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Mistral Large 4 jetzt mit Open Weights, landet vor Meta, aber hinter China

Mistral CEO Arthur Mensch speaks on stage in front of a large audience at the AI Now Summit
Mistral CEO Arthur Mensch at the company's AI Now Summit. © Mistral AI

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Europas stärkstes KI-Modell ist jetzt für alle zu haben, an Chinas Open-Weight-Spitze kommt es trotzdem nicht heran. Mistral AI hat soeben die Gewichte von Mistral Large 4 veröffentlicht, Spitzname „Le Chonk“. Das Modell mit rund einer Billion Parametern kann damit auf Hugging Face heruntergeladen, selbst betrieben und weiter trainiert werden. Im neu gestalteten Open-Source-Ranking von Artificial Analysis landet es auf Platz acht, vor Meta, aber hinter sieben Modellen aus China.

Was Mistral veröffentlicht hat

Bisher war Mistral Large 4 nur als Vorschau über die Programmierschnittstelle (API) von Mistral zugänglich. Laut Mistral wurde das Modell seither weiter trainiert. Die wichtigsten Eckdaten:

  • Größe: Rund eine Billion Parameter, davon 52 Milliarden pro Anfrage aktiv (Mixture of Experts)
  • Fähigkeiten: Verarbeitet Text und Bilder, kombiniert normale Antworten, Reasoning und Agenten-Aufgaben in einem Modell, beherrscht mehr als 160 Sprachen
  • Training: Von Grund auf auf europäischer Infrastruktur trainiert, laut Mistral auf einem eigenen Cluster in Frankreich
  • Lizenz: Eine angepasste MIT-Lizenz erlaubt Nutzung, Anpassung und kommerziellen Einsatz. Wer das Modell selbst als Dienst anbietet, braucht eine eigene Lizenz von Mistral.
  • Preis: Über die API kostet das Modell jetzt rund 0,63 Euro pro Million Input-Tokens und rund 1,89 Euro pro Million Output-Tokens, etwa halb so viel wie in der Vorschau.

Mistral positioniert Large 4 vor allem für Programmier-Agenten und Cybersicherheit, etwa um Schwachstellen in Software zu finden und zu schließen. Für Penetrationstests gibt es zusätzlich eine spezialisierte Variante, die vorerst nur ausgewählte Partner wie Orange Cyberdefense testen.

Platz acht hinter Chinas Open-Weight-Spitze

Spannend ist, wo sich das Modell im Vergleich einreiht. Artificial Analysis hat erst kürzlich seinen Intelligence Index in Version 5 vorgestellt, der mit vielen geheimen Testfragen arbeitet und Open-Weight-Modelle deutlich schlechter bewertet als zuvor. Gleichzeitig hat der Benchmark-Dienst seine Rangliste für offene Modelle neu gestaltet: Sie lässt sich jetzt nach Modellgröße filtern, zeigt einen neuen Openness Index, der bewertet, wie offen ein Modell tatsächlich ist, und bildet die Entwicklung offener und geschlossener Modelle über die Zeit ab.

Die veröffentlichte Version von Mistral Large 4 kommt laut Artificial Analysis auf 26 Punkte, einen Punkt mehr als die Vorschau. So sieht die Spitze der offenen Modelle aus:

  • DeepSeek V4.1 Flash (China): 32 Punkte
  • GLM-5.3 von Z.ai (China): 32 Punkte
  • MiMo-V2.6-Pro von Xiaomi (China): 30 Punkte
  • Ling 3.1 Flash von InclusionAI, MiniMax-M3.1-Flash und Step 5 Preview von StepFun (alle China): je 29 Punkte
  • MiMo-V2.6-Flash von Xiaomi (China): 27 Punkte
  • Mistral Large 4 (Frankreich): 26 Punkte
  • Muse Spark Open von Meta (USA): 25 Punkte
  • Qwen3.8 27B von Alibaba (China): 20 Punkte

Damit ist Mistral Large 4 das beste offene Modell, das nicht aus China kommt. Meta liegt einen Punkt dahinter, US-Modelle wie Beam 1.0 von Reflection AI (18), Nemotron 3.5 Super von Nvidia (14) und Inkling von Thinking Machines (12) folgen mit deutlichem Abstand. Googles offenes Modell Gemma 4 ist mit 31 Milliarden Parametern deutlich kleiner und hat im neuen Index noch keine Wertung. Noch stärker ist Kimi K3.1 Pro von Moonshot AI mit 46 Punkten, dessen Gewichte sind aber noch nicht veröffentlicht.

Am Platz hat sich gegenüber dem ersten Test der Vorschau damit nichts geändert: Auch damals lag Mistral auf Rang acht hinter sieben chinesischen Modellen. Zu den geschlossenen Spitzenmodellen ist der Abstand groß. Claude Opus 5.5 von Anthropic führt den Index mit 58 Punkten an, GPT-6 Astra von OpenAI kommt auf 57.

Stärker beim Programmieren und bei Cybersicherheit

In den Spezialdisziplinen schneidet Mistral besser ab. Im Coding Agent Index von Artificial Analysis liegt Large 4 unter den offenen Modellen auf Platz zwei, einen Punkt hinter GLM-5.3, verbraucht dabei aber laut Mistral 47 Prozent weniger Tokens pro Aufgabe. Im Cyber Index erreicht das Modell 51 Punkte und damit Platz drei unter den offenen Modellen. Auch die Kosten sind gesunken: Ein Durchlauf einer Aufgabe im Intelligence Index kostet laut Artificial Analysis jetzt rund 1,85 Euro statt rund 4,98 Euro in der Vorschau.

Mistral-Wissenschaftschef Pierre Stock bezeichnete Large 4 gegenüber Fortune als das beste offene Modell für Cybersicherheit und Programmieren. Kund:innen aus regulierten Branchen wollten vor allem sicher sein, dass ihnen der Zugang zu einem Modell nicht abgedreht werden kann. Sind die Gewichte einmal veröffentlicht, sei das unmöglich.

Wie offen und wie europäisch ist das?

Ganz so eindeutig ist das Bild nicht. Einzelne Testergebnisse unterscheiden sich je nach Messung deutlich: Beim Agenten-Test Terminal-Bench 4.0 meldet Mistral selbst 41 Prozent, Artificial Analysis misst 25 Prozent. Und die Lizenz ist offener als bei vielen Konkurrenten, aber nicht völlig frei, weil Anbieter, die das Modell als Dienst weiterverkaufen, eine kommerzielle Lizenz von Mistral brauchen.

Dazu kommt die Frage, ob Europa überhaupt eigene Spitzenmodelle braucht. Mistral-Chef Arthur Mensch argumentierte kürzlich, dass offene Modelle aus den USA oder China Europa nicht retten würden, denn auch die Abhängigkeit von offenen Modellen anderer bleibe eine Abhängigkeit. Nicht alle sehen das so. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen meinte, Europa könne auch ohne eigene Spitzentechnologie stark von KI profitieren. Und die Suchmaschine Ecosia hat Mistral zugunsten anderer offener Modelle, darunter chinesische, fallen gelassen und das mit Qualität und Kosten begründet.

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