Protest gegen Militär-Deals: DeepMind-Forscher:innen kündigen bei Google
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„Don’t be evil“ war gestern, zumindest sehen das einige Google-Mitarbeiter:innen so: Mehrere Beschäftigte der KI-Tochter Google DeepMind haben aus Protest gegen die Zusammenarbeit des Konzerns mit dem US-Militär und Israel gekündigt oder sind auf dem Absprung, wie die BBC berichtet. Die Mitarbeiter:innen bezweifeln, dass Google überhaupt kontrollieren kann, wofür seine KI-Modelle im Krieg eingesetzt werden.
„Kein positiver Einfluss mehr“
Eine der Kündigenden ist Sofia Liguori, Research Engineer bei Google DeepMind in London. Die Italienerin kam 2023 zum Unternehmen und arbeitete an KI, die Strom effizienter durch Netze leiten soll. In ihrem internen Abschiedsbrief, aus dem das US-Medium The Intercept zitiert, schreibt sie, sie glaube nicht mehr, dass die Technologie des Unternehmens insgesamt einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben werde.
Ihre Kritik richtet sich gegen zwei Projekte: das Cloud- und KI-Projekt Nimbus für die israelische Regierung und das Militär sowie den Vertrag mit dem Pentagon, der Googles KI-Modelle auch für geheime Militäreinsätze öffnet. Schon am Tag nach dessen Bekanntwerden im April meldete sie sich krank und nahm Urlaub. Intern sei ihr Protest ins Leere gelaufen, berichtet Liguori: Beiträge mit dem Wort „Genozid“ seien gelöscht worden, Vorgesetzte und die Personalabteilung hätten ihren Ton als zu aggressiv kritisiert, Beschwerden seien nur mit halbautomatischen Antworten quittiert worden.
Laut BBC hat auch der Forscher Andreas Kirsch DeepMind Anfang des Monats verlassen. Er hatte schon im Sommer auf X kritisiert, dass von den Auflagen, unter denen Google DeepMind 2014 übernommen hatte, darunter ein Verbot militärischer Nutzung, nichts übrig geblieben sei. Von dem Pentagon-Deal habe er aus der Presse erfahren.
Der Pentagon-Deal
Google hatte sich im April mit dem US-Verteidigungsministerium darauf geeinigt, dass das Militär die KI-Modelle des Konzerns für „jeden rechtmäßigen Regierungszweck“ nutzen darf. Laut Vertrag sollen sie zwar nicht für Massenüberwachung im Inland oder für autonome Waffen ohne angemessene menschliche Kontrolle eingesetzt werden. Ein Recht, militärische Entscheidungen zu verhindern, hat Google aber nicht. Kritiker:innen halten die Einschränkungen deshalb für reine Absichtserklärungen.
Google ist mit solchen Deals nicht allein. Auch OpenAI und xAI haben Verträge mit dem Pentagon geschlossen. Anthropic dagegen wurde vom Verteidigungsministerium auf eine schwarze Liste gesetzt, nachdem sich das Unternehmen geweigert hatte, Sicherheitsvorkehrungen gegen den Einsatz für Waffen und Überwachung aus seinen Modellen zu entfernen.
Google verteidigt sich
Google weist die Kritik zurück. Man arbeite weltweit mit öffentlichen Einrichtungen zusammen und prüfe alle Verträge nach einem einheitlichen Verfahren, inklusive der eigenen KI-Grundsätze, sagte Sprecher Tom Hewett. Mitarbeiter:innen könnten Bedenken intern äußern, Vergeltung sei verboten. Schon im April hatte Google erklärt, den Zugang zu seinen kommerziellen Modellen mit branchenüblichen Bedingungen für einen „verantwortungsvollen Ansatz“ zur Unterstützung der nationalen Sicherheit zu halten.
Kein neuer Konflikt
Der Streit hat bei Google Tradition. 2018 protestierten Tausende Mitarbeiter:innen gegen das Drohnenprojekt Maven des Pentagons, rund ein Dutzend kündigte, und Google stieg schließlich aus dem Projekt aus. 2024 entließ der Konzern rund 50 Beschäftigte, nachdem sie in Büros gegen Nimbus protestiert hatten.
Diesmal ist der Druck von unten organisierter. Die Beschäftigten von DeepMind haben laut The Intercept im Mai für eine gewerkschaftliche Vertretung gestimmt, im Februar demonstrierten Mitarbeiter:innen vor dem Londoner Büro unter dem Motto „No AI in the kill chain“. Liguori geht das nicht weit genug: Ihrer Meinung nach hätte die Belegschaft heuer streiken sollen.

