Mission S: Porsche greift Ferrari mit Verbrenner-Supersportwagen an
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Kein Akku, kein Zentralbildschirm, dafür ein Motor im Rücken: Mit der Mission S zeigt Porsche, wohin die Reise unter dem neuen CEO Michael Leiters geht, nämlich direkt in Richtung Ferrari. Am vergangenen Donnerstag hat der Stuttgarter Sportwagenbauer in New York die Studie eines Mittelmotor-Supersportwagens enthüllt, der künftig oberhalb des 911 angesiedelt sein soll. Die Premiere fällt in eine Zeit, in der es bei Porsche geschäftlich so schlecht läuft wie lange nicht.
Was hinter der Mission S steckt
Die Mission S ist offiziell ein „Vision Model“, also eine Designstudie. Dahinter steht aber eine neue Supersportwagen-Plattform mit Mittelmotor, die Porsche nach eigenen Angaben bereits entwickelt. Anders als beim Carrera GT oder beim 918 Spyder soll daraus keine limitierte Kleinserie entstehen, sondern eine dauerhafte Baureihe über dem 911. Leiters spricht von einer „permanenten und vielseitigen Ergänzung“ des Angebots.
Zum Antrieb schweigt Porsche offiziell. Laut dem britischen Fachmagazin Autocar hat Leiters aber bestätigt, dass die Serienversion ausschließlich mit Verbrennungsmotor kommt. Insider:innen berichteten dem Handelsblatt von einem neu entwickelten Achtzylinder-Boxer, es wäre der erste in einem Straßenauto von Porsche.
Optisch ist die Mission S eine Zeitreise durch die Markengeschichte: Die flache Front stammt vom Le-Mans-Renner GT1, die Dachlinie erinnert an den 959, ein offen sichtbarer Kühlventilator über dem Motor zitiert den 917, und die Felgen greifen das Design des 928 auf. Im Innenraum gibt es fünf Rundinstrumente mit analogem Drehzahlmesser, klassische Schalter und keinen fest verbauten Zentral- oder Beifahrerbildschirm. Navigation und Infos liefert stattdessen das eigene Smartphone in einer ausfahrbaren MagSafe-Halterung. „Ein Porsche muss auf den ersten Blick als Porsche erkennbar sein“, sagt Leiters.
Preis und Verfügbarkeit
Kaufen kann man die Mission S noch nicht, und es gibt weder technische Daten noch einen Preis oder einen Starttermin. Porsche sagt nur, die neue Designsprache werde „bald“ in die Modellpalette einfließen. Fachmedien wie AutoGuide rechnen mit einem Serienauto für das Modelljahr 2029.
Beim Preis gehen Branchenbeobachter:innen von rund 500.000 Euro (etwa 560.000 Dollar) aus. Wie hoch Porsche zielt, zeigt Leiters‘ eigener Vergleich: Ferrari erzielt im Schnitt rund 440.000 Euro pro Auto, bei den 10.000 teuersten Porsches liegt der Durchschnitt heute bei 270.000 Euro. Mittelfristig sollen es rund 330.000 Euro werden, auch mit Hilfe des neuen Supersportwagens und von mehr Individualisierung.
Pro und Contra
Was für die Mission S spricht:
- Verbrenner statt Akku: Die Nachfrage nach teuren Elektro-Sportwagen ist ausgeblieben. Der Taycan verlor in den ersten neun Monaten des Jahres 31 Prozent an Auslieferungen, der 911 legte um 12 Prozent zu.
- Dauerhafte Baureihe: Statt einer auf wenige hundert Stück limitierten Kleinserie soll die Plattform laufend Umsatz bringen und mehrere Modelle tragen können.
- Margenstarkes Segment: Teure Sportwagen bringen deutlich mehr Gewinn pro Stück, genau das braucht Porsche, um die angepeilte Umsatzrendite von 10 bis 15 Prozent zu erreichen.
- Klare Markenidentität: Das analoge Cockpit hebt sich bewusst von bildschirmlastigen Innenräumen ab, wie sie chinesische Hersteller und Tesla bieten.
Was dagegen spricht:
- Nur eine Studie: Ohne Motor, Leistung, Preis und Termin bleibt die Mission S vorerst ein Versprechen. Schon der elektrische Mission X von 2023 wurde als 918-Nachfolger gehandelt, ein Serienauto ist daraus bis heute nicht geworden.
- Smartphone als Bildschirm: Was in einer Studie puristisch wirkt, könnte im Alltag eines 500.000-Euro-Autos als Sparlösung ankommen.
- Starke Konkurrenz: Im Supersportwagen-Segment sind Ferrari, Lamborghini mit dem Temerario und McLaren mit dem 750S seit Jahren etabliert, Ferrari zudem mit deutlich höheren Margen.
- Teure Entwicklung zur falschen Zeit: Porsche investiert in eine neue Plattform und einen neuen Motor, während gleichzeitig Tausende Stellen gestrichen werden.
Was bei Porsche geschäftlich los ist
Die Mission S ist das erste sichtbare Ergebnis der neuen Strategie „Sportwagenschmiede ’35“, die Leiters Anfang Oktober beim Kapitalmarkttag vorgestellt hat. Der frühere Ferrari-Technikchef und McLaren-CEO hat Anfang des Jahres Oliver Blume an der Spitze abgelöst und einen Konzern in der Krise übernommen. 2025 lieferte Porsche 279.449 Autos aus, 10 Prozent weniger als im Vorjahr, die operative Umsatzrendite stürzte von 14,1 auf 1,1 Prozent ab.
Auch 2026 geht es weiter bergab. In den ersten neun Monaten sanken die Auslieferungen um 16 Prozent auf 178.532 Fahrzeuge. In China brach der Absatz um 33 Prozent ein, das Händlernetz dort soll bis Jahresende von rund 150 auf 75 bis 80 Standorte halbiert werden. Nach einer operativen Marge von 7,8 Prozent im ersten Halbjahr erwartet Porsche für das Gesamtjahr 5,5 bis 7,5 Prozent. Mehrheitseigentümer Volkswagen hat soeben eine Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro (etwa 6,7 Milliarden Dollar) auf den Firmenwert von Porsche angekündigt.
Die Gegenmaßnahmen sind drastisch:
- Jobs: Rund 9.000 Stellen fallen sozialverträglich weg, die Zahl der Managementposten soll um 40 Prozent sinken.
- Beteiligungen: Die Anteile an Rimac und Bugatti Rimac sind verkauft, die Beratungstochter MHP geht an Tata Consultancy Services, die Batterietochter Cellforce wird abgewickelt.
- Modelle: Rund 20 Prozent weniger Varianten, dafür 2028 ein neues kleines SUV mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid sowie die vollelektrischen 718 Boxster und Cayman. Ein großes SUV oberhalb des Cayenne wird geprüft, der 911 bleibt ein Verbrenner.
- Ziele: Die Gewinnschwelle soll künftig unter 200.000 verkauften Autos pro Jahr liegen, mittelfristig peilt Porsche eine operative Umsatzrendite von 10 bis 15 Prozent an.
An der Börse ist von der einstigen Euphorie wenig übrig. Beim Börsengang 2022 kostete die Aktie 82,50 Euro, zuletzt lag sie bei rund 42 Euro. Ob die Strategie greift, zeigen die nächsten Zahlen: Kommende Woche legt Porsche die Bilanz für das dritte Quartal vor.

