Crusoe: KI-Rechenzentrumsbetreiber steigt auf 31 Milliarden Dollar Bewertung
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Der US-Rechenzentrumsbetreiber Crusoe hat soeben eine Series-F-Finanzierungsrunde über 3,9 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung steigt damit auf 30,9 Milliarden Dollar (post-money). Angeführt wird die überzeichnete Runde von Atreides Management, Mubadala Capital und Valor Equity Partners. Mit dabei sind außerdem Founders Fund, GIC, Nvidia, die Qatar Investment Authority (QIA), Radical Ventures und TPG sowie eine lange Liste weiterer Investor:innen, darunter Altimeter, ARK Invest, Baillie Gifford, Fidelity, Salesforce Ventures, T. Rowe Price, Tiger Global und Ribbit Capital.
Der Sprung ist beachtlich: Vor rund einem Jahr hatte Crusoe in einer Series E 1,38 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 10 Milliarden Dollar eingesammelt. Binnen zehn Monaten hat sich der Firmenwert also etwa verdreifacht.
Vom Bitcoin-Mining zur KI-Fabrik
Die Wurzeln des Unternehmens liegen in einem ganz anderen Geschäft. Crusoe wurde 2018 von Chase Lochmiller und Cully Cavness gegründet, um Bitcoin mit Energie aus Erdgas zu schürfen, das bei der Ölförderung sonst abgefackelt würde. Statt das überschüssige Gas an Bohrstellen zu verbrennen, verstromte Crusoe es direkt vor Ort und betrieb damit mobile Mining-Container. Mit dem Boom bei generativer KI verlagerte das Start-up seinen Fokus auf Rechenzentren für KI-Workloads und trennte sich schließlich vom Krypto-Mining.
Vom damaligen Ansatz ist die Strategie geblieben, bei der Energie anzusetzen. Crusoe sucht zuerst Standorte mit verfügbarer Energie und baut dann die Rechenzentren. Dafür entwickelt das Unternehmen eigene Kraftwerke und arbeitet mit Partnern aus den Bereichen Stromnetz, Batteriespeicher, Kernkraft, Wärme und erneuerbare Energien zusammen.
Stargate, Meta und Jane Street
Bekannt wurde Crusoe vor allem durch seine Rolle beim KI-Infrastrukturprojekt Stargate von OpenAI. Crusoe hat den riesigen Rechenzentrums-Campus in Abilene, Texas, entworfen und gebaut, der als erster Standort von Stargate gilt und von OpenAI (gemeinsam mit Oracle) genutzt wird. Ein Teil des frischen Kapitals soll auch in bestehende Projekte wie Abilene fließen.
Zum Kund:innenkreis zählen außerdem Meta, Microsoft und Oracle. Auf der hauseigenen Cloud-Plattform Crusoe Cloud laufen laut Unternehmen zudem KI-Firmen wie Cognition, Figure und Perplexity. Erst kürzlich unterzeichnete Crusoe laut Bloomberg einen fünfjährigen Cloud-Vertrag über rund 13 Milliarden Dollar mit dem Hochfrequenzhändler Jane Street, der GPUs und KI-Infrastruktur von Crusoe beziehen wird.
Insgesamt beziffert Crusoe den vertraglich vereinbarten Auftragswert (Total Contracted Value) auf über 140 Milliarden Dollar. Die kontrahierte Kapazität liegt bei mehr als 6 Gigawatt, davon ist rund 1 Gigawatt bereits in Betrieb. Die Buchungen bei Crusoe Cloud sollen sich im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr mehr als verzwanzigfacht haben.
Drei Standbeine und modulare Rechenzentren
Crusoe verdient auf drei Wegen Geld: Das Unternehmen vermietet Rechenzentrumsflächen an Kund:innen, die ihre eigenen GPUs mitbringen, es vermietet eigene GPUs und es verkauft Rechenleistung für den Betrieb von KI-Modellen (Inferenz). Das Ende des Vorjahres gestartete Produkt Crusoe Managed Inference soll bereits über 100 Millionen Dollar an jährlich wiederkehrendem Umsatz unter Vertrag haben.
Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Runde sind die modularen Rechenzentren namens Crusoe Spark. Diese fertigt Crusoe in eigenen Werken in den USA, sie können per Lkw transportiert und nahe großer Energiequellen fast überall angeschlossen werden. Die Bauzeit vor Ort schrumpft laut Crusoe damit von Jahren auf Wochen, zudem braucht es weniger Bauarbeiter:innen. Die kleineren Einheiten könnten dem Unternehmen auch helfen, Widerstand von Anwohner:innen zu umgehen, der sich in den USA zunehmend gegen riesige Rechenzentrumskomplexe richtet.
„Um dorthin zu kommen, muss man die Infrastruktur von den Elektronen bis zu den Tokens kontrollieren“, sagt CEO Chase Lochmiller, der in KI den Beginn eines Zeitalters des Überflusses sieht. Gavin Baker, CIO von Atreides Management, argumentiert ähnlich: Die Gewinne im KI-Markt würden letztlich zu den günstigsten Produzent:innen von Rechenleistung fließen, und dafür sei die vertikale Integration von Crusoe ein struktureller Vorteil.
Neue Boardmitglieder und Börsenpläne
Parallel zur Finanzierung hat Crusoe drei neue Mitglieder für das Board of Directors ernannt: Cloudflare-CFO Thomas Seifert, Bill Stein (Partner und CIO bei Primary Digital Infrastructure) sowie JB Straubel, Gründer und CEO von Redwood Materials und Mitglied im Board von Tesla. Straubel ist Crusoe schon länger verbunden: Er investierte 2021 privat in das Unternehmen, und Crusoe wurde später erster Kunde des Energiespeichergeschäfts von Redwood.
Crusoe beschäftigt inzwischen mehr als 1.800 Mitarbeiter:innen in fünf Ländern und hat zuletzt neue Büros in Bellevue und New York eröffnet. Mittelfristig könnte auch der Gang an die Börse anstehen. Laut Axios hat sich das Unternehmen bereits mit Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley über einen möglichen IPO ausgetauscht.

