Ali Mahlodji: Ein Taxiunternehmen zahlt Österreichs wohl größte Schulstunde
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Was hat ein Taxiunternehmen mit Bildung zu tun? „Nichts“, sagt das Taxiunternehmen selbst, und zahlt trotzdem eine Schulstunde für 1.600 Jugendliche. Die Wiener Taxivermittlung Taxi 40100 hat gestern gemeinsam mit dem Bildungsunternehmer Ali Mahlodji Schüler:innen von 20 Schulen aus Wien und Niederösterreich in die Raiffeisenhalle im Gasometer geholt. Unter dem Titel „futureRocka: die Fahrt deines Lebens“ ging es zwei Stunden lang um Ausbildung, Berufe und die Arbeitswelt der Zukunft. Laut Taxi 40100 war es die wohl größte Schulstunde Österreichs.

Mehr können, als man denkt
Im Mittelpunkt standen die eigenen Stärken, Neugier und die Frage, was die Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren aus ihren Möglichkeiten machen können. Die Schüler:innen sollten mit dem Gefühl nach Hause gehen, mehr zu können, als sie bisher gedacht haben, so Mahlodji. „Zukunft passiert nicht einfach. Sie entsteht durch Menschen, die den Mut haben, sie mitzugestalten.“

Was bei den Jugendlichen hängen geblieben ist, zeigt auch, wie sehr KI die nächste Generation beschäftigt. Eine Schülerin freut sich auf Berufe, die es heute noch gar nicht gibt, fürchtet aber, dass KI manche Jobs ersetzen wird. Zwei andere nahmen mit, dass man für Erfolg nicht unbedingt gute Noten braucht.

Mahlodji weiß, wovon er spricht. Der gebürtige Iraner kam als Kind mit seiner Familie als Flüchtling nach Österreich, brach die Schule ab und arbeitete in Dutzenden Jobs, bevor er die Karriereplattform whatchado mitgründete. Heute ist er CEO von futureOne und hat nach eigenen Angaben mit mehr als 800.000 Jugendlichen gearbeitet. Mit Massen-Schulstunden hat er Erfahrung: Schon 2023 schalteten sich bei einem Online-Format, das als „Europas stärkste Schulklasse“ beworben wurde, rund 17.000 Jugendliche aus 220 Schulen in Österreich, Deutschland und Südtirol zu.
Die Background Story: Verantwortung statt Kerngeschäft
Bemerkenswert ist, wer die Rechnung bezahlt. Taxi 40100 hat sämtliche Kosten übernommen, für die Schulen war die Teilnahme kostenlos. Wie viel das Unternehmen dafür ausgegeben hat, ist nicht bekannt. Einen geschäftlichen Bezug gibt es nicht, und genau das ist der Punkt. Auf die Frage, was der Workshop mit der Taxibranche zu tun habe, antwortet Generalsekretärin Eveline Hruza in der Ankündigung knapp: „Nichts. Aber wenn jedes Unternehmen ein bisschen in die nächste Generation investieren würde, wow, den Unterschied würde man merken.“ Ihr Fazit nach dem Event: „Bildung ist nicht unser Kerngeschäft. Verantwortung schon.“

Mahlodji nennt das Engagement eine Pionierleistung. Die Haltung der Wirtschaft präge die Zukunft der Gesellschaft, und es brauche Unternehmen, die Jugendlichen die Angst vor der Zukunft nehmen. Taxi 40100 bezeichnet die Aktion selbst als Beitrag eines mittelständischen Wiener Unternehmens für die Bildung der Jugend.
Von Schüler:innen zu Führungskräften
Für Mahlodji ist die Arbeit mit Jugendlichen nur die eine Hälfte. „Die Welt von heute wird von Führungskräften gestaltet“, schreibt er in seinem Newsletter. Sie legten mit ihrem Handeln den Grundstein für die Arbeitswelt, in der die Jugendlichen aufwachsen. Deshalb arbeite er zunehmend auch mit Manager:innen, die Purpose, People und Performance in Einklang bringen sollen. Dafür veranstaltet futureOne den Future Leadership Day, nach dem Debüt im Vorjahr heuer wegen der großen Nachfrage gleich zweimal: Anfang November in Innsbruck und Ende November in Wien.

Als Nächstes steht eine Großveranstaltung in Linz an, tagsüber mit Jugendlichen, am Abend mit der breiten Öffentlichkeit und dazwischen mit 80 Führungskräften. „Die Arbeit bei uns wird nicht weniger, sondern sie wird eigentlich noch größer und noch wichtiger“, schreibt Mahlodji. Seine Botschaft an alle anderen passt zum Mann, der schon mal fremden Menschen im Zug das Essen bezahlt: „In einer Welt, in der du alles sein kannst … sei einfach nett.“

