Robotik

Yann LeCun und Mistral-Chef investieren in Zürcher Robotik-Startup Enact

The team of Enact Intelligence in Zurich
The team of Enact Intelligence. © Enact Intelligence

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Sehen allein reicht nicht, wer eine Schraube eindrehen will, muss sie auch spüren: Das Zürcher Physical-AI-Startup Enact Intelligence ist soeben aus dem Stealth-Modus getreten und hat eine Pre-Seed-Runde über 30 Millionen Dollar (rund 27 Millionen Euro) bekannt gegeben. Neben den Investoren redalpine, Notion Capital und firstminute capital sind prominente Business Angels an Bord: KI-Pionier Yann LeCun und Mistral-Gründer Arthur Mensch.

Roboter mit Fingerspitzengefühl

Enact will ein Grundproblem der Robotik lösen. Die meisten Roboter verlassen sich heute fast ausschließlich auf Kameras. Selbst mit vielen Trainingsdaten greifen sie deshalb unsicher zu und arbeiten in der echten Welt unzuverlässig. Handgriffe, die Fingerspitzengefühl erfordern, bleiben Handarbeit: ein Kabel einstecken, eine Dichtung einlegen, eine Schraube ansetzen, die hakt. Lösungen mit Kraft- und Tastsinn gibt es zwar, laut Enact sind sie aber meist zu teuer und zu störanfällig für die Fabrik.

Enact denkt den Roboter deshalb von Grund auf neu, von den KI-Modellen über die Datenströme bis zu eigenen Antrieben und Sensoren. Herauskommen soll ein „Nervensystem“, das Kraft im ganzen Körper bis in die Fingerspitzen wahrnimmt, und ein „Kortex“, der daraus ein Körpergefühl formt und die Bewegungen steuert. Die Technik soll in jede Bauform passen, vom einfachen Roboterarm bis zum Humanoiden. Dabei setzt Enact stark auf bestehende KI-Modelle, etwa Videomodelle, und passt sie so an, dass sie Roboterbewegungen ausgeben. „Wir gehen die entscheidenden Engpässe an: die Fähigkeit, effizient aus Erfahrung zu lernen und Aufgaben verlässlich auszuführen“, sagt CEO Manuel Yves Galliker.

Gründer kommt von 1X und Physical Intelligence

Gegründet wurde Enact erst im März rund um Galliker. Er leitete zuvor beim norwegisch-amerikanischen Humanoiden-Hersteller 1X das Team, das dem Roboter NEO das Laufen beibrachte, und arbeitete danach beim US-Robotiklabor Physical Intelligence. Das zwölfköpfige Team stammt unter anderem von Google DeepMind, 1X, Amazon Robotics, dem Rüstungs-KI-Unternehmen Helsing und Physical Intelligence. Mit an Bord ist auch Philip Kneis, der bisher als Deeptech-Investor bei redalpine tätig war und nun das Wachstum von Enact verantwortet.

Bei den Business Angels hat Enact prominente Namen gewonnen. Yann LeCun war lange Chief AI Scientist bei Meta und hat inzwischen mit AMI Labs sein eigenes KI-Unternehmen gegründet. Arthur Mensch führt Mistral, Europas bekanntestes KI-Startup. Dazu kommt Andrew Lonsberry, Gründer des US-Schweißroboter-Herstellers Path Robotics.

Die letzte Meile der Fabrik

Erste Einsatzgebiete sind die letzten Schritte der Montage, wo Stecker gesteckt, Clips eingerastet und Schrauben eingedreht werden, oft in vielen Varianten und kleinen Stückzahlen. Genau dort gibt es bisher kaum Roboter: In Deutschland setzen laut Enact nur 4,6 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen Roboter ein, bei großen Unternehmen sind es 24 Prozent. „China gewinnt über Stückzahl, wir gewinnen über Varianz“, sagt Galliker. Statt jede Aufgabe einzeln zu programmieren, sollen Enacts Roboter lernen, indem man es ihnen vormacht.

Mit dem Geld will Enact sein Team bis Ende 2027 verfünffachen, Hardware und Forschung beschleunigen und erste Roboter bei Industriepartnern einsetzen. Gespräche mit europäischen Unternehmen aus Fertigung, Infrastruktur, Handel und Lebensmittelverarbeitung laufen bereits. Den Standort Zürich hat das Team bewusst gewählt, wegen der ETH, des gewachsenen Robotik-Clusters im Limmattal und der Nähe zu Industriekunden.

Starke Konkurrenz beim Tastsinn

Mit der Idee, Robotern Fingerspitzengefühl zu geben, ist Enact nicht allein. Erst diese Woche hat das US-Startup Eka Robotics mit einem Modell, das Sehen und Kraft verbindet, 150 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,45 Milliarden Dollar eingesammelt. Dazu kommen gut finanzierte Robotik-Labore wie Physical Intelligence aus den USA. In Europa sind unter anderem Neura Robotics, RobCo und Agile Robots aktiv, und in der Schweiz ist kürzlich der Baurobotik-Spezialist Gravis Robotics zum Unicorn aufgestiegen. Wie gut Enacts Ansatz in der Praxis funktioniert, muss sich noch zeigen: Konkrete Leistungsdaten oder Kunden nennt das Startup bisher nicht.

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