Alphabet

Minus 12 Prozent: Google-Aktie erlebt den schwärzesten Tag seit dem IPO

Colorful Google logo on the glass facade of an office building against a blue sky
Alphabet shares suffered their worst day since the company's I.P.O. © Adarsh Chauhan on Unsplash

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Rekordumsatz, Cloud-Boom, eine Milliarde Gemini-Nutzer:innen, und trotzdem flüchten die Anleger:innen. Die Aktie von Google-Mutter Alphabet ist am Donnerstag zeitweise um 13 Prozent eingebrochen, zuletzt lag das Minus bei rund 12 Prozent. Laut Yahoo Finance steuert das Papier damit auf den stärksten Tagesverlust seit dem Börsengang im Jahr 2004 zu. Zwischenzeitlich lösten sich rund 500 Milliarden Dollar an Börsenwert in Luft auf, aktuell ist Alphabet an der Börse noch rund 3,46 Billionen Dollar wert.

Ein Verlust in historischer Dimension

Laut Yahoo Finance wäre es auf diesem Niveau der zweitgrößte Verlust an Börsenwert, den ein US-Unternehmen je an einem einzigen Tag erlitten hat. Größer war bisher nur der Absturz von Nvidia im Jänner 2025, als das chinesische KI-Modell von DeepSeek die Börsen erschütterte und der Chipkonzern rund 593 Milliarden Dollar verlor. Alphabets bisher schlechtester Tag war erst im Juli dieses Jahres, damals ging es um rund 275 Milliarden Dollar abwärts.

Auslöser waren die Quartalszahlen vom Mittwochabend. Auf den ersten Blick sahen diese gut aus: Der Umsatz stieg um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar, die Cloud-Sparte verdoppelte sich auf 30,7 Milliarden Dollar, das Betriebsergebnis legte um 30 Prozent zu. Bei genauerem Hinsehen fanden die Anleger:innen aber gleich mehrere Gründe zur Sorge.

Die Gründe für den Absturz

  • KI-Ausgaben: Alphabet hat allein im dritten Quartal 51,4 Milliarden Dollar in Rechenzentren, Server und Chips gesteckt, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr sind 195 bis 205 Milliarden Dollar geplant, 2027 sollen die Ausgaben noch einmal deutlich steigen.
  • Negativer Cashflow: Weil die Investitionen höher sind als das, was das operative Geschäft an Geld einbringt, war der freie Cashflow mit minus 9,1 Milliarden Dollar das zweite Quartal in Folge negativ. Um die Ausgaben zu stemmen, hat Alphabet Anleihen über 28,7 Milliarden Dollar ausgegeben und neue Aktien verkauft.
  • Gewinn verfehlt: Der Gewinn je Aktie lag mit 2,12 Dollar deutlich unter den Erwartungen von rund 3 Dollar. Ein Grund sind Verluste von rund 8,7 Milliarden Dollar auf Beteiligungen an anderen Unternehmen, darunter laut mehreren Berichten SpaceX.
  • Schwächere Suche: Der Umsatz mit der Google-Suche wuchs nur noch um 12 Prozent auf 63,4 Milliarden Dollar, Analyst:innen hatten laut Yahoo Finance mit rund 65 Milliarden Dollar gerechnet. Google-Manager Philipp Schindler nannte vor allem Währungseffekte als Grund, räumte aber auch ein, dass der KI-Modus der Suche pro Anfrage weniger Werbegeld bringt.

Gerade der letzte Punkt nährt eine alte Sorge. Die Pessimist:innen würden argumentieren, dass dies das erste Quartal sei, in dem KI dem Suchgeschäft ernsthaft zu schaden beginne, sagte Jeffrey Wlodarczak, CEO des Analysehauses Pivotal Research, laut Yahoo Finance.

Dazu passt eine Zahl, über die Trending Topics bereits berichtet hat: Mit 63,4 von 127,6 Milliarden Dollar stammten im dritten Quartal erstmals weniger als die Hälfte der Alphabet-Umsätze aus der Sparte „Google Search & other“, nämlich 49,7 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 55,3 Prozent. Das eigentliche Kerngeschäft, mit dem Google groß geworden ist, verliert also an Gewicht. Das liegt einerseits am starken Wachstum der Cloud, andererseits aber eben auch daran, dass die Suche selbst langsamer wächst als der Rest des Konzerns.

Microsoft kommt besser weg

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Konkurrenz. Microsoft, das am selben Abend Zahlen vorlegte und ein Wachstum seiner Cloud-Plattform Azure von 48 Prozent meldete, legte an der Börse laut Investing.com zu. Auch Microsoft investiert massiv in KI-Infrastruktur, Anleger:innen trauen dem Konzern aber offenbar eher zu, dass sich die Ausgaben rasch rechnen. Bei Alphabet kommt hinzu, dass das Unternehmen sein Kerngeschäft, die Suchmaschine, mit dem eigenen KI-Modus selbst unter Druck setzt.

Analyst:innen sehen Kaufgelegenheit

Nicht alle Beobachter:innen teilen die Panik. Angelo Zino vom Analysehaus CFRA bezeichnete den Kursrückgang laut Yahoo Finance als wahrscheinliche Kaufgelegenheit. Canaccord und Pivotal Research halten laut Investing.com an ihren Kaufempfehlungen fest und sehen Kursziele von 450 und 475 Dollar, weit über dem aktuellen Kurs von rund 285 Dollar. DA Davidson senkte das Kursziel dagegen auf 300 Dollar und sieht den hohen Finanzierungsbedarf als Belastung für die kommenden Monate.

Für die Optimist:innen spricht vor allem die Cloud: Mit einer operativen Marge von 36 Prozent ist die Sparte inzwischen hochprofitabel, der Auftragsbestand liegt laut Alphabet bei 561 Milliarden Dollar. Gelingt es, diesen Auftragsbestand in Umsatz zu verwandeln, könnten sich die Milliardeninvestitionen auszahlen.

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