Googles Suche bringt erstmals weniger als die Hälfte des Umsatzes
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Die Suchmaschine ist bei Google nicht mehr das Hauptgeschäft. Alphabet hat am Mittwochabend seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Der Konzern setzte 127,6 Milliarden Dollar um, ein Plus von 25 Prozent. Erstmals stammt dabei weniger als die Hälfte davon aus „Google Search & other“: Die Suchsparte kommt auf 63,4 Milliarden Dollar und damit auf 49,7 Prozent. Der Rest, also gut 50 Prozent, kommt aus Cloud, YouTube, Abos, Hardware und dem Werbenetzwerk.
Die Cloud verdoppelt sich
Hauptgrund für die Verschiebung ist Google Cloud. Laut der Pressemitteilung von Alphabet wuchs die Sparte um 103 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar und steht damit für fast ein Viertel des Konzernumsatzes. Getrieben wird das von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur und KI-Lösungen für Unternehmen. Neu ist, dass Google seine selbst entwickelten KI-Chips (TPUs) als komplette Systeme an Kund:innen verkauft. Das habe „spürbar“ zum Wachstum beigetragen, so Alphabet. Laut Cloud-Chef Thomas Kurian nutzen inzwischen fast 100 Kund:innen TPUs.
Der Auftragsbestand der Cloud-Sparte liegt laut Earnings Call bei 561 Milliarden Dollar. Gut die Hälfte davon soll in den kommenden zwei Jahren zu Umsatz werden.
So verteilt sich der Umsatz im dritten Quartal:
| Sparte | Umsatz Q3 2026 | Wachstum | Anteil |
|---|---|---|---|
| Google Search & other | 63,4 Mrd. Dollar | +12 % | 49,7 % |
| Google Cloud | 30,7 Mrd. Dollar | +103 % | 24,1 % |
| Abos, Plattformen, Geräte | 14,3 Mrd. Dollar | +11 % | 11,2 % |
| YouTube-Werbung | 11,2 Mrd. Dollar | +9 % | 8,8 % |
| Google Network | 7,5 Mrd. Dollar | +1 % | 5,8 % |
| Other Bets und Hedging | 0,6 Mrd. Dollar | k. A. | 0,4 % |
| Gesamt | 127,6 Mrd. Dollar | +25 % | 100 % |
Ein Jahr zuvor lag der Anteil der Suche noch bei 55,3 Prozent, im zweiten Quartal 2026 bei 52,8 Prozent. Zu „Search & other“ zählt Google neben der klassischen Websuche auch Werbung in Gmail, Maps und im Play Store.
Die Suche wächst langsamer
Die Suche selbst legte zwar um 12 Prozent zu, das ist aber deutlich weniger als in den Quartalen davor (17 Prozent im zweiten, 19 Prozent im ersten Quartal). Gegenüber dem Vorquartal stagnierte der Suchumsatz praktisch. Laut Google-Manager Philipp Schindler lag das vor allem an Währungseffekten, an schwächeren Werbebudgets von Händler:innen aus dem asiatisch-pazifischen Raum und an einem starken Vorquartal mit der Fußball-WM.
Einen weiteren Grund nannte Schindler im Earnings Call ebenfalls: Der KI-Modus der Google-Suche wachse stark, bringe aber pro Anfrage weniger Werbegeld ein. Wie groß dieser Effekt ist, sagte er nicht. Gleichzeitig betont Google-CEO Sundar Pichai, dass die Zahl der Suchanfragen so stark wachse wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Gemini-App kommt laut Alphabet inzwischen auf eine Milliarde Nutzer:innen, die eigenen KI-Modelle verarbeiten fast 32 Milliarden Tokens pro Minute.
Wie Google mehr Geld aus der Suche holt
Der US-Unternehmer Max Anderson hat eine unbequemere Erklärung dafür, dass der Suchumsatz trotz KI-Konkurrenz überhaupt noch wächst. Er gibt nach eigenen Angaben seit Jahren mehr als 500.000 Dollar pro Monat für Google-Werbung aus. In einem viel geteilten Posting auf X schreibt er, das Wachstum der Suche sei künstlich und für Google langfristig ungesund. Weil klassische Suchanfragen zunehmend an KI-Chatbots ohne Werbung verloren gingen, hole sich Google das Geld mit kundenfeindlichen Methoden von den Werbetreibenden, so Anderson. Er nennt drei Beispiele:
- Auktion: Jahrzehntelang zahlte man bei Google nur einen Cent mehr als der nächstniedrigere Bieter (Zweitpreisauktion). Laut Anderson hat Google dieses Prinzip stillschweigend aufgegeben und verrechnet inzwischen so viel, wie Gebot und Budget hergeben.
- Keywords: Auch mit der strengsten Einstellung „Exact Match“ spiele Google Anzeigen bei tausenden unpassenden Suchbegriffen aus und verbuche sie als „Close Variant“. Abschalten lasse sich das nicht.
- Budgets: Kampagnen mit einem Tagesbudget von 1.000 Dollar hätten plötzlich mehr als 2.000 Dollar pro Tag ausgegeben, und zwar fast ausschließlich für wertlose Suchbegriffe. Rückerstattungen gebe es keine.
Anderson sieht darin das Verhalten eines Konzerns, dessen Kerngeschäft schrumpft und der seine Quartalszahlen aufhübschen muss, damit die Wall Street die enormen KI-Investitionen weiter finanziert. Für die KI opfere Google die Gans, die goldene Eier legt.
Ganz aus der Luft gegriffen sind die Vorwürfe nicht. Im US-Kartellverfahren gegen Google sagte der damalige Google-Ads-Chef Jerry Dischler 2023 aus, dass Google Auktionen und Mindestpreise angepasst habe, um Umsatzziele zu erreichen, im Schnitt um rund 5 Prozent und bei manchen Suchanfragen um bis zu 10 Prozent. Richter Amit Mehta kam 2024 zu dem Schluss, dass Google für Textanzeigen in der Suche überhöhte Preise verlangt. Und laut einer Analyse der Agentur Smarter Ecommerce wurden zuletzt rund 29 Prozent des Exact-Match-Volumens durch Googles KI-Funktion AI Max auf weitere Suchbegriffe ausgedehnt.
Widerspruch aus der Werbebranche
Der Werbeanalyst Eric Seufert hält dagegen. Jede Behauptung in Andersons Thread sei entweder falsch oder stelle Googles Richtlinien verzerrt dar, schreibt er auf X. Tatsächlich passt Andersons These von sinkenden Suchvolumina nicht zu Googles Angaben, wonach die Zahl der Suchanfragen so stark wächst wie seit fünf Jahren nicht mehr. Auch das doppelte Tagesbudget ist keine heimliche Neuerung: Google weist in seiner Hilfe seit Jahren darauf hin, dass Kampagnen an einzelnen Tagen bis zum Doppelten des durchschnittlichen Tagesbudgets ausgeben können. Über den Monat verrechnet Google laut eigenen Regeln höchstens das 30,4-Fache des Tagesbudgets, was darüber hinausgeht, wird gutgeschrieben.
Rekordumsatz, aber weniger Gewinn
An der Börse kamen die Zahlen nicht gut an. Die Aktie fiel nachbörslich um rund 10 Prozent. Der Nettogewinn sank auf 26,2 Milliarden Dollar, nach 35 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Das lag allerdings nicht am operativen Geschäft, denn das Betriebsergebnis stieg um 30 Prozent auf 40,6 Milliarden Dollar. Belastet haben Verluste aus Beteiligungen an anderen Unternehmen, ein Jahr zuvor hatten diese noch einen Milliardengewinn gebracht. Der Gewinn je Aktie lag mit 2,12 Dollar klar unter den Erwartungen der Analyst:innen.
Dazu kommen gewaltige Investitionen. Allein im dritten Quartal gab Alphabet 51,4 Milliarden Dollar für Rechenzentren, Server und Chips aus. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern 195 bis 205 Milliarden Dollar an, 2027 sollen die Ausgaben noch einmal deutlich steigen. Der freie Cashflow war mit minus 9,1 Milliarden Dollar das zweite Quartal in Folge negativ. Um das zu finanzieren, hat Alphabet im Quartal Anleihen über 28,7 Milliarden Dollar ausgegeben und neue Aktien verkauft. Big Tech steckt insgesamt Hunderte Milliarden Dollar in KI.
Die Konkurrenz in der Cloud
Auch die Konkurrenz profitiert vom KI-Boom. Microsoft meldete am selben Abend ein Wachstum seiner Cloud-Plattform Azure von 48 Prozent. Mit 103 Prozent wächst Google Cloud derzeit aber deutlich schneller, wenn auch von einer kleineren Basis. Marktführer im Cloud-Geschäft bleibt Amazon Web Services.
Das Geld kommt weiter aus der Suche
Ganz unabhängig von der Suche ist Google trotz der neuen Umsatzverteilung nicht. Beim Gewinn ist das Bild ein anderes: Die Sparte Google Services, zu der Suche, YouTube und Abos gehören, erwirtschaftete im Quartal ein Betriebsergebnis von 39,2 Milliarden Dollar. Google Cloud kam auf 11,1 Milliarden Dollar. Die Suche bleibt damit der wichtigste Geldbringer des Konzerns. Gleichzeitig zeigt die Zahl, dass die Cloud längst hochprofitabel ist, ihre operative Marge lag zuletzt bei 36 Prozent.

