DiLT Analytics: Grazer Startup holt Millionenfinanzierung für Fehlersuche in Gebäuden
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Undichte Ventile und Lüftungen, die nachts sinnlos laufen, kosten Gebäudebetreiber jedes Jahr viel Geld, ohne dass es jemand merkt. Genau solche Fehler spürt das Grazer TU-Spin-off DiLT Analytics mit seiner Software FaciliMind auf und hat dafür jetzt eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Neu an Bord ist der Wiener Deep-Tech-Fonds Noctua Science Ventures, dazu kommt eine Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) aus dem Programm Seedfinancing Deep Tech.
Deep-Tech-Fonds und aws an Bord
Noctua Science Ventures ist ein Joint Venture von Speedinvest und den Technischen Universitäten Österreichs und investiert in der Pre-Seed-Phase gezielt in Ausgründungen, deren Produkte auf langjähriger Forschung beruhen. Erst im Vorjahr war bekannt geworden, dass sich auch der Stromkonzern Verbund an dem Fonds beteiligen will. Die aws-Förderung setzt voraus, dass ein Vorhaben einen klaren Technologiesprung gegenüber bestehenden Lösungen ermöglicht.
„Mit Noctua Science Ventures haben wir einen Partner gefunden, der beides kennt: die technischen Herausforderungen eines Deep-Tech-Produkts und den Weg in die Kommerzialisierung“, sagt CEO Theresa Kohl. Philipp Stangl, Managing Director von Noctua, lobt einen „glaubwürdigen, technisch differenzierten Ansatz“ und ein Team, mit dem Immobilienprofis gerne zusammenarbeiten.
Ein Gerät, wenige Tage, tausende Datenpunkte
Große Gebäude und Areale liefern aus ihren Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen tausende Datenpunkte. Die Gebäudeleittechnik meldet zwar, wenn Grenzwerte überschritten werden, viele Fehler bleiben im Alltag aber trotzdem unbemerkt. Die Energiekosten steigen, die Anlagen arbeiten über Jahre schlechter, und für systematische Kontrollen fehlen Zeit und Fachkräfte.
FaciliMind soll diese Lücke schließen. Die Software findet Fehler und Optimierungspotenziale, nennt mögliche Ursachen und liefert dem Technikteam eine nach Schweregrad sortierte Liste an Maßnahmen. Für die Installation reicht ein einzelnes Gerät, das an die bestehende Gebäudeleittechnik angeschlossen wird. Das digitale Abbild der Anlagen erstellt die Software dank eines Knowledge Graphs weitgehend automatisch in wenigen Tagen, bei anderen Lösungen dauert das laut DiLT für hunderte Anlagen Monate an Handarbeit. Je nach Gebäude macht FaciliMind Energieeinsparungen zwischen 5 und 30 Prozent sichtbar.
Zu den Kund:innen zählen die TU Graz, die TU Wien, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die IG Immobilien und mehrere Industrieunternehmen. Die BIG sieht in der automatisierten Fehlererkennung einen „deutlichen Mehrwert in der operativen Anwendung“.
Vom Hörsaal zum Startup-Wettbewerb
DiLT Analytics wurde Ende 2021 von den Professoren Franz Wotawa und Gerald Schweiger als Spin-off des Instituts für Softwaretechnologie der TU Graz gegründet. Über den Forschungszweig DiLT Research ist das Startup an mehr als 20 Forschungsprojekten mit über 15 Partnern beteiligt. Geführt wird es heute von Theresa Kohl (CEO), Christopher Gray (Business Development und Strategie), Thomas Hirsch (CTO), Reinhard Pertschy (CPO) und Thomas Schwengler (Head of Software).
Bei Trending Topics ist DiLT kein Unbekannter. Bei der von Erste Bank, Sparkasse und Trending Topics veranstalteten #glaubandich CHALLENGE 2025 gewann das Startup den City Pitch in der Kategorie Energy & Climate Protection und zog ins Finale ein. Im Podcast erzählte Theresa Kohl damals, wie aus der Forschung an der TU Graz ein Unternehmen wurde. 2025 folgten der DREA Award und der ÖGUT Umweltpreis, seit September ist DiLT außerdem nach ISO 27001 zertifiziert.
Konkurrenz aus Köln und Kanada
Ganz allein ist DiLT mit der Idee nicht. Das Kölner Startup aedifion bietet ebenfalls eine Plattform zur Optimierung von Gebäudetechnik an, und das kanadische BrainBox AI, das KI-gestützt Heizung und Klimaanlagen steuert, wurde vom US-Klimatechnikkonzern Trane Technologies übernommen. DiLT setzt dagegen auf die automatisierte Ursachendiagnose und die schnelle Einrichtung bei großen, herstellerunabhängigen Portfolios.
Mehr Personal, mehr Anlagen
Ein großer Teil des neuen Geldes fließt ins Team: DiLT sucht Verstärkung in Gebäudetechnik und Softwareentwicklung. Gleichzeitig soll FaciliMind bei weiteren Betreibern großer Portfolios in der DACH-Region ausgerollt werden, etwa bei der öffentlichen Hand, Flughäfen, Industrie, Pharma und im Gesundheitswesen. Als nächste Funktion plant DiLT eine Abschätzung des wirtschaftlichen Nutzens jeder Maßnahme, damit Asset Manager Reparaturen im Budget priorisieren können. Ein Übersetzungswerkzeug für den Gebäudedaten-Standard BACtwin will das Startup als Open Source veröffentlichen.
Langfristig sollen auch Wärmepumpen, Kältemaschinen, Photovoltaik und Batteriespeicher in die Diagnose einfließen. „Ein Gebäudeportfolio überdauert seine Dienstleister und oft auch seine erfahrensten Mitarbeitenden“, sagt Kohl. Ziel sei, dass Entscheidungen auf verifizierten Daten beruhen statt auf Bauchgefühl und Erinnerung.

