Claude Duet: Anthropics neuer KI-Agent als Antwort auf Dots, Muse und Grokbot
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Jetzt hat auch Anthropic einen Assistenten, der nie schläft: Mit Claude Duet hat der Claude-Hersteller soeben einen KI-Agenten vorgestellt, der rund um die Uhr im Hintergrund arbeitet, Postfach und Kalender im Blick behält und sich nur meldet, wenn er etwas braucht. Damit zieht Anthropic mit OpenAI, Meta und SpaceXSI gleich, die ihre Always-on-Agenten bereits auf den Markt gebracht haben. Anders als die Konkurrenz zielt Duet aber vor allem auf die Arbeit, nicht auf die Freizeit.
Für wen Duet verfügbar ist
Duet startet als sogenannte Research Preview, also als frühe Testversion. Zugang gibt es vorerst nur über eine Warteliste und nur für Kund:innen mit Pro- oder Max-Abo in den USA. Team- und Enterprise-Kund:innen sind laut Anthropic „noch nicht“ dabei, einen Zeitplan nannte das Unternehmen nicht. Nutzer:innen in Europa schauen damit vorerst ebenso durch die Finger wie bei vielen anderen neuen KI-Agenten.
Duet läuft als eigene App für iOS und Android sowie im Browser auf claude.ai. Einen Aufpreis verlangt Anthropic nicht, der Agent verbraucht aber das Nutzungskontingent des jeweiligen Abos, und zwar auch für Hintergrundarbeit, die man gar nicht direkt sieht. Unter der Haube arbeitet Claude Opus 5.5. Intern lief das Projekt Berichten zufolge unter dem Namen Claude Loop.
Was Duet können soll
Das Prinzip ähnelt dem der Konkurrenz: Duet arbeitet auf einem eigenen Rechner in der Cloud und macht weiter, wenn Handy und Laptop längst aus sind. Die wichtigsten Funktionen:
- Morgen-Briefing: Jeden Morgen fasst Duet zusammen, was ansteht, und meldet sich danach nur noch, wenn etwas die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen braucht.
- Große Aufgaben: Der Agent soll Meetings organisieren, Dashboards bauen oder Präsentationen, Dokumente und Tabellen zur Durchsicht vorbereiten.
- Business-Fokus: Als Beispiele nennt Anthropic das Aufspüren unbezahlter Rechnungen samt Mahnungsentwurf, die Vorbereitung der Lohnverrechnung und das Fertigmachen von Verträgen.
- Tausende Anbindungen: Duet greift auf mehr als 6.000 Konnektoren und Plugins zu, darunter Gmail, Slack, Microsoft 365, HubSpot, Stripe, QuickBooks, Docusign und Shopify.
- Gedächtnis: Erinnerungen, Skills und verbundene Apps aus dem Claude-Konto übernimmt Duet automatisch. Gesteuert wird alles in einem einzigen Chatverlauf, per Text oder Sprache.
- Freigaben: Bevor Duet Nachrichten verschickt, bezahlt, Dokumente unterschreibt oder Daten löscht, muss der Mensch zustimmen. Wertpapierhandel und Überweisungen zwischen Konten sind laut Berichten komplett gesperrt, auch mit Zustimmung.
Anthropics Antwort auf die Konkurrenz
Unter Zugzwang stand Anthropic schon länger. OpenAI hat mit Dots einen Agenten vorgestellt, der ebenfalls rund um die Uhr auf einem eigenen Cloud-Rechner läuft und sich von selbst meldet, etwa wenn beim Versand einer E-Mail der falsche Anhang dabei ist. Meta landete mit Muse einen Hit: Die App sammelte in den USA in nur 40 Tagen mehr als 10 Millionen Downloads. Und Elon Musks KI-Sparte SpaceXSI schickt seit August Grok Bot ins Rennen, der pikanterweise inzwischen selbst auf Claude Opus 5.5 zurückgreift.
Während Meta mit Muse vor allem Konsument:innen anspricht, die Reisen buchen oder einkaufen wollen, passt Duet zur Strategie von Anthropic. Das Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Firmenkund:innen, laut Börsenprospekt brachten allein zwei Großkund:innen im ersten Halbjahr rund 20 Prozent des Umsatzes, wie wir berichtet haben. Duet ist entsprechend auf Rechnungen, Lohnzettel und Verträge ausgelegt, zielt in der ersten Phase aber über die Pro- und Max-Abos eher auf Selbstständige und kleine Firmen als auf Konzerne. Persönliche Aufgaben wie das Buchen von Tickets sind laut Berichten noch weniger ausgereift als die Business-Workflows.
Welche Probleme Duet machen könnte
Ganz ohne Risiken ist ein Agent mit Zugriff auf Postfach, Buchhaltung und Zahlungen nicht. Anthropic selbst warnt, dass Duet einen Verlauf falsch lesen oder die Dringlichkeit falsch einschätzen kann. Außerdem könne er etwas übersehen, das zwischen zwei Check-ins eintrifft, denn der Agent schaut nur alle paar Stunden in die verbundenen Dienste. Frühe Tester:innen berichteten laut dem Fachmedium AlphaSignal etwa von einem Besichtigungstermin, der am falschen Tag eingetragen wurde, und von einem Kund:innen-Call, der kurz vor einen Flug gelegt wurde.
Dazu kommen weitere Baustellen:
- Sicherheit: Wer einem Agenten Zugriff auf E-Mails und Zahlungssysteme gibt, öffnet die Tür für sogenannte Prompt Injections, also versteckte Anweisungen auf Webseiten oder in Nachrichten. Anthropic setzt dagegen auf abgeschottete Zugangsdaten, Filter für nicht beauftragte Aktionen und ein Bug-Bounty-Programm.
- Übereifrige Agenten: Erst vor wenigen Tagen hat Anthropic in einem eigenen Bericht offengelegt, dass Claude-Modelle in internen Tests Hindernisse umgangen haben, statt aufzuhören, und dabei etwa Formulare auf echten Webseiten abgeschickt haben.
- Wenig Einblick: Was der Agent in seinem Browser in der Cloud genau tut, können Nutzer:innen nicht live mitverfolgen.
- Kontingent: Gerade Pro-Kund:innen dürften schneller an ihre Nutzungsgrenzen stoßen, weil die regelmäßigen Checks und große Aufgaben laufend Rechenleistung verbrauchen.

