Bending Spoons kauft Datenbank-Unicorn Airtable nach massiver Abwertung
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Der italienische Technologiekonzern Bending Spoons S.p.A. hat eine definitive Vereinbarung zur Übernahme des US-Softwareunternehmens Airtable unterzeichnet. Die Transaktion erfolgt als reiner Barkauf und bewertet Airtable mit 1,285 Milliarden US-Dollar, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Unter Einbeziehung der Netto-Cash-Position von Airtable ergibt sich laut Bending Spoons ein Eigenkapitalwert von rund 2,25 Milliarden US-Dollar. Bending Spoons übernimmt dabei 100 Prozent der ausstehenden Airtable-Anteile.
Der Abschluss der Transaktion wird für das laufende Jahr erwartet, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und üblicher Abschlussbedingungen. Bis dahin sollen beide Unternehmen unabhängig voneinander weiteroperieren.
Erste Übernahme nach dem Börsengang
Airtable wurde 2013 gegründet und bietet eine Plattform, die Tabellenkalkulations- und Datenbankfunktionen kombiniert, mit der Unternehmen ohne Programmierkenntnisse eigene Anwendungen und Workflows aufbauen können. Insgesamt hat das Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco etwa 1,4 Milliarden Dollar an Kapital aufgenommen, die Bewertung bei der Series F im Jahr 2021 lag noch bei satten 11,7 Milliarden Dollar. Damit wurde Airtable also beim Verkauf ordentlich abgewertet.
Die Bending-Spoons-Aktie schloss am Montag bei 36,22 USD, ein Plus von 2,9 Prozent und deutlich über dem IPO-Preis von 29 USD. Im nachbörslichen Handel legte das Papier um weitere 2,54 Prozent auf 37,14 USD zu.
Airtable ist die erste Akquisition von Bending Spoons seit dessen Nasdaq-Debüt im vergangenen Monat. Sie folgt auf die heuer bereits vollzogenen Käufe der Internetmarke AOL und der Ticketing-Plattform Eventbrite und reiht sich damit in eine seit Jahren anhaltende, aggressive Expansionsstrategie ein.
Das bekannte Muster: Zukauf, dann massiver Stellenabbau
Bending Spoons, 2013 in Mailand gegründet, hat sich in den vergangenen Jahren als einer der prominentesten europäischen Tech-Konsolidierer positioniert. Das Unternehmen kombiniert ein Technologie-Operations-Modell mit einem Private-Equity-ähnlichen Akquisitionsansatz: Es kauft etablierte digitale Produkte und Marken auf und unterzieht sie anschließend tiefgreifenden Restrukturierungen.
Im breiten Portfolio finden sich unter anderem WeTransfer, Evernote, Vimeo, Meetup, Brightcove, StreamYard, MileIQ, Remini sowie – für die DACH-Region besonders relevant – der Wander- und Outdoor-Anbieter Komoot aus Potsdam und der oberösterreichische Pet-Tech-Anbieter Tractive.
In beiden Fällen folgte auf den Zukauf ein einschneidender Personalabbau:
- Komoot: Die Übernahme des Berliner bzw. Potsdamer Unternehmens wurde im März 2025 bekannt. Wenige Wochen später wurden Berichten zufolge rund 85 Prozent der ursprünglichen Belegschaft entlassen, ein Teil davon laut Berichten bereits innerhalb weniger Tage nach Vertragsabschluss. BornCityBusiness Insider
- Tractive: Nach Abschluss der Übernahme des Paschinger GPS-Tracker-Herstellers im Mai 2026 plante Bending Spoons einen Stellenabbau von rund 160 der etwa 300 Arbeitsplätze – mehr als die Hälfte der Belegschaft. Mitgründer Michael Hurnaus, der zuvor öffentlich betont hatte, bewusst einen „Forever Owner“ statt eines klassischen Private-Equity-Investors gewählt zu haben, kündigte im Zuge der Übernahme seinen eigenen Rückzug als CEO an, ebenso CFO Wolfgang Reisinger. Trending Topics
Ähnliche Einschnitte gab es bereits bei früheren Deals: Nach der Übernahme von WeTransfer strich Bending Spoons rund drei Viertel der Belegschaft, bei Evernote wurde das gesamte US-Team entlassen, bei Eventbrite wurde die Mannschaft mehr als halbiert.
Bending-Spoons-Chef Luca Ferrari hatte gegenüber Reuters für 2026 ein bereinigtes EBITDA von 1,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Ob und in welchem Umfang auch bei Airtable nach Abschluss der Übernahme Stellen abgebaut werden, ist bislang nicht bekannt – zu den rund 1.400 Mitarbeitenden von Airtable äußerten sich beide Unternehmen in der Mitteilung vom Dienstag nicht.

