Hybrid-Deal: China bremst Autoexporte in die EU
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Europa hat das Schlupfloch gefunden, durch das Chinas Autobauer seit zwei Jahren fahren, und will es jetzt verengen: China und die EU haben sich bei Gesprächen in Peking auf eine Begrenzung chinesischer Hybrid-Exporte geeinigt. In den kommenden vier Jahren sollen weniger als halb so viele Hybride und Plug-in-Hybride aus China in die EU kommen wie bisher erwartet. Das verkündete EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nach zwei Tagen Verhandlungen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao auf X. Er spricht von „einem entscheidenden ersten Schritt, aber nur einem ersten Schritt“.
Mehrere Millionen Autos weniger
Wie die Begrenzung funktionieren soll, ist noch offen. Šefčovič nannte weder den Mechanismus noch konkrete Zahlen, er will die Details zuerst den EU-Staats- und Regierungschefs vorlegen, die beim Gipfel kommende Woche darüber beraten. Laut Šefčovič könnten dadurch über vier Jahre „mehrere Millionen“ chinesische Fahrzeuge weniger in die EU gelangen als in einem Szenario ohne Einigung. Wichtig ist der Vergleichswert: Halbiert werden die prognostizierten Exporte, nicht die aktuellen. Chinas Handelsministerium bestätigte eine Verständigung, die den Regeln der Welthandelsorganisation entspreche, nannte aber ebenfalls keine Zahlen. Noch im September hatte Peking freiwillige Exportbeschränkungen als schweren Verstoß gegen WTO-Regeln abgelehnt.
Im Paket stecken auch Zugeständnisse in anderen Bereichen. China senkt Zölle auf sieben Produktgruppen, darunter Autoteile, Olivenöl und Schuhe, mit europäischen Exporten im Wert von fast 4 Milliarden Euro. Zudem will Peking Exportlizenzen für seltene Erden und Permanentmagnete schneller vergeben.
Das Schlupfloch der E-Auto-Zölle
Hintergrund ist ein regelrechter Boom. Seit Oktober 2024 gelten in der EU auf Elektroautos aus China Ausgleichszölle von bis zu 35,3 Prozent zusätzlich zum regulären Autozoll von 10 Prozent. Hybride waren davon ausgenommen, und die chinesischen Hersteller haben ihre Exporte prompt umgestellt. Laut dem chinesischen Branchenverband CPCA gingen in den ersten acht Monaten 2026 rund 490.000 Plug-in-Hybride (plus 179 Prozent) und 270.000 Vollhybride (plus 142 Prozent) aus China in die EU. Der Marktanteil chinesischer Marken bei Hybriden stieg laut dem europäischen Herstellerverband ACEA von rund 2 Prozent im Jahr 2024 auf 14 Prozent im ersten Halbjahr 2026, bei Plug-in-Hybriden sogar auf 25 Prozent. Trending Topics hatte zuletzt berichtet, wie China-Hybride Europa überrollen. Ohne Einigung hätte die EU-Kommission Schutzzölle verhängt, bei denen nur ein festes Kontingent zum normalen Zollsatz eingeführt werden darf.
Lob von der Industrie, Skepsis von Ökonom:innen
Die Autoindustrie begrüßt die Einigung. ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries warnt vor einer „abrupten Destabilisierung des Marktes“ und Preiskämpfen, die Einigung könne helfen, die chinesische Präsenz in Europa geordnet wachsen zu lassen. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sprach von einem „ersten positiven Signal“, will aber die Details abwarten. Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament, sieht erste Fortschritte, aber noch keinen Durchbruch.
Skeptiker:innen gibt es ebenfalls. Der Autoberater Michael Putz sagte laut Forbes, Brüssel habe sich lediglich auf „eine kleinere Welle als die prognostizierte“ geeinigt, die Absatzzahlen könnten also trotzdem weiter steigen. Die Ökonomin Alicia García-Herrero (Natixis, Bruegel) gibt zu bedenken, dass die Zugeständnisse nur wenige Milliarden Euro wert seien, bei einem Handelsdefizit der EU mit China von rund 360 Milliarden Euro. Peking gewinne vor allem Zeit.
Chinas Autobauer produzieren längst in Europa
Gleichzeitig weichen die chinesischen Hersteller auf Produktion in Europa aus. BYD will noch heuer im ungarischen Szeged die Serienproduktion aufnehmen, Chery fertigt gemeinsam mit Ebro in Barcelona, und Xpeng lässt Autos bei Magna Steyr in Graz montieren. Ein ähnliches Muster gab es bereits vor rund 40 Jahren: Damals begrenzte Japan seine Autoexporte nach Europa, im Gegenzug bauten Toyota, Nissan und Honda Werke vor Ort. Der Erfolg der chinesischen Marken ist auch in Österreich sichtbar, wo BYD zuletzt unter die sechs meistverkauften Marken aufstieg.

