Nach Binance-Hack: Bitcoin fällt bis auf 76.650 Dollar
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Ein Hack, und plötzlich ist die Angst zurück. Nach dem Rekord-Diebstahl bei Binance ist der Kryptomarkt in der Nacht auf Freitag deutlich abgerutscht. Bitcoin fiel zeitweise auf rund 76.650 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen. Inzwischen hat sich die größte Kryptowährung wieder etwas erholt und notiert am Freitagmorgen bei rund 78.500 Dollar (etwa 70.500 Euro).
Die Kurse im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der größten Krypto-Assets nach Marktkapitalisierung (ohne Stablecoins) laut CoinGecko, Stand Freitagmorgen.
| Krypto-Asset | Preis | 24 Stunden | 7 Tage |
|---|---|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 78.518,00 Dollar | −1,78 % | −3,79 % |
| Ethereum (ETH) | 2.245,53 Dollar | −2,79 % | −6,48 % |
| BNB (BNB) | 715,24 Dollar | −4,83 % | −3,09 % |
| XRP (XRP) | 1,26 Dollar | −2,44 % | −4,69 % |
| Solana (SOL) | 98,11 Dollar | −1,74 % | −5,84 % |
| Tron (TRX) | 0,3388 Dollar | +2,43 % | +2,52 % |
| Hyperliquid (HYPE) | 93,23 Dollar | +18,00 % | +18,74 % |
| Zcash (ZEC) | 1.273,86 Dollar | +2,39 % | +4,12 % |
| Dogecoin (DOGE) | 0,0763 Dollar | −2,32 % | −4,25 % |
| Monero (XMR) | 591,81 Dollar | +0,47 % | −4,01 % |
| UNUS SED LEO (LEO) | 9,43 Dollar | −0,31 % | +4,41 % |
| Chainlink (LINK) | 11,13 Dollar | −2,68 % | −8,90 % |
| Cardano (ADA) | 0,1941 Dollar | −2,02 % | −10,14 % |
| Stellar (XLM) | 0,1670 Dollar | −0,53 % | −6,21 % |
| Bitcoin Cash (BCH) | 283,47 Dollar | +1,52 % | −0,95 % |
Auf Wochensicht stehen fast alle großen Coins im Minus. Am härtesten trifft es Cardano mit mehr als 10 Prozent und Chainlink mit knapp 9 Prozent. Bitcoin kommt noch auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,58 Billionen Dollar.
Die Nacht des Absturzes
Der Hack wurde am Donnerstagabend europäischer Zeit bekannt, und die Reaktion folgte prompt. Bitcoin fiel innerhalb weniger Stunden um mehr als 4 Prozent, Ether um mehr als 5 Prozent und Solana um knapp 6 Prozent. Am stärksten erwischte es BNB, den Token der gehackten Börse: Er sackte zwischenzeitlich auf rund 692 Dollar ab und liegt auch jetzt noch knapp 5 Prozent im Minus.
Besonders hart traf es Trader:innen, die mit Hebel auf steigende Kurse gesetzt hatten. Laut Daten von CoinGlass wurden allein in der ersten Stunde nach Bekanntwerden des Hacks Positionen im Wert von rund 628 Millionen Dollar zwangsweise aufgelöst, fast alles Long-Positionen. Insgesamt summierten sich die Liquidationen laut CoinDesk auf rund 1,5 Milliarden Dollar, davon 468 Millionen bei Bitcoin und 358 Millionen bei Ether.
Dabei ist der direkte Effekt des Diebstahls überschaubar. Die gestohlenen Bitcoin entsprechen nur einem Bruchteil der gesamten Marktkapitalisierung, und rund drei Milliarden Dollar der Beute sind bereits eingefroren. Der Absturz ist daher vor allem eine Frage der Stimmung: Wenn die größte Börse der Welt Auszahlungen stoppt, werden Erinnerungen an den Zusammenbruch von FTX im Jahr 2022 wach.
HYPE als große Ausnahme
Einer der wenigen Gewinner ist Hyperliquid. Der Token HYPE liegt binnen 24 Stunden 18 Prozent im Plus und nähert sich seinem Rekordhoch. Grund ist die Nachricht, dass die NYSE-Mutter ICE mit der Hyperliquid-Plattform Trade[XYZ] zusammenarbeitet und deren Märkte in die USA bringen will. Dazu kommt, dass Hyperliquid als dezentrale Börse von einem möglichen Vertrauensverlust in zentrale Plattformen wie Binance profitieren könnte.
Leicht im Plus liegen binnen 24 Stunden auch Tron, Zcash und Bitcoin Cash.
Zinsen und Aktien belasten zusätzlich
Der Binance-Hack traf auf einen ohnehin nervösen Markt. Die US-Notenbank hatte am Mittwoch die Zinsen unverändert gelassen, mehrere Mitglieder des Zinsausschusses plädierten aber bereits für eine Erhöhung. Dazu kamen Verluste an den Aktienmärkten, angeführt von der Google-Aktie, die am Donnerstag rund 12 Prozent einbrach. Höhere Zinsen und fallende Tech-Kurse ziehen erfahrungsgemäß auch Geld aus Kryptowährungen ab.
Entsprechend hat sich die Stimmung gedreht. Der Crypto Fear & Greed Index von Alternative.me fiel von 51 Punkten (neutral) am Donnerstag auf 30 Punkte und signalisiert damit wieder „Angst“. Bitcoin steuert damit auf einen schwachen Oktober zu, nachdem der Kurs zuletzt noch die meiste Zeit über 80.000 Dollar gelegen hatte.
Wie geht es weiter?
Geoffrey Kendrick, Leiter der Krypto-Analyse bei Standard Chartered, rechnet mit weiteren Verlusten. Einen neuen Boden werde der Markt erst finden, wenn die eingefrorenen Gelder freigegeben sind und mehr Details zum Hack bekannt werden. Nach unten gilt die Marke von rund 76.300 Dollar als wichtige Unterstützung, das Tief von Mitte September. Ein Tagesschluss darunter wäre der erste klare Bruch seit sechs Wochen.
Für eine Beruhigung könnte Binance selbst sorgen. Die Börse will die Auszahlungen in den kommenden Tagen wieder freigeben und einen neuen Nachweis ihrer Reserven veröffentlichen. Zeigt dieser, dass alle Kund:innengelder gedeckt sind, dürfte sich die Lage entspannen.

