Personal Agent Protocol: Meta und Walmart wollen die Regeln für Shopping-Agenten schreiben
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Wer die Tür baut, bestimmt, wer hindurchgeht: Meta und das KI-Startup Sierra haben soeben das Personal Agent Protocol (PAP) vorgestellt, einen offenen Standard dafür, wie persönliche KI-Agenten mit Unternehmen interagieren. Mit an Bord sind Walmart, Shopify, Stripe, Genesys, Rocket und Instinct. Es fehlen allerdings genau jene Firmen, mit denen Meta zuletzt aneinandergeraten ist.
Ein Login für Agenten
Das Protokoll soll regeln, wie sich ein Agent wie Metas Muse bei einem Onlineshop, einer Bank oder einem Kundenservice anmeldet und was er dort tun darf. Technisch setzt PAP auf OAuth, also das Prinzip hinter den bekannten „Anmelden mit“-Buttons. Vorgesehen sind drei Zugangsstufen:
- Gast: Der Agent darf ohne Anmeldung öffentliche Informationen abrufen, etwa Öffnungszeiten, Lagerbestand oder Rückgaberegeln.
- Angemeldet, nur lesen: Mit Zustimmung der Nutzer:innen sieht der Agent etwa Bestellhistorie oder Kontostände.
- Angemeldet, schreiben: Der Agent darf handeln, also etwa eine Retoure anstoßen oder einen Termin verschieben.
Unternehmen können dabei wählen, ob der Agent ihre Website bedient, über Schnittstellen wie MCP oder OpenAPI zugreift oder direkt mit dem hauseigenen Kundenservice-Agenten spricht. Die Sitzung soll über alle Kanäle hinweg erhalten bleiben. Sierra wurde vom früheren Salesforce-Co-CEO Bret Taylor mitgegründet und baut genau solche Kundenservice-Agenten für Unternehmen.
Noch keine Spezifikation, noch keine Zahlungen
Der Standard steht allerdings noch ganz am Anfang. Eine veröffentlichte Spezifikation, eine Lizenz oder ein unabhängiges Gremium gibt es laut einer Analyse von Beri bislang nicht. Version 0.1 soll noch im Oktober kommen, zusammen mit einer Referenzimplementierung. Bezahlen kann ein Agent über PAP vorerst nicht: Zahlungen, Push-Benachrichtigungen und fein abgestufte Berechtigungen sind erst als spätere Erweiterungen geplant.
Amazon, Google und OpenAI fehlen
Bemerkenswert ist, wer nicht dabei ist. Amazon hatte Muse erst vor wenigen Wochen von seiner Plattform ausgesperrt, weil sich der Agent ohne Genehmigung Zugang verschafft habe. Mit PAP versucht Meta nun, die Spielregeln selbst mitzuschreiben, und holt sich mit Walmart den größten Konkurrenten von Amazon ins Boot. Auch OpenAI, Anthropic und Google fehlen auf der Partnerliste, ebenso europäische Händler, Banken oder Zahlungsanbieter.
Dazu kommt: PAP ist längst nicht der einzige Versuch, den Agentenhandel zu ordnen. OpenAI hat gemeinsam mit Stripe das Agentic Commerce Protocol (ACP) für Käufe direkt im Chatbot entwickelt, Google mit Shopify das Universal Commerce Protocol (UCP), und Visa arbeitet mit Cloudflare am Trusted Agent Protocol, das Agenten gegenüber Händlern ausweisen soll. Shopify und Stripe sitzen gleich bei mehreren dieser Initiativen mit am Tisch.
Wie die Plattformen den Zugang für KI-Agenten künftig regeln, hat Gastautorin Ting Wasner-Lian kürzlich am Beispiel Chinas beschrieben. Ihre Einschätzung: Ein Agent, der überall einkaufen kann, wird es so bald nicht geben, Außenstehende kommen nur über Verhandlungen hinein. PAP ist so ein Verhandlungsangebot. Ob daraus ein echter Standard wird, hängt davon ab, ob sich auch Agenten anderer Anbieter und Händler jenseits des Meta-Lagers anschließen.

