, La Banque Postale, Nexi, Société Générale, Worldline sowie Belfius, DZ Bank und weitere Institute. Das Konsortium repräsentiert nach EPI-Angaben zwischen 75 und 85 Prozent der Bankkund:innen in Deutschland, Frankreich und den Benelux-Staaten; EPI hat zudem 2023 die niederländischen Zahlungslösungen iDEAL und Payconiq übernommen.
Auf operativer Ebene haben sich laut Mollie inzwischen rund 50 große Banken und Bankengruppen in Europa der P2P-Funktion von Wero angeschlossen, weitere Integrationen sind in Vorbereitung. In den Niederlanden soll Wero mittelfristig das etablierte iDEAL ablösen.

