UN-Bericht: Die Welt wird die 1,5-Grad-Grenze überschreiten
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Das 1,5-Grad-Ziel ist in seiner ursprünglichen Form Geschichte: Laut dem soeben veröffentlichten Emissions Gap Report 2026 des UN-Umweltprogramms UNEP ist es nicht mehr möglich, die Erderwärmung ohne deutliches Überschreiten bei 1,5 Grad zu stoppen. Mit der aktuellen Politik steuert die Welt bis 2100 auf 2,8 Grad zu. Der Bericht trägt trotzdem den Titel „The Point of Return“, also der Punkt der Umkehr.
Die Prognosen im Überblick
Der 17. Bericht dieser Art rechnet mehrere Szenarien für die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts durch:
- Aktuelle Politik: 2,8 Grad
- Bedingungslose Klimapläne der Staaten: 2,7 Grad
- Alle Klimapläne inklusive jener, die an Finanzhilfen geknüpft sind: 2,6 Grad
- Alle Klimapläne plus Netto-Null-Versprechen: 2,1 Grad
Damit hat sich das Bild gegenüber dem Vorjahr nicht verbessert. Vor einem Jahr kam UNEP bei voller Umsetzung der Klimapläne noch auf 2,3 bis 2,5 Grad. Schlechter fallen die Prognosen laut der Nachrichtenagentur AAP unter anderem wegen des Austritts der USA aus dem Pariser Klimaabkommen und neuer Emissionsschätzungen aus.
Die globalen Treibhausgasemissionen lagen 2025 bei 58,4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent und damit leicht unter dem Vorjahr. Entwarnung ist das keine: Die Emissionen aus fossilen Brennstoffen sind weiter gestiegen, der Rückgang kam vor allem durch weniger Waldbrände zustande als 2024. Die G20-Staaten verursachen 76 Prozent der weltweiten Emissionen, ohne Landnutzung stiegen ihre Emissionen 2025 um 0,7 Prozent.
Überschreiten ist nicht Kapitulieren
Selbst im günstigsten Szenario steigt die Temperatur Mitte des Jahrhunderts auf 1,7 bis 1,8 Grad, bevor sie bis 2100 mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit wieder auf 1,5 Grad sinken könnte. Dafür müssten die Emissionen im Vergleich zu 2025 um 18 Prozent bis 2030, um 45 Prozent bis 2035 und um 69 Prozent bis 2040 sinken, also um fast 6 Prozent pro Jahr. Die bisherigen Klimapläne der Staaten bringen bis 2035 nur ein Minus von 11 bis 15 Prozent. Zusätzlich bräuchte es Technologien, die CO2 in großem Stil aus der Atmosphäre holen.
„Die Welt kann das Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze nicht mehr vermeiden“, sagt UN-Generalsekretär António Guterres. Ein Überschreiten sei aber „keine Kapitulation“. UNEP-Chefin Inger Andersen fordert schnelle, tiefe und dauerhafte Emissionssenkungen: Der Punkt der Umkehr beginne „jetzt, nicht später“. Laut Bericht gilt: Für alle fünf Jahre, die mit dem Senken der Emissionen gewartet wird, kommen rund 0,1 Grad zusätzliche Erwärmung dazu.
USA als Bremsklotz
Besonders kritisch sieht der Bericht die USA. Deren Emissionen stiegen 2025 um 133 Millionen Tonnen, getrieben von höherem Strombedarf und einem Comeback der Kohlekraft. Dass die US-Emissionen für 2030 und 2035 in den Prognosen trotzdem niedriger ausfallen, liegt am Ausstieg aus dem Pariser Abkommen, den UNEP laut Carbon Brief als „Politikänderung, nicht Politikfortschritt“ bezeichnet. China, die EU, Indien, Russland und Indonesien hielten ihre Emissionen 2025 dagegen relativ stabil.
Auch sonst hinken viele Staaten hinterher. Bis Anfang September hatten 124 Länder ihre neuen Klimapläne eingereicht, die zusammen 75 Prozent der weltweiten Emissionen abdecken. Die ursprüngliche Frist im Februar 2025 haben 95 Prozent der Staaten verpasst.
Optimisten und Pessimisten
Wie realistisch eine Rückkehr zu 1,5 Grad ist, bleibt umstritten. Bill Hare, CEO des Forschungsinstituts Climate Analytics, hält es bei maximalem Ehrgeiz für möglich, die Erwärmung Mitte des Jahrhunderts bei rund 1,7 Grad zu stoppen und bis 2100 deutlich unter 1,5 Grad zu drücken. Andererseits zeigt der Bericht selbst, wie weit die Realität davon entfernt ist: Der Kohleverbrauch müsste bis 2035 um 55 Prozent sinken, während er in den USA gerade wieder steigt.
Dass das 1,5-Grad-Limit bereits überschritten wird, ist schon jetzt spürbar. 2024 war das erste Kalenderjahr mit einer Erwärmung von mehr als 1,5 Grad, und der vergangene September war der zweitheißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig baut sich ein Super-El-Niño auf, der bereits Temperaturrekorde bricht. Die nächste Gelegenheit zum Nachschärfen gibt es bei der Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya.

