F/A-XX: Boeing gewinnt 20-Milliarden-Auftrag für Navy-Tarnkappenjet
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Boeing hat jetzt beide Kampfjets der nächsten Generation in der Tasche. Das US-Verteidigungsministerium hat dem Konzern den Auftrag für den F/A-XX erteilt, den neuen Tarnkappen-Kampfjet der US Navy, der von Flugzeugträgern starten soll. Der Entwicklungsvertrag ist mehr als 20 Milliarden Dollar (rund 17,1 Milliarden Euro) wert, über die gesamte Laufzeit könnte das Programm laut Handelsblatt mehrere hundert Milliarden Dollar umfassen. Erst im Vorjahr hatte Boeing bereits den Zuschlag für den F-47 der US Air Force bekommen.
Was der F/A-XX können soll
Der F/A-XX ist ein Kampfjet der sogenannten sechsten Generation. Er soll ab den 2030er-Jahren die F/A-18E/F Super Hornet und den Störflieger EA-18G Growler ablösen, beide ebenfalls von Boeing, und gemeinsam mit dem F-35C von Lockheed Martin auf den Flugzeugträgern der Navy fliegen. Angepeilt ist eine Indienststellung um 2035. Technische Details sind geheim, bekannt sind nur die Eckpunkte der Ausschreibung:
- Tarnkappe: Der Jet soll für Radar kaum sichtbar sein und mit modernster Sensorik ausgestattet werden.
- Reichweite: Gefordert ist rund ein Viertel mehr Reichweite als bei heutigen Kampfjets. Weil der Platz an Deck begrenzt ist, muss das über Effizienz gelingen statt über eine größere Maschine.
- Drohnen: Der F/A-XX soll mit unbemannten Begleitflugzeugen zusammenarbeiten, wie sie die US Air Force mit „Fury“ und „Vengeance“ bereits in Betrieb nimmt.
- Einsatz: Luftkampf, Angriffe auf Ziele an Land und auf See sowie Luftnahunterstützung.
Der oberste Rüstungsbeschaffer des Pentagon, Michael Duffey, nannte das Programm eine „entscheidende, nicht verhandelbare Investition“ in die nationale Sicherheit. Der F/A-XX gilt als zentral für die US-Strategie im Pazifik, wo sich die Navy auf einen möglichen Konflikt mit China einstellt. Zusätzlich zum Entwicklungsvertrag erhielt Boeing rund 16,7 Millionen Dollar (rund 14,2 Millionen Euro), um das Auslaufen der Super-Hornet-Produktion vorzubereiten.
Fast gescheitert
Der Weg zum Auftrag war lang. Das Programm läuft seit 2012, die Vergabe war ursprünglich schon für das Frühjahr 2025 geplant. Dann wäre der F/A-XX beinahe am Budget gescheitert: Im Sommer 2025 sah der Haushaltsentwurf des Pentagon nur noch Geld für Designarbeiten vor, nicht aber für eine Vergabe. Erst als der Kongress Mittel nachschoss, konnte das Programm weiterlaufen.
Den Ausschlag für Boeing gab laut Navy vor allem die Produktionskapazität. Einer der beiden Bewerber sei in einer Lage, in der er den Jet „nicht im benötigten Zeitrahmen liefern“ könne, sagte Marineeinsatzchef Daryl Caudle schon vor der Entscheidung. Boeing baut in St. Louis derzeit nach eigenen Angaben die größte gesicherte Fertigungsanlage der USA, in der F-47 und F/A-XX parallel entstehen sollen. „Zwei moderne Kampfjets parallel zu liefern, war immer unser Plan“, sagt Steve Parker, Chef der Rüstungssparte Boeing Defense, Space & Security.
Northrop und Lockheed gehen leer aus
Für die Konkurrenz ist die Entscheidung ein Rückschlag. Northrop Grumman, der letzte verbliebene Gegenbieter, unterlag, Lockheed Martin war bereits im Vorjahr ausgeschieden. Damit baut Boeing beide bemannten Kampfjets der nächsten Generation für das US-Militär. Die Börse reagierte entsprechend: Die Boeing-Aktie legte um rund 2 Prozent zu, Northrop Grumman verlor rund 3,5 Prozent, wie The Next Web berichtet. Northrop bleibt allerdings mit dem Tarnkappenbomber B-21 Raider im Geschäft, von dem die US Air Force mindestens 100 Stück kaufen will.
Kritiker:innen sehen in der Doppelvergabe auch ein Risiko. Boeing hat in den vergangenen Jahren bei mehreren Rüstungsprojekten mit Festpreisverträgen Milliardenverluste geschrieben, etwa beim Tankflugzeug KC-46 und beim Schulflugzeug T-7. Ob der Konzern genug Fachkräfte und Fertigungskapazität hat, um zwei der anspruchsvollsten Flugzeugprogramme der Welt gleichzeitig zu stemmen, muss er erst beweisen.

