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Vision Chain: Bitpanda steigt mit Layer-2-Chain ins Geschäft mit „Real World Assets“ ein

Vision Chain. © Bitpanda
Vision Chain. © Bitpanda

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Mit der Vision Chain hat das Wiener Fintech-Unternehmen Bitpanda heute eine eigene Blockchain-Infrastruktur gestartet, die regulierte Finanzmärkte mit der Welt der dezentralen Technologien verbinden soll. Das Netzwerk richtet sich an Banken, Vermögensverwalter, FinTechs und Entwickler gleichermaßen und soll die Tokenisierung realer Vermögenswerte in Europa vorantreiben. Damit springt das Wiener Unternehmen, das 2026 an die Börse gehen könnte, auf den (nicht neuen) Trend der „Real World Assets“ (RWA) auf.

Was ist die Vision Chain?

Die Vision Chain ist eine sogenannte Layer-2-Blockchain, die auf Ethereum aufbaut. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Vision Web3 Foundation und dem Blockchain-Infrastrukturanbieter Optimism entwickelt. Ziel ist es, eine standardisierte, regulatorisch konforme Umgebung zu schaffen, in der Finanzinstitute tokenisierte Assets emittieren und abwickeln können.

Das Netzwerk ist auf die Anforderungen des europäischen Regulierungsrahmens ausgerichtet. Es berücksichtigt die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR), die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) sowie Resilienzprinzipien gemäß dem Digital Operational Resilience Act (DORA). Sämtliche Netzwerk- und Transaktionsgebühren werden über MiCAR-konforme Euro-Stablecoins abgewickelt.

Was ist ein Layer-2-Rollup?

Eine Layer-2-Blockchain ist ein Netzwerk, das auf einer bereits bestehenden Blockchain, der sogenannten Layer-1-Chain, aufbaut. Im Fall der Vision Chain ist das Ethereum. Transaktionen werden dabei nicht direkt auf Ethereum abgewickelt, sondern auf der schnelleren und günstigeren Layer-2-Ebene gebündelt und anschließend gesammelt an Ethereum übermittelt. Dieses Verfahren wird als Rollup bezeichnet.

Der Vorteil: Transaktionen sind deutlich schneller und kostengünstiger als auf Ethereum selbst, während die Sicherheit der zugrundeliegenden Hauptchain erhalten bleibt. Gleichzeitig bleiben bestehende Ethereum-Anwendungen und Smart Contracts kompatibel, da Vision Chain denselben technischen Standard verwendet.

Was ist Optimism?

Optimism, beziehungsweise das dahinterstehende Unternehmen OP Labs, ist ein Anbieter von Blockchain-Infrastruktur, der den sogenannten OP Stack entwickelt hat. Dabei handelt es sich um eine Open-Source-Technologiebasis für den Aufbau von Layer-2-Netzwerken auf Ethereum. Zahlreiche bekannte Blockchain-Projekte nutzen diesen Stack als technisches Fundament.

Für die Vision Chain kommt das Modell „OP Enterprise“ zum Einsatz. Dieses vollständig gemanagte Deployment-Modell übernimmt den Betrieb der Chain, das Infrastrukturmanagement sowie laufende Upgrades. Bitpanda und die Vision Web3 Foundation können sich dadurch auf Produktentwicklung und reale Anwendungsfälle konzentrieren, ohne eigene Blockchain-Infrastruktur von Grund auf aufbauen zu müssen.

Optimism steht derzeit allerdings unter Druck. Im März erst hat die dahinter stehende Entwiclungsfirma OP Labs 20% der Belegschaft gefeuert. CEO und Mitgründer Jing Wang sagte auf X, dass es keine Geldprobleme gebe und man Runway für meherere Jahre hätte, man aber den Fokus schärfen wolle. Zuletzt hatte Coinbase, das seine eigene Blockchain Base auf Optimism laufen ließ, angekündigt, den OP Stack zugunsten hauseigener Technologie fallen zu lassen.

Für wen ist die Vision Chain gedacht?

Die Vision Chain richtet sich ausdrücklich nicht nur an institutionelle Akteure, sondern soll offen für alle Nutzergruppen sein. Die wichtigsten Zielgruppen im Überblick:

  • Banken und Emittenten: Infrastruktur für die Emission tokenisierter Assets und Stablecoins auf regulierter Basis
  • FinTechs: Zugang zu regulierten Krypto- und RWA-Produkten (Real World Assets) für ihre Nutzer
  • Asset-Manager: Aufbau von Onchain-Fonds mit sicherer Verwahrung, Reporting und lückenloser Nachvollziehbarkeit
  • Web3-Entwickler: Entwicklung dezentraler Anwendungen und Finanzprodukte in einem regelkonformen Umfeld
  • Privatpersonen: Zugang zu Investmentmöglichkeiten, die bislang professionellen Marktteilnehmern vorbehalten waren

Bitpanda selbst gibt an, über sieben Millionen registrierte Nutzer zu haben, die über die Plattform Zugang zu den auf der Vision Chain verfügbaren Produkten erhalten sollen.

Welche Assets werden unterstützt?

Die Vision Chain ist auf sogenannte tokenisierte reale Vermögenswerte ausgerichtet, im Englischen als Real World Assets (RWA) bezeichnet. Dabei handelt es sich um traditionelle Finanzinstrumente, die als digitale Token auf einer Blockchain abgebildet werden. Konkret unterstützt die Infrastruktur folgende Asset-Klassen:

  • Aktien und Anleihen
  • Immobilien
  • Stablecoins (an Fiatwährungen gekoppelte Token)
  • Onchain-Fonds
  • Weitere regulierte Finanzinstrumente

Tokenisierte Assets sind rund um die Uhr zugänglich und können jederzeit gehandelt und verwaltet werden, was gegenüber klassischen Finanzmarktstrukturen mit festen Handelszeiten einen praktischen Vorteil darstellt.

Technische Merkmale und Compliance

Die Vision Chain setzt auf Smart Contracts nach Ethereum-Standard und integriert Onchain-Know-Your-Customer-Mechanismen (KYC). Das bedeutet, dass Identitätsprüfungen und regulatorische Anforderungen direkt in der Blockchain-Infrastruktur verankert sind. Zusätzlich ermöglichen kontrollierbare Token-Regeln, dass Emittenten die Übertragbarkeit und Nutzung ihrer Token gezielt steuern können.

Ein weiteres Element ist der Vision Token (VSN), der von der Vision Web3 Foundation emittiert wird und als kommerzieller Motor des Ökosystems fungiert. Ein Teil der Netzwerkerlöse wird verwendet, um VSN-Token zurückzukaufen und aus dem Umlauf zu nehmen. Dadurch soll steigende Netzwerkaktivität direkt zur Wertentwicklung des Ökosystems beitragen.

„Heute sprechen wir noch von digitalen Assets, aber künftig werden vermutlich alle Vermögenswerte digital sein. Die Tokenisierung wird die Kapitalmärkte grundlegend verändern“, meint Lukas Enzersdorfer-Konrad, CEO von Bitpanda.

Einordnung

Mit der Vision Chain versucht Bitpanda, eine Infrastrukturlücke zu schließen, die europäische Finanzinstitute bislang auf proprietäre, geschlossene Netzwerke mit eingeschränkter Interoperabilität angewiesen hat. Der Ansatz, eine öffentliche Blockchain mit institutionellen Compliance-Anforderungen zu verbinden, ist im europäischen Markt bislang wenig verbreitet.

Ob das Modell die erhoffte Breitenwirkung entfaltet, hängt unter anderem davon ab, wie viele Finanzinstitute bereit sind, tokenisierte Produkte auf einer externen Infrastruktur anzubieten, und wie sich das regulatorische Umfeld in Europa weiterentwickelt. Die technische Grundlage durch den bewährten OP Stack von Optimism sowie die Einbindung in das Ethereum-Ökosystem gelten dabei als solide Ausgangsbasis.

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