Refurbed wird 2026 die Marke von 100 Millionen Euro Umsatz knacken
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Milliarden Euro klingen nach viel, auf dem Konto von Refurbed landet davon aber nur ein Bruchteil. Das Wiener Scale-up für generalüberholte Elektronik kommuniziert gerne sein Bruttowarenvolumen (GMV), das laut CEO Peter Windischhofer im dritten Quartal 2026 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist und aufs Jahr hochgerechnet erstmals mehr als 1 Milliarde Euro erreicht hat, wie er auf LinkedIn mitteilte. Der echte Umsatz ist deutlich kleiner, wächst aber ebenfalls kräftig. Eine Hochrechnung von Trending Topics auf Basis der Jahresabschlüsse und der jüngsten Wachstumszahlen zeigt: 2026 dürfte Refurbed erstmals deutlich mehr als 100 Millionen Euro Umsatz machen. Vertreter:innen des Unternehmens wollten die Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren.
GMV und Umsatz: Der Unterschied
Refurbed ist ein Marktplatz. Die generalüberholten Smartphones, Laptops und Tablets verkaufen Händler:innen und Refurbisher über die Plattform, Refurbed selbst hat die Geräte in der Regel nicht auf Lager. Das hat Folgen für die Zahlen:
- GMV (Gross Merchandise Value): Das Bruttowarenvolumen ist der Gesamtwert aller Produkte, die über die Plattform verkauft werden. Es zeigt, wie groß ein Marktplatz ist, landet aber zum größten Teil bei den Händler:innen. Das sind bei Refurbed vor allem professionelle Refurbisher, also spezialisierte Firmen, die gebrauchte Geräte aufkaufen, prüfen, reparieren und wiederaufbereiten. Dazu kommen einzelne Hersteller mit eigenen Refurbished-Programmen. Die Partner durchlaufen vor dem Verkauf eine Prüfung durch Refurbed, Anfang 2025 waren es laut Unternehmen rund 300.
- Umsatz: Beim Unternehmen selbst bleibt vor allem die Provision, die Refurbed von den Händler:innen für jeden Verkauf einbehält, dazu kommen Gebühren und Zusatzleistungen. Laut einer Bilanzanalyse von Finsur liegt die durchschnittliche Provision laut Händler-Leitfaden bei rund 10,5 Prozent.
Als Faustregel gilt also: Von jedem Euro, den Kund:innen bei Refurbed ausgeben, bleiben rund 10 Cent als Umsatz beim Unternehmen.
Die Umsätze der Vorjahre
Die Zahlen zeigen die Jahresabschlüsse der Refurbed Marketplace GmbH, der Marktplatzgesellschaft der Gruppe, die im Firmenbuch einsehbar sind:
- 2023: 61 Millionen Euro Umsatz
- 2024: 72,3 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von rund 19 Prozent
- 2025: 93,3 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von rund 29 Prozent
Das Wachstum hat sich also zuletzt beschleunigt. Zugleich schrumpfte der Verlust deutlich, von 19,8 Millionen Euro 2024 auf 5,3 Millionen Euro 2025. Refurbed selbst meldete 2025, seit März profitabel zu sein. Der Verlust im Gesamtjahr dürfte vor allem auf die ersten Monate zurückgehen.
So kommt die Prognose zustande
Ein Jahres-GMV veröffentlicht Refurbed nicht, wohl aber Wachstumsraten. Das Plus von 40 Prozent im dritten Quartal erreichte Refurbed laut Windischhofer trotz eines bereits starken Vorjahresquartals. Auch 2025 war das GMV laut Refurbed um rund 40 Prozent gewachsen. Dazu kommt das vierte Quartal, das für Refurbed traditionell das stärkste ist: Black Friday und das Weihnachtsgeschäft dürften für ein starkes Jahresfinish sorgen. Allein im November 2025 setzte die Plattform laut eigenen Angaben Waren im Wert von rund 100 Millionen Euro um.
Daraus ergeben sich drei Szenarien für den Umsatz 2026:
- Umsatz wächst wie das GMV: Bleibt der Anteil am GMV stabil, wächst der Umsatz ebenfalls um rund 40 Prozent auf etwa 130 Millionen Euro.
- Umsatz wächst wie 2025: Steigt der Umsatz wie im Vorjahr um rund 29 Prozent, landet Refurbed bei etwa 120 Millionen Euro.
- Umsatz wächst wie 2024: Selbst bei einem Plus von nur 19 Prozent wie 2024 käme Refurbed noch auf rund 111 Millionen Euro.
In allen drei Fällen liegt der Umsatz damit klar über der Marke von 100 Millionen Euro, am wahrscheinlichsten zwischen 120 und 130 Millionen Euro.
Was dagegen sprechen könnte
Ganz ohne Unsicherheiten ist die Rechnung nicht. 2025 wuchs der Umsatz mit 29 Prozent langsamer als das GMV mit rund 40 Prozent, der Anteil, den Refurbed vom Warenwert behält, ist also leicht gesunken. Setzt sich das fort, etwa durch Rabatte für Händler:innen oder den Preisdruck im Wettbewerb, fällt der Umsatz niedriger aus. Dazu kommt die Expansion: Refurbed ist zuletzt von 11 auf 24 Märkte gewachsen, darunter Frankreich, Spanien und Großbritannien. Neue Märkte bringen zwar Volumen, kosten aber zunächst Geld für Marketing und Aufbau. Finanziert wird das unter anderem aus der Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro aus dem Herbst 2025.
Auch die Konkurrenz ist groß. Der französische Marktführer Back Market kam allein 2025 auf ein Bruttowarenvolumen von mehr als 3 Milliarden Euro und war damit auf Jahresbasis rund dreimal so groß wie Refurbed, wuchs mit 30 Prozent aber langsamer.

