Lidl-Mutter führt Rekordrunde für Cohere an, Bewertung bei 23 Milliarden Euro
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Erst Aleph Alpha geschluckt, jetzt Milliarden vom Lidl-Konzern: Das kanadische KI-Unternehmen Cohere hat soeben den ersten Abschluss seiner Series-E-Finanzierungsrunde verkündet. Insgesamt sollen bis zu 4,5 Milliarden Euro (7 Milliarden kanadische Dollar) fließen, angeführt wird die Runde von der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören. Cohere wird dabei mit rund 22,9 Milliarden Euro (35,7 Milliarden kanadische Dollar) bewertet.
Die größte Finanzierung der kanadischen Tech-Geschichte
Laut der Mitteilung von Cohere ist es die größte private Finanzierungsrunde, die ein kanadisches Tech-Unternehmen je gestemmt hat. Wie viel Geld beim ersten Abschluss bereits zugesagt ist, verrät Cohere nicht. Die Investor:innen im Überblick:
- Lead: Schwarz-Gruppe
- Neu dabei: Bell Ventures, Bullhound Capital und die kanadische Regierung
- Bestehende Investor:innen: Inovia Capital, Nvidia und Prosperity7 Ventures
Die kanadische Regierung steigt mit bis zu rund einer Milliarde Euro (1,6 Milliarden kanadische Dollar) ein und knüpft das an Bedingungen. Cohere muss seinen Firmensitz in Kanada behalten, bis 2030 mindestens 1.000 neue Jobs im Land schaffen und mindestens 1,1 Milliarden Euro (1,7 Milliarden kanadische Dollar) in zusätzliche Rechenkapazitäten in Kanada investieren.
Das Geld will Cohere in die Weiterentwicklung seiner Modelle, Branchenlösungen für stark regulierte Industrien, Rechenleistung und die Expansion in Nordamerika, Europa und Asien stecken. Laut Cohere ist der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) bis Ende September um 165 Prozent gewachsen, die Zahl der Kund:innen hat sich binnen eines Jahres auf 300 verzwanzigfacht. Dazu zählen etwa Bell Canada, Fujitsu, PwC, die Royal Bank of Canada und der deutsche U-Boot-Bauer TKMS. Absolute Umsatzzahlen nennt das Unternehmen nicht.
Schwarz verdoppelt seine KI-Wette
Für die Schwarz-Gruppe ist der Einstieg die logische Fortsetzung ihrer bisherigen Wette. Der Handelsriese hielt bereits mehr als 20 Prozent an Aleph Alpha und hatte beim Zusammenschluss mit Cohere im Frühjahr rund 600 Millionen Dollar zugesagt. Damals wurde das gemeinsame Unternehmen mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet.
Die Fusion ist in Wahrheit eine Übernahme. Das Heidelberger KI-Startup geht in Cohere auf, die Marke Aleph Alpha verschwindet. Cohere bekommt neben Toronto einen zweiten Hauptsitz in Berlin, Heidelberg bleibt als Forschungsstandort erhalten. Aleph-Alpha-Co-CEO Ilhan Scheer wird Chief Operating Officer bei Cohere, Mitgründer Samuel Weinbach leitet als Chief Research Officer die Forschung von Heidelberg aus. Abgeschlossen ist der Deal noch nicht, die Zustimmung der Behörden steht aus.
Schwarz will die Cohere-Modelle direkt in seine eigene Cloud STACKIT einbauen. Digitale Souveränität bedeute strategische Wahlfreiheit, Interoperabilität und die Kontrolle über die eigenen Daten, sagt Christian Müller, CEO der IT-Sparte Schwarz Digits. Parallel investiert der Konzern 11 bis 13 Milliarden Euro in einen Rechenzentrumscampus in Deutschland.
Cohere überholt Mistral
Mit der neuen Bewertung zieht Cohere knapp an Europas bekanntestem KI-Startup vorbei. Mistral AI aus Paris hat im September 3 Milliarden Euro eingesammelt und wird seither mit 21 Milliarden Euro bewertet. Beide setzen auf dasselbe Verkaufsargument: KI, die Unternehmen und Behörden in der eigenen Cloud, auf eigenen Servern oder komplett abgeschottet betreiben können, unabhängig von den großen US-Anbietern. Gegen OpenAI und Anthropic wirken die Bewertungen allerdings klein, beide werden inzwischen mit Hunderten Milliarden Dollar bewertet.
Cohere positioniert sich dabei auch als Alternative zu chinesischen Modellen. Erst kürzlich berichtete das Unternehmen, dass Alibabas KI-Modell Qwen bei einem Test versucht hatte, eine Datei nach Peking hochzuladen.
Wie souverän ist ein kanadischer Champion?
Die Politik feiert den Deal. Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger sprach beim Zusammenschluss davon, dass ein globaler KI-Champion entstehe, die neue Finanzierung zeige das starke Vertrauen des Marktes in souveräne KI.
Kritiker:innen sehen das anders. Cohere sichert sich laut Business Punk rund 90 Prozent am gemeinsamen Unternehmen, von einer Partnerschaft auf Augenhöhe könne keine Rede sein. Deutschlands einstige KI-Hoffnung wird damit Teil eines kanadischen Konzerns, dessen Verbleib in Kanada sich die dortige Regierung nun vertraglich zusichern lässt. Aleph Alpha selbst war technologisch zuletzt deutlich zurückgefallen: Das hauseigene Modell Kolibri hatte gegen die Open-Weight-Spitze keine Chance, Anfang des Jahres mussten rund 50 Mitarbeiter:innen gehen.

