Flip holt sich 22 Millionen Euro für KI-Infrastruktur für Frontline-Mitarbeiter
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Das Stuttgarter Startup Flip hat laut EU-Startups 22 Millionen Euro eingesammelt, um KI-Infrastruktur und Wissensmanagement für Mitarbeiter ohne Schreibtisch auszubauen. Die Employee-Experience-Plattform richtet sich gezielt an Frontline-Worker in Produktion, Einzelhandel, Logistik, Pflege und Gastronomie, also jene 80 Prozent der Belegschaft, die nicht im Büro arbeiten.
Neue Finanzierung in nur einem Jahr
Die Runde wird von den Bestandsinvestoren Notion Capital und HV Capital getragen, die ihre Beteiligung ausbauen. Neu eingestiegen ist die L-Bank, die Förderbank des Landes Baden-Württemberg. Flip hatte bereits 2025 eine Series A-Extension über 25 Millionen Euro abgeschlossen und 2022 mehr als 26,5 Millionen Euro eingeworben.
Flip reiht sich in eine Serie europäischer Finanzierungen für Software für Mitarbeiter:innen ohne Schreibtisch ein. 2026 hat das Pariser Startup Skello 200 Millionen Euro eingesammelt. 18,09 Millionen Euro gingen an Orbio aus Madrid, 11 Millionen Euro an Nesto aus Karlsruhe, über 5 Millionen Euro an die Berliner Elephant Company und 4 Millionen Euro an Bounti (ebenfalls Berlin).
Flip unterstützt Frontline-Teams
„Wir unterstützen Flip seit 2022, und in dieser Zeit haben wir beobachtet, wie das Team eine führende Position im Enterprise-Markt aufgebaut hat, sowohl in Europa als auch in den USA. Dass wir jetzt verdoppeln, spiegelt unsere Überzeugung wider, dass Flip eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Kategorie KI für Frontline-Teams spielt“, erklärt Jos White, General Partner bei Notion Capital. Zu den Kunden zählen Bosch, REWE Group, SIXT, TEDi, FORVIA HELLA, Greif und Europart.
Flip kombiniert Kommunikation, Workflows, digitale Identität und KI in einer App. Der KI-App-Builder „Flip Fusion“ generiert in Echtzeit maßgeschneiderte Frontline-Apps für einzelne Stores, Teams oder Prozesse. Die im Juni eingeführte Funktion „Frontline Identity“ soll die historische Hürde der Corporate-E-Mail-Adresse beseitigen.
Mitarbeiter:innen ohne Schreibtisch sollen so direkten Zugang zu Unternehmenssystemen erhalten. Beim Pilotprojekt mit Greif erreichte Flip eine Adoption von 85 Prozent und hält 74 Prozent wöchentlich aktive Nutzer:innen. Inzwischen läuft die Plattform an über 100 Standorten in 15 Ländern.
KI soll keine Angestellten zurücklassen
„KI ist im Büro längst Teil des Alltags, aber am Fließband, in Geschäften oder in der Pflege ist sie kaum angekommen“, sagt Benedikt Brand, Co-Founder und CEO von Flip. „Das liegt nicht an mangelndem Interesse, sondern daran, dass vielen Frontline-Organisationen die digitale Identität und Infrastruktur fehlt, die KI braucht, um im täglichen operativen Betrieb einen Unterschied zu machen. Genau diese Lücke schließt Flip: mit sicherer digitaler Identität, KI-Agenten und individuell generierten Frontline-Apps auf einer einzigen Plattform.“
Brand warnt, dass Frontline-Rollen Gefahr laufen, unverändert zu bleiben, während Büromitarbeiter KI-Skills aufbauen, mit negativen Folgen für Bezahlung, Aufstiegschancen und Jobsicherheit in Sektoren mit ohnehin hoher Fluktuation. „Wir wollen eine Welt sehen, in der KI keinen Mitarbeiter zurücklässt“, so der CEO.

