Meta: Umsatz wächst um 26 Prozent, doch die KI-Milliarden fressen den Cashflow
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Das Werbegeschäft brummt, aber die KI-Rechnung wird immer größer: Meta hat im dritten Quartal 64,6 Milliarden Dollar (rund 57,6 Milliarden Euro) umgesetzt, 26 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als von Analyst:innen erwartet. Gleichzeitig hat der Facebook-Konzern 34,9 Milliarden Dollar (rund 31,1 Milliarden Euro) in Rechenzentren und Server gesteckt, so viel, dass am Ende ein negativer Free Cashflow übrig bleibt. Die Aktie legte nachbörslich trotzdem zeitweise mehr als 4 Prozent zu.
Die Zahlen im Überblick
Laut Quartalsbericht sieht das dritte Quartal so aus:
- Umsatz: 64,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 26 Prozent. Erwartet worden waren rund 63,3 Milliarden Dollar.
- Operativer Gewinn: 13 Milliarden Dollar, ein Minus von 37 Prozent. Die operative Marge halbierte sich von 40 auf 20 Prozent.
- Nettogewinn: 9,9 Milliarden Dollar (rund 8,8 Milliarden Euro), ein Plus von 264 Prozent. Der Sprung geht aber auf eine hohe Steuerbelastung im Vorjahresquartal zurück.
- Sonderkosten: 9,9 Milliarden Dollar für den Vergleich mit den US-Bundesstaaten im Streit um süchtig machende Plattformen. Ohne diese Belastung läge der operative Gewinn bei 22,9 Milliarden Dollar.
- Investitionen: 34,9 Milliarden Dollar, nach 19,4 Milliarden im Vorjahresquartal.
- Free Cashflow: minus 2,1 Milliarden Dollar, nach plus 10,6 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.
- Nutzer:innen: 3,64 Milliarden Menschen nutzten im September täglich mindestens eine App von Meta, 3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Getragen wird das Wachstum vom Werbegeschäft. Meta zeigte 10 Prozent mehr Anzeigen als im Vorjahr und verlangte im Schnitt 14 Prozent mehr pro Anzeige. Laut Management sorgt KI bereits für zusätzliche Werbeumsätze, weil Empfehlungen und Anzeigenausspielung besser werden.
Bis zu 145 Milliarden Dollar für KI
Bei den Investitionen gibt Meta weiter Vollgas. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern nun mit Ausgaben von 135 bis 145 Milliarden Dollar (rund 120 bis 129 Milliarden Euro), die Untergrenze wurde von 130 Milliarden angehoben. Eine konkrete Zahl für 2027 nannte Finanzchefin Susan Li noch nicht, die Planung sei noch früh. Man wolle aber weiterhin „aggressiv investieren“, sowohl ins Kerngeschäft als auch in neue KI-Projekte.
Das Geld fließt vor allem in Rechenleistung für Metas Superintelligence Labs und den KI-Agenten Muse. Der sammelte nach dem Start in den USA mehr als 10 Millionen Downloads in 40 Tagen. Laut Mark Zuckerberg haben in den USA und Kanada inzwischen mehr als 10 Millionen Menschen einen Muse-Agenten eingerichtet, rund ein Viertel davon nutzt ihn täglich. Muse sei allerdings „sehr rechenintensiv“, sagte Zuckerberg. Die Kosteneffizienz soll sich im kommenden Jahr aber mehr als verzehnfachen, und in den nächsten Jahren will Meta Kapazitäten für mehr als eine Milliarde Nutzer:innen aufbauen. Kurz vor den Zahlen hatte Meta zudem mit Muse Wonder sein erstes Spitzenmodell vorgestellt.
Geld verdienen will Meta mit Muse auf mehreren Wegen: Die Gratisversion soll über Provisionen von Händler:innen finanziert werden, dazu kommen Abos für stärkere Modelle und mehr Rechenkontingent sowie Angebote für Unternehmen. Zuckerberg sieht Meta auf dem Weg zu „persönlicher Superintelligenz für alle“.
Ein Rennen mit hohem Einsatz
Meta ist mit den Riesensummen nicht allein. Laut Fortune erwarten Analyst:innen, dass die großen Tech-Konzerne 2026 rund 790 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken, nach 404 Milliarden im Vorjahr, und 2027 sogar 1,2 Billionen Dollar. Anthropic etwa hat sich laut seinem Börsenprospekt Cloud-Kapazitäten über rund 450 Milliarden Dollar für das nächste Jahrzehnt gesichert.
Die Kehrseite zeigt sich in der Bilanz. Der negative Free Cashflow bedeutet, dass Meta die Investitionen aktuell nicht mehr vollständig aus dem laufenden Geschäft finanziert. Aktienrückkäufe gab es im dritten Quartal keine, nach 3,3 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Meta selbst räumt ein, dass sich manche KI-Investitionen erst über längere Zeiträume rechnen als das Kerngeschäft. Dazu kommen die juristischen Altlasten: Erst am Mittwoch wurde Meta in New Mexico wegen Cambridge Analytica zu einer Strafe von 25 Milliarden Dollar verurteilt, gegen die der Konzern in Berufung gehen will.
Neue Aktie ohne Stimmrecht
Für das vierte Quartal erwartet Meta einen Umsatz von 73 bis 76 Milliarden Dollar (rund 65 bis 68 Milliarden Euro). Die Verluste der VR- und Brillensparte Reality Labs, im dritten Quartal 4,1 Milliarden Dollar, sollen 2027 auf rund 15 Milliarden Dollar sinken, nach 18 bis 19 Milliarden in diesem Jahr.
Außerdem kündigte Meta eine neue Aktiengattung an: Ab Jänner sollen Aktionär:innen für jede bestehende Aktie eine zusätzliche Class-C-Aktie ohne Stimmrecht bekommen, die an der Nasdaq gelistet wird. Der Kurs der bisherigen Aktie dürfte sich dadurch wie bei einem Aktiensplit im Verhältnis zwei zu eins anpassen. An Zuckerbergs Kontrolle über den Konzern ändert das nichts.

