Kampfjets ohne Pilot:innen: US Air Force nimmt erste KI-Drohnen „Fury“ und „Vengeance“ in Betrieb
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Der Copilot der Zukunft sitzt nicht im Cockpit, sondern fliegt nebenher und hat keinen Puls. Die US Air Force hat soeben die ersten beiden Exemplare ihrer autonomen Begleitdrohnen übernommen: die YFQ-44A Fury des Startups Anduril und die YFQ-42A Vengeance von General Atomics. Beide wurden an die Experimental Operations Unit auf der Creech Air Force Base in Nevada übergeben, wie die Air Force mitteilt. Die Fury traf im August ein, die Vengeance folgte vor wenigen Tagen. Es ist das erste Mal, dass unbemannte Kampfflugzeuge dieser Klasse an eine operative Einheit gehen statt an ein Testzentrum.
„Loyal Wingmen“ für F-35 und F-47
Die Drohnen laufen unter dem Programm Collaborative Combat Aircraft (CCA), umgangssprachlich „Loyal Wingmen“. Sie sollen als treue Flügelmänner neben bemannten Jets wie der F-35 und dem künftigen Kampfjet F-47 fliegen, Sensoren tragen, Ziele aufklären, elektronische Störmanöver fliegen oder selbst Waffen einsetzen, gesteuert von KI und beaufsichtigt von den Pilot:innen im bemannten Flugzeug.
„CCA in die Hände der Airmen zu geben, so bauen wir die operative Zukunft dieses Programms“, sagte US-Luftwaffenminister Troy Meink (Secretary of the Air Force) laut Defence Industry Europe. Die Lieferungen von Fury und Vengeance zeigten, „dass wir mit unglaublicher Geschwindigkeit vorankommen, Wettbewerb schaffen und kosteneffiziente Kampfkraft liefern können“. Stabschef General Ken Wilsbach hatte das Ziel bereits im Sommer so formuliert: Luftüberlegenheit in umkämpften Räumen erfordere „die schnelle Einführung bezahlbarer Masse“.
Ein Drittel einer F-35
Die Eckdaten des Programms:
- Stückpreis: Rund ein Drittel einer F-35A, die Air Force hatte den Herstellern einen Zielpreis von durchschnittlich 20 Millionen US-Dollar (rund 17 Millionen Euro) vorgegeben.
- Stückzahl: Mindestens 150 Drohnen in der ersten Tranche bis Ende des Jahrzehnts, in Summe sind laut FlightGlobal bis zu 500 Stück geplant.
- Budget: Für das Haushaltsjahr 2027 beantragt die Air Force eine Milliarde Dollar für die Beschaffung und 1,4 Milliarden für die Weiterentwicklung.
- Wettbewerb: Produktionsverträge gibt es für beide Muster, die Aufteilung der Stückzahlen hängt davon ab, wie sich die Jets in Nevada schlagen.
Für Anduril ist die Fury der bisher größte Auftrag der Firmengeschichte. Das 2017 von Palmer Luckey gegründete Unternehmen hat das Flugzeug in weniger als drei Jahren vom Reißbrett bis zur Auslieferung gebracht, ein Tempo, das in der US-Rüstungsindustrie sonst unüblich ist. General Atomics wiederum baut seit Jahrzehnten die Reaper- und Predator-Drohnen und bringt diese Erfahrung in die Vengeance ein.
Europa zieht nach
Auch in Europa entstehen vergleichbare Systeme. Das Münchner Defense-Unicorn Helsing hat mit der CA-1 Europa eine eigene unbemannte Begleitdrohne vorgestellt, Airbus arbeitet am „Wingman“ für die Luftwaffe, und Saab kooperiert ebenfalls mit Helsing. Helsing hat sich dafür 1,8 Milliarden Dollar von US-Investoren geholt. Der Unterschied: In den USA fliegen die Drohnen bereits bei einer Einsatzeinheit, in Europa sind sie großteils noch Prototypen oder Ankündigungen. Die Tests in Nevada werden zeigen, ob KI-gesteuerte Kampfflugzeuge im Verbund mit bemannten Jets tatsächlich das halten, was ihre Hersteller versprechen.
Bilder von der Creech Air Force Base






