1Komma5° holt 70 Millionen Euro, der Börsengang muss warten
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Statt an die Börse geht es für 1Komma5° wieder zu den Investor:innen: Das Hamburger Energie-Unicorn hat soeben 70 Millionen Euro von bestehenden und neuen Geldgeber:innen eingesammelt. Neu an Bord ist der japanische Cleantech-Fonds Marunouchi Innovation Partners (MIP), der vor allem Erfahrung mit Energieinvestitionen in den USA mitbringen soll. Die Bewertung liegt laut Unternehmen bei 1,35 Milliarden Dollar (rund 1,2 Milliarden Euro), berichtet die Börsen-Zeitung.
Über 100 Millionen Euro für Heartbeat AI
Das Geld soll vor allem in Heartbeat AI fließen, das KI-Energiemanagement von 1Komma5°. Die Software steuert Solaranlagen, Heimspeicher, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Wallboxen in Haushalten und verbindet sie mit dem Strommarkt. Im kommenden Jahr will das Unternehmen mehr als 100 Millionen Euro in das System investieren. Heartbeat AI bündelt laut 1Komma5° bereits über ein Gigawatt flexibel steuerbarer Leistung, bis 2030 sollen es 20 Gigawatt werden. Der annualisierte Umsatz der Software lag zuletzt bei rund 30 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie im Jahr davor.
Rückenwind kommt aus der Politik. Die geplante schrittweise Abschaffung der Einspeisevergütung in Deutschland treibt die Nachfrage, der Auftragseingang in Deutschland stieg allein im September um fast 50 Prozent. „Heartbeat AI wird in einem freien Markt nun die Funktion der ehemals fixen gesetzlichen Vergütung übernehmen“, sagte CEO und Mitgründer Philipp Schröder bereits im September, als 1Komma5° neue Geschäftszahlen vorlegte.
700 Millionen Euro Umsatz angepeilt
Für 2026 erwartet 1Komma5° einen Umsatz von rund 700 Millionen Euro, ein Plus von 35 bis 40 Prozent. Das Hardware-Kerngeschäft soll ein operatives Ebitda von rund 40 Millionen Euro erzielen. Das Unternehmen beschäftigt rund 3.000 Mitarbeiter:innen an mehr als 80 Standorten in sieben Ländern und hat nach eigenen Angaben über 300.000 steuerbare Energiesysteme installiert. Seit der Gründung 2021 hat 1Komma5° knapp 400 Millionen Euro Eigenkapital eingesammelt.
Als nächster Schritt steht der US-Markt im Raum. „Wir erwägen den Markteintritt in den USA“, sagte Schröder. Man wolle sehen, „wie viel Drive dahinter ist und wie viel Interesse von Investoren es dort tatsächlich gibt“. Dabei soll der neue Investor MIP helfen.
Börsenpläne auf Eis
Eigentlich wollte 1Komma5° längst an der Börse sein. Ende 2024 hatte das Unternehmen 150 Millionen Euro als letzte Finanzierungsrunde vor dem IPO eingesammelt. Einen geplanten Börsengang an der Nasdaq sagte 1Komma5° im Vorjahr dann wegen der Energie- und Handelspolitik der US-Regierung ab. Ein neuer Anlauf hängt laut Schröder vom wirtschaftlichen Erfolg im kommenden Jahr ab. Auch die Bewertung hat sich kaum bewegt: Schon 2023 wurde 1Komma5° mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. Und 2024 hatte das Unternehmen seine Umsatzziele um rund 200 Millionen Euro verfehlt.
Die Konkurrenz ist teils deutlich größer. Der Berliner Rivale Enpal, der Anfang des Jahres die Milliarden-Umsatzmarke überschritt, erwartet für heuer mehr als 1,3 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 18 Prozent. Der Wärmepumpen-Spezialist Thermondo peilt 275 Millionen Euro Umsatz an, 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

