Spotify macht Ernst bei Family-Abos: QR-Code-Check und 12 Monate Sperre
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Schluss mit der WG-Familie: Spotify geht gegen Nutzer:innen vor, die sich ein Family-Abo teilen, obwohl sie gar nicht zusammenwohnen. Wer die neue Prüfung nicht besteht, fliegt aus dem Abo und darf ein Jahr lang keinem anderen Family- oder Duo-Abo beitreten. Kürzlich hat der Streaming-Konzern bestätigt, dass er die Kontrollen verschärft, spricht aber lieber von einer routinemäßigen Verbesserung.
So funktioniert die Prüfung
Laut der Support-Seite von Spotify müssen Mitglieder eines Family-Abos bestätigen, dass sie mit der Person zusammenleben, die das Abo verwaltet. Das läuft auf zwei Wegen:
- Adresse: Mitglieder geben ihre vollständige Adresse an, und zwar beim Beitritt, wenn die verwaltende Person umzieht oder wenn Spotify die Adresse nicht bestätigen kann. Die Adresse muss in dem Land liegen, in dem die Zahlungsmethode ausgestellt wurde.
- QR-Code: In einigen Fällen verlangt Spotify zusätzlich einen Scan. Die verwaltende Person öffnet in der App einen QR-Code, das Mitglied scannt ihn mit dem eigenen Smartphone. Beide müssen dafür am selben Ort sein. Der Code erneuert sich laut Android Authority alle paar Sekunden, ein Screenshot reicht also nicht.
Für die Bestätigung haben Mitglieder sieben Tage Zeit. Klappt es nicht, landet das Konto in der kostenlosen Version mit Werbung. Zurück ins selbe Family-Abo geht es jederzeit, ein anderes Family- oder Duo-Abo ist aber für zwölf Monate gesperrt. Wer weiter Premium will, muss in dieser Zeit ein Einzelabo abschließen. Spotify betont auf der Support-Seite: „Wir verfolgen deinen Standort nicht.“
Warum Spotify das jetzt macht
Der Grund ist schnell gerechnet. In Österreich kostet Spotify Premium Family 20,99 Euro im Monat für bis zu sechs Konten, also rund 3,50 Euro pro Kopf. Ein Einzelabo kostet 12,99 Euro, das Duo-Abo 16,99 Euro. Wer Freund:innen oder ausgezogene Kinder im Family-Abo mitnimmt, spart viel Geld, und Spotify entgeht entsprechend Umsatz.
Co-CEO Alex Norström hat die Maßnahmen beim jüngsten Quartalscall heruntergespielt. Es sei wichtig, die Verifizierungsmethoden mit der Zeit zu verbessern, sagte er laut TechCrunch. Ein Enddatum gebe es nicht, die Kontrollen würden laufend weiterentwickelt. Konkrete Zahlen nannte Norström nicht, nur so viel: Family-Abos machen einen ziemlich bedeutenden Anteil der zahlenden Kund:innen aus. Insgesamt kam Spotify im dritten Quartal auf 306 Millionen Premium-Abonnent:innen, ein Plus von 9 Prozent im Jahresvergleich, und 788 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen.
Netflix hat es vorgemacht
Spotify ist nicht der erste Streamingdienst, der beim Teilen genauer hinschaut. Netflix hat 2023 mit Aufpreisen für Nutzer:innen außerhalb des Haushalts begonnen und danach einen starken Kundenzuwachs verbucht. Disney+ zog mit eigenen Maßnahmen gegen Account-Sharing nach. Bei der Musik konkurriert Spotify vor allem mit Apple Music, YouTube Music und Amazon Music, die ebenfalls Familienabos für mehrere Personen im selben Haushalt anbieten.
Ganz neu ist der Kurs auch bei Spotify nicht. Der Konzern testete schon 2018 Standortabfragen per GPS und schrieb 2019 regelmäßige Standortprüfungen in seine Nutzungsbedingungen. Nach Kritik am Datenschutz wurde das wieder entschärft.
Probleme für echte Familien
Der Haken an der Sache: Nicht jede Familie wohnt unter einem Dach. Studierende in einer anderen Stadt, Kinder getrennt lebender Eltern oder Partner:innen mit zwei Wohnsitzen können die Prüfung kaum bestehen, wenn sie gerade nicht vor Ort sind. Auf Reddit berichten Nutzer:innen laut Android Authority, dass die Aufforderung zum Scan vor allem dann kommt, wenn ein Mitglied nicht am selben Ort ist wie der Rest des Abos.
Gleichzeitig kursieren bereits Umgehungstricks. Manche Nutzer:innen teilen den Bildschirm per Videoanruf und scannen den QR-Code mit einem zweiten Gerät ab. Ob Spotify dagegen technisch nachschärft, ist offen.

