LegalTech

Legora: Schwedisches Legal-AI-Startup bei 8,8 Mrd. Dollar Bewertung, mit Strabag als Kunde

Legora CEO Max Junestrand sitting at a wooden table in a café
Legora CEO and co-founder Max Junestrand. © Legora

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Sieben Monate, gleiche Summe, deutlich höherer Preis: Das schwedische Legal-AI-Startup Legora hat soeben eine Serie-E-Finanzierungsrunde über 550 Millionen Dollar (rund 491 Millionen Euro) abgeschlossen. Die Bewertung steigt damit von zuletzt 5,6 auf 8,8 Milliarden Dollar (rund 7,9 Milliarden Euro). Zu den Kund:innen des KI-Betriebssystems für Jurist:innen zählt auch der österreichische Baukonzern Strabag.

Atreides führt, Fidelity und J.P. Morgan steigen ein

Angeführt wird die Runde von Atreides Management, dem Investmenthaus von Gavin Baker. Neu an Bord sind Baron Capital, Fidelity Management & Research, Glade Brook Capital Partners und J.P. Morgan. Auch die großen Bestandsinvestoren ziehen mit, darunter Accel, Benchmark, Bessemer Venture Partners, General Catalyst, ICONIQ, Insight Venture Partners, Redpoint Ventures, Salesforce Ventures, Capital Group und Sands Capital.

Erst im März hatte Legora 550 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 5,55 Milliarden Dollar eingesammelt. Das frische Geld soll vor allem in die Expansion in Nordamerika fließen, wo Legora Büros in New York, Denver, Chicago, Houston, San Francisco, Toronto und Mexiko-Stadt betreibt. Dazu kommen der Ausbau in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum sowie neue Produkte für die Plattform Legora aOS, etwa für die Erfassung eingehender Anfragen, die Früherkennung regulatorischer Änderungen und die juristische Recherche.

Von 1 auf 200 Millionen Dollar Umsatz

Die Wachstumszahlen sind beachtlich. Legora steigerte seinen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) laut eigenen Angaben in weniger als 18 Monaten von 1 auf 100 Millionen Dollar, für die nächsten 100 Millionen brauchte das Startup weniger als sechs Monate. Inzwischen liegt der ARR bei mehr als 200 Millionen Dollar (rund 178 Millionen Euro). Gegründet wurde Legora 2023 in Stockholm, die Plattform ging im Oktober 2024 an den Start. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 1.000 Mitarbeiter:innen an 18 Standorten.

Mehr als 140.000 Jurist:innen in über 2.400 Kanzleien und Rechtsabteilungen nutzen die Software in mehr als 80 Märkten. In den USA, inzwischen Legoras umsatzstärkster Markt, zählt mehr als die Hälfte der 50 größten Kanzleien zu den Kund:innen. Immer wichtiger werden Rechtsabteilungen von Konzernen: Sie stellten im dritten Quartal mehr als 40 Prozent der Neukund:innen. „Das Potenzial im Rechtsmarkt ist enorm, und wir stehen noch am Anfang“, sagt CEO und Mitgründer Max Junestrand.

Strabag verdoppelt die Lizenzen

Ein solcher Konzernkunde ist die Strabag. Die Abteilung für Vertragsmanagement und Rechtsdienstleistungen des Baukonzerns mit rund 400 Mitarbeiter:innen in mehr als 25 Ländern setzt Legora für Recherche, Vertragsentwürfe, Übersetzungen und Formulierungen ein, wie aus einer Fallstudie von Legora hervorgeht. Die Zahl der Lizenzen steigt heuer von 200 auf 400, damit bekommt die gesamte Abteilung Zugang. Bei Datenverarbeitungsverträgen spare das Team bis zu 80 Prozent der Zeit. „Ich will, dass meine Leute an den wirklich wichtigen Dingen arbeiten“, sagt Strabag-Chefjurist Volker Springer.

Auch in Österreichs Kanzleien ist Legora angekommen. Die Wiener Wirtschaftskanzlei Schönherr kooperiert seit dem Frühjahr mit dem Startup.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Harvey

Legoras größter Rivale ist das US-Startup Harvey, und das Rennen der beiden wird immer enger. Harvey hatte erst im September ebenfalls 550 Millionen Dollar eingesammelt, allerdings bei einer Bewertung von 15,5 Milliarden Dollar (rund 13,8 Milliarden Euro). Laut Financial Times hatte Legora im Vorfeld über eine Bewertung von mindestens 10 Milliarden Dollar verhandelt, am Ende wurden es 8,8 Milliarden.

Wie nah sich die beiden inzwischen kommen, zeigte sich erst vergangene Woche: Legora und Harvey stellten innerhalb eines Tages nahezu dasselbe Produkt vor, noch dazu unter exakt demselben Namen. Beide heißen „Intake“ und sollen Rechtsabteilungen als zentrale Eingangstür für juristische Anfragen dienen, bei denen ein KI-Agent die Vorarbeit übernimmt. In der Branche sorgte die Doppelung für Spott, sie zeigt aber, worum es geht: Beide wollen über die Großkanzleien hinaus in die Rechtsabteilungen der Konzerne vordringen.

Ganz allein haben die beiden den Markt nicht. OpenAI arbeitet direkt mit Rechtsabteilungen großer Konzerne zusammen, Anbieter von Software für Vertragsmanagement bauen eigene KI-Agenten ein, und im deutschsprachigen Raum mischen Startups wie Noxtua mit, das zuletzt mehrheitlich an Rechtsverlage ging.

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