Neura Robotics lässt Roboter jetzt Krankenhausbetten schieben
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Bevor Roboter Patient:innen pflegen, schieben sie erst einmal leere Betten durch die Gänge. Das deutsche Robotik-Unicorn Neura Robotics steigt ins Gesundheitswesen ein und hat dafür mit Neura HealthTech einen eigenen Unternehmensbereich gegründet. Erstes Produkt ist ein autonomer mobiler Roboter, der sich unter leere Krankenhausbetten schiebt, sie anhebt und selbstständig zwischen Stationen und Etagen transportiert. Pflegeteams sollen so mehr als 1.300 Arbeitsstunden pro Jahr zurückbekommen.
Ein Roboter für die Wege, die niemand gehen will
Das Problem, das Neura adressiert, ist bekannt: Die WHO erwartet bis 2030 in der EU einen Mangel von 4,1 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen. Gleichzeitig verbringen Pflegekräfte viel Zeit mit Aufgaben, die mit Patientenversorgung wenig zu tun haben, etwa Betten und andere Lasten zwischen Stationen und Lagerbereichen hin- und herzubewegen.
Hier setzt die sogenannte Healthcare-Plattform an. Auf eine einzige Anforderung hin fährt der flache Roboter unter ein leeres Bett, hebt es an und bringt es an sein Ziel, auch per Aufzug in andere Stockwerke. Er dreht sich auf der Stelle, manövriert durch enge Flure und aus Patientenzimmern heraus und hält seine Sicherheitsfunktionen auch beim Anheben aktiv. Bei rund 20 Fahrten pro Tag rechnet Neura mit mehr als 1.300 eingesparten Stunden pro Jahr und Krankenhaus. Neben Betten soll der Roboter auch Sterilgut transportieren.
Eine klare Grenze zieht Neura selbst: Der Roboter bewegt ausschließlich leere Betten und übernimmt keine Patiententransporte. Vor dem Einsatz wird er gegen den tatsächlichen Grundriss der jeweiligen Klinik validiert, von Türbreiten bis zu Aufzugsmaßen.
Miete statt Kauf
Kaufen können Krankenhäuser den Roboter nicht. Neura bietet ihn über Partner als Robotics-as-a-Service an: Kliniken zahlen eine feste monatliche Rate, die Integration, Betrieb, Wartung, Software-Updates und eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft abdeckt. Die Kosten sollen sich so direkt mit den Personalkosten vergleichen lassen. Konkrete Preise nennt das Unternehmen nicht. Die Daten werden in europäischer Cloud-Infrastruktur gehostet. Erstmals öffentlich gezeigt wird die Plattform gerade beim Smart Health Automation Summit des VDMA in Düsseldorf, vorgeführt vom Integrationspartner Auroniq Robotics, der die Systeme in den Kliniken installiert.
„Die Gesellschaften altern, Fachkräfte werden knapper, und die Anforderungen an die Versorgung steigen weiter“, sagt Gründer und CEO David Reger. Physical AI sei ein Teil der Antwort, weil sie den Menschen, die pflegen, die körperliche Last abnehme. „Wir engagieren uns langfristig in diesem Feld.“
Der Bettenroboter ist erst der Anfang
Alle Roboter sind mit dem Neuraverse verbunden, Neuras Plattform, über die Maschinen Fähigkeiten und Lernerfahrungen teilen. In einem vernetzten Krankenhaus sollen Informationen aus Räumen, Geräten und Robotern zusammenlaufen, vom Erkennen einer hilfsbedürftigen Person bis zur automatischen Zuweisung eines Roboters. Als Nächstes sollen Neuras Roboterarme MAiRA bei Instrumenten und in der Intralogistik helfen. Danach folgt der Serviceroboter MiPA, der bereits für Aufgaben im Patientenzimmer und die Unterstützung bei der Medikamentengabe trainiert wird. Geleitet wird Neura HealthTech von Sven Lange mit einem Team aus Medizintechnik, Gesundheitswesen und Regulatory Affairs.
Der Schritt passt zur Expansionsstrategie des Unternehmens aus Metzingen. Neura hat erst im Juni 1,4 Milliarden Dollar von Tether, Nvidia und Amazon eingesammelt und seither kräftig zugekauft: zuerst das Logistik-Robotergeschäft Active Shuttle von seinem Investor Bosch, kurz darauf den Reinigungsroboter-Hersteller Adlatus.
Die Konkurrenz
Ganz neu ist die Idee von Robotern in Kliniken nicht. In den USA fahren seit Jahren die Transportroboter TUG von Aethon durch Krankenhausgänge und liefern Medikamente, Wäsche und Mahlzeiten aus. Das texanische Startup Diligent Robotics setzt mit seinem Roboter Moxi, der Laborproben und Material für Pflegekräfte holt, ebenfalls auf Entlastung des Klinikpersonals. Neura will sich mit der Vernetzung über das Neuraverse und dem Mietmodell abheben.

