Rüstung

Defence-Tech-Boom: Rüstungs-Deals erreichen Rekordniveau

Military drone against a black background
An MQ-1L Predator military drone. © Smithsonian / Unsplash

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Der Defence-Tech-Boom erreicht die Übernahmeabteilungen: Weltweit wurden in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 65 Firmenkäufe und Fusionen im Verteidigungssektor abgeschlossen, mehr als im gesamten Vorjahr und so viele wie in keinem Jahr seit Beginn der Auswertung 2018. Das zeigen soeben veröffentlichte Daten der internationalen Anwaltskanzlei White & Case, die gemeinsam mit dem Datenanbieter Mergermarket erhoben wurden. Europa holt dabei kräftig auf.

Rekordjahr schon nach neun Monaten

Die 65 Deals liegen rund ein Viertel über dem gesamten Jahr 2025 und 91 Prozent über den 34 Deals von 2024. Der Wert der Transaktionen erreichte 7 Milliarden Dollar (rund 6,2 Milliarden Euro) und damit bereits so viel wie im ganzen Vorjahr.

Besonders aktiv war das dritte Quartal. Der Dealwert stieg im Jahresvergleich auf das Siebenfache, von 0,6 auf 4,2 Milliarden Dollar (rund 3,7 Milliarden Euro), die Zahl der Deals wuchs um 42 Prozent von 12 auf 17. Allein dieses Quartal steht damit für 60 Prozent des bisherigen Jahreswerts.

Bar chart of defence M&A deal volumes from 2018 to 2026
Defence M&A deal volumes, global vs. EMEA, 2018 to 2026 YTD. © White & Case / Mergermarket

Europa überholt die USA im dritten Quartal

Die größte Überraschung kommt aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA). Die Region verbuchte im dritten Quartal sieben Transaktionen im Wert von 2,8 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro), doppelt so viel wie die USA mit 1,4 Milliarden Dollar bei sechs Deals. Damit lag EMEA allein in diesem Quartal bei mehr als dem Doppelten seines gesamten Vorjahreswerts von 1,3 Milliarden Dollar.

Über die ersten neun Monate gerechnet liegen beide Regionen bei der Zahl der Deals gleichauf, mit jeweils 26 Transaktionen. Beim Wert haben die USA mit 3,6 Milliarden Dollar noch knapp die Nase vorn, EMEA kommt auf 3,1 Milliarden Dollar.

Wie begehrt europäische Rüstungszulieferer sind, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Österreich. Der US-Drohnenhersteller Red Cat will den oberösterreichischen Spezialmotorenbauer Steyr Motors für rund 205 Millionen Euro (etwa 230 Millionen Dollar) übernehmen und bietet 39 Euro je Aktie in bar, knapp 29 Prozent mehr als der letzte Schlusskurs vor dem Angebot. Steyr Motors baut Motoren für Militärfahrzeuge und Schiffe sowie Hilfsaggregate für Kampfpanzer, für Red Cat ist vor allem der Antrieb für unbemannte Überwasserfahrzeuge interessant. Produktion und Entwicklung sollen in Steyr bleiben. Abgeschlossen sein soll der Deal bis Mitte 2027, zuvor müssen noch Behörden in vier Ländern zustimmen.

„Da die Militärausgaben stark steigen werden, ist Verteidigungstechnologie weltweit zu einem der sich am schnellsten entwickelnden Sektoren für Deals und Investitionen geworden“, sagt Patrick Sarch, Head of UK Public M&A bei White & Case. Unternehmen würden um neue Fähigkeiten konkurrieren, um Technologien zu entwickeln und die Produktion hochzufahren, Investor:innen wiederum um die vielversprechendsten Defence-Tech-Firmen. Den Sprung in Europa erklärt Sarch mit dem Bestreben Großbritanniens und der EU, eigene Verteidigungstechnologie aufzubauen und die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern.

Milliarden für Defence-Tech

Die Übernahmewelle passt zum Investmentboom bei Rüstungs-Startups. Das US-Unternehmen Anduril ist inzwischen 90 Milliarden Dollar wert, in Europa wurde der portugiesische Drohnenhersteller Tekever zuletzt mit 5,5 Milliarden Euro bewertet. Laut einer früheren Umfrage von White & Case wollen britische Rüstungsfirmen und Defence-Tech-Startups in den nächsten zwölf Monaten 19,75 Milliarden Pfund (rund 23,5 Milliarden Euro) investieren, 97 Prozent von ihnen planen, dafür erhebliche externe Finanzierung aufzunehmen.

„Privates Kapital sucht nach attraktiven Gelegenheiten in dem Sektor“, sagt Michael Evans, Partner bei White & Case. Investor:innen würden sich Zugang zu Unternehmen sichern wollen, die von langfristigem Wachstum profitieren, das über aktuelle Konflikte und sogar über den Verteidigungsbereich hinausreiche. Die Herausforderung für Großbritannien und Europa sei nun, ihren Firmen die nötigen Forschungsgelder zu verschaffen, um global mithalten zu können.

Die Kehrseite des Booms

Ob sich die hohen Bewertungen am Ende auszahlen, ist allerdings offen. Laut einer Analyse des Risikokapitalgebers Nexi auf Basis von Dealroom-Daten flossen 2026 mehr als 85 Prozent des europäischen Defence-Tech-Kapitals in nur sieben Finanzierungsrunden von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar. Keine davon hat bisher zu einem Verkauf geführt. Weil es im Verteidigungssektor nur wenige große Käufer gibt, sind die Ausstiegsmöglichkeiten für Investor:innen begrenzt. Zudem stammten 47 Prozent des Geldes für europäische Rüstungs-Startups von US-Investor:innen.

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