Meilenstein

Cloover: Energy-Fintech erreicht 300 Millionen Euro Runrate und Profitabilität

Founder team of Cloover. © Cloover
Founder team of Cloover. © Cloover

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Das Berliner Energie-Fintech Cloover, das auch in Österreich aktiv ist, meldet soeben gleich mehrere Neuigkeiten auf einmal: Das 2023 gegründete Unternehmen sei drei Jahre nach dem Start profitabel, komme auf eine annualisierte Umsatzrate von mehr als 300 Millionen Euro und habe eine zusätzliche Kreditlinie über 100 Millionen Euro abgeschlossen. Parallel dazu eröffnet Cloover Büros in Großbritannien, Frankreich und Polen. Gegründet wurde Cloover 2023 in Berlin von Jodok Betschart, Peder Broms und Valentin Gönczy.

Wichtig für die Einordnung der Umsatzzahl: Es handelt sich dabei um den Wert jener Anlagen, die über die Plattform verkauft und finanziert werden. „300 Millionen Euro ist der Wert der Installationen, die wir verkaufen. Das ist die Runrate, heißt Juli-Zahlen mal zwölf“, sagt Mitgründer Jodok Betschart gegenüber Trending Topics. Es ist also keine klassische Software-Umsatzgröße, sondern das über die Plattform abgewickelte Volumen, hochgerechnet auf ein Jahr.

Fremdkapital von einem Private-Credit-Fonds

Die frischen 100 Millionen Euro sind kein Eigenkapital, sondern Fremdkapital. „Die weiteren 100 Millionen sind Fremdkapital und kommen von einem Private-Credit-Fonds“, so Betschart. Damit steigt die gesamte Finanzierungskapazität des Unternehmens nach eigenen Angaben auf mehr als 1,3 Milliarden Dollar. Abgesichert ist ein Teil davon über eine Garantie des Europäischen Investitionsfonds (EIF) in Höhe von 350 Millionen Dollar. Über die Finanzierungszusage von rund einer Milliarde Euro hatte Trending Topics bereits berichtet.

Das Geld fließt direkt ins Produkt: Cloover finanziert Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Speicher und Wallboxen für Hausbesitzer:innen, die dafür keine Anzahlung leisten müssen und die Kosten über bis zu 25 Jahre verteilen können. Die Bonitätsprüfung soll laut Unternehmen in weniger als zwei Minuten erledigt sein.

Vertrieb läuft ausschließlich über Installationsbetriebe

Der Kern des Modells ist die Distribution. Cloover baut keinen eigenen Vertrieb auf, sondern stellt unabhängigen Installationsbetrieben eine Software zur Verfügung, in der Finanzierung, Angebotslegung und Abwicklung zusammenlaufen. Diese Betriebe bedienen laut Cloover rund 85 Prozent des Marktes, behalten ihren Namen, ihre Kund:innen und ihre Technikwahl. Rund 20.000 Installationen pro Jahr laufen mittlerweile über diese Partnerschaften, in Deutschland zählt sich Cloover zu den drei größten Anbietern für Energielösungen im Eigenheim.

In Österreich war Cloover über die Partnerschaft mit Heizma gestartet. Mittlerweile ist die Partnerliste länger: „Neben Heizma sind unsere stärksten Partner in Österreich peter.at, Solavolta (vom Verbund) und WirSindSolar (Neoom)“, sagt Betschart. In Deutschland seien es Coppen, NordConcepte und Galvany. Konkurrenz in dieser Nische sieht er hierzulande derzeit keine: „Wir sind der einzige Anbieter in Österreich zur Zeit, das ist das Feedback, welches wir von den Betrieben bekommen.“

Hardware aus China: keine eigene Statistik

Ein Thema, das die Branche zunehmend beschäftigt, ist die Abhängigkeit von chinesischer Hardware bei Modulen, Wechselrichtern und Speichern. Cloover erhebt dazu nach eigenen Angaben keine eigenen Zahlen. „Wir führen über die Verteilung der Hersteller noch keine gesonderte Statistik, schauen aber durchaus auf die Hersteller-Bandbreite“, sagt Betschart gegenüber Trending Topics. Der Grund liege in der Software: „Weil unsere Software und die Dienste darauf ausgelegt sind, mit möglichst vielen Geräten kompatibel zusammenzuarbeiten. Denn am Ende soll der Endkunde entscheiden können, welche Technologie und welchen Hersteller er wählt, und zwar auch dann noch, wenn er in fünf oder zehn Jahren nachrüstet, ohne dass er dafür sein ganzes System tauschen muss.“

Förderstopps als Konjunkturprogramm auf Zeit

Auch das Hin und Her bei staatlichen Förderungen, das Installationsbetriebe in Deutschland wie Österreich regelmäßig durchschüttelt, sieht Betschart differenziert. Kurzfristig profitiere das Geschäft sogar davon: „Kurzfristig helfen uns Vorzieheffekte vor einem Förderende natürlich, denn jede Ankündigung löst Reaktionen bei den Endkunden aus. Die Kurve, auf die wir schauen, ist aber die Gesamtnachfrage. Und diese steigt stetig.“

Das Geschäftsmodell sei bewusst so angelegt, „dass sich die Investition auch ohne Förderung lohnt und planbar bleibt. Weil Planbarkeit bei einer Investition dieser Größenordnung keine bloße Annehmlichkeit ist“, sagt Betschart. Und weiter: „Natürlich begrüßen wir jede Förderung, die Klarheit, Planbarkeit und Leistbarkeit mit sich bringt. Wenn nötig aber auch das Hin und Her, wenn es unterm Strich zur Antwort auf den steigenden Energiebedarf der Zukunft beiträgt und die Energiewende beschleunigt.“

Geopolitik als Verkaufsargument

Als Treiber der Nachfrage nennt Betschart neben den Strompreisen ausdrücklich die geopolitische Lage. „Der Irankrieg hat einen großen Einfluss auf die Einstellung der Hausbesitzer“, sagt er. „Nach dem Russland-Ukraine-Krieg wurden sie nun nochmals erinnert, wie stark die Abhängigkeit der Energiepreise ist von wenigen Faktoren, die nicht in unseren Händen liegen.“ Für die meisten Eigentümer:innen sei damit klar: „Energieunabhängigkeit lohnt sich, um sich für zukünftige Preiserhöhungen abzusichern. Vor allem in Österreich das Thema Nummer eins.“

Vom Finanzierer zum Stromversorger

Strategisch will Cloover nicht bei Finanzierung und Software bleiben. Die über die Plattform installierten Anlagen werden zu einem virtuellen Kraftwerk gebündelt, das Cloover unter der Marke Cloover Energy am Strommarkt vermarktet. Dazu kommen ein Energiemanagementsystem, das Speicher, Wärmepumpe und Wallbox im Haushalt steuert, sowie eigene Stromtarife, fix oder dynamisch. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „KI-nativen Neo-Stromversorger“: Statt eigener Kraftwerke nutzt es die Anlagen in den Häusern seiner Kund:innen als Kapazität.

Erlöse soll das auf mehreren Wegen bringen: Einspeisung in Zeiten hoher Preise, verschobener Verbrauch zur Senkung der Netzentgelte und Teilnahme am Intraday-Handel. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. In mehreren europäischen Märkten laufen Einspeisevergütungen und Net-Metering-Modelle aus oder werden umgebaut, teils schon 2027. Cloovers Antwort darauf: Statt einer fixen Vergütung für eingespeisten Strom soll ein Haushalt künftig am Wert seiner Flexibilität verdienen.

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