Lovable warb mit einer Website, die ein Designer von Hand baute
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Wer mit KI-gebauten Websites wirbt, sollte vorher prüfen, ob sie wirklich KI-gebaut sind.
Das schwedische Vibe-Coding-Startup Lovable hat in einer bezahlten Instagram-Anzeige die Website von Forge Automotive gezeigt und sie als Beispiel für das eigene Produkt präsentiert. Gebaut hat sie nach eigener Darstellung aber Joe Taylor, Designer bei der Agentur 12 Studio, die Forge Automotive als Kunden betreut. In einem LinkedIn-Post wirft er Lovable Irreführung vor. Lovable hat sich inzwischen öffentlich entschuldigt und die Anzeige überall eingestellt.
Lovable ist eine Plattform aus Stockholm, auf der man Websites, Apps und interne Tools per Textbeschreibung bauen lässt, ohne klassisch zu programmieren, im Branchenjargon Vibe Coding. CEO und Mitgründer ist Anton Osika, das Produkt startete im November 2024. Laut Unternehmen entstanden bereits mehr als 60 Millionen Projekte. In einer Series C sammelte Lovable 400 Millionen Dollar (rund 344 Millionen Euro) bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden Dollar (rund 11,4 Milliarden Euro) ein, angeführt von Menlo Ventures und dem Scaleup Europe Fund.
Was Joe Taylor vorwirft
Taylor schreibt, er habe weder Lovable noch einen anderen KI-Website-Builder verwendet. Das preisgekrönte Projekt sei von Hand entworfen, von Hand entwickelt und in zwei Monaten sorgfältiger Arbeit verfeinert worden. KI sei nur in zwei Bereichen im Spiel gewesen: Einige Bilder entstanden mit dem Tool ImagineArt, und für Qualitätssicherung sowie Performance-Optimierung habe er Claude genutzt. Jede Interaktion, jede Animation, jede Designentscheidung und jede Zeile Code stamme von ihm.
Er sei nicht gegen KI und setze selbst Tools ein, wo sie Mehrwert bringen. Es mache aber einen großen Unterschied, ob KI den kreativen Prozess unterstütze oder ob ein Unternehmen fälschlich behaupte, ein fremdes Werk sei mit seinem Produkt entstanden. Das sei Irreführung. Unabhängige Designer:innen und Entwickler:innen investierten Jahre in ihr Handwerk, ihre Arbeit sei kein kostenloses Marketingmaterial.
Taylor forderte von Lovable eine Erklärung und die Entfernung der Anzeigen. Außerdem wollte er wissen, wie so etwas intern überhaupt freigegeben werden kann. Zugleich suchte er in seinem Netzwerk nach einer auf Urheberrecht und unerlaubte kommerzielle Nutzung spezialisierten Kanzlei.
Die Anzeige lief auf dem Instagram-Account von Lovable und ist als Werbung gekennzeichnet. Sie zeigt einen Laptop, auf dem die Website von Forge Automotive läuft, einem Studio für individuelle Fahrzeugumbauten und Styling.
Wer Joe Taylor ist
Joe Ben Taylor ist laut seinem Dribbble-Profil Designer und Entwickler und arbeitet als Designer bei 12 Studio. Er beschreibt sich selbst als Logo-Liebhaber, Problemlöser und Schlagzeuger und will mit seiner Arbeit Stil und Logik verbinden. Die Forge-Website führt er dort als eigenes Projekt, getaggt unter anderem mit Animation und Parallax. Daneben zeigt sein Profil Markenauftritte und Websites, etwa für Pocketchange. Für 12 Studio ist Forge Automotive ein Kunde.
Lovable entschuldigt sich und stoppt die Anzeige
Lovable hat in einem öffentlichen Kommentar unter Taylors Post reagiert: „Hi Joe, es tut uns sehr leid, dass das passiert ist. Wir haben diese Anzeige überall eingestellt und untersuchen, wie es dazu kommen konnte.“ Taylor solle sich per Mail bei Lovables Support melden, damit das Unternehmen ihn über den Stand auf dem Laufenden halten kann.
Wie die Anzeige freigegeben wurde und ob es eine Einigung mit Taylor oder seiner Agentur gibt, ist bisher offen. Lovable spricht in seiner Antwort von einer laufenden Untersuchung, nennt aber keine Details.
Kreative werfen KI-Firmen Diebstahl vor
Der Fall reiht sich in einen größeren Streit ein: Kreative werfen KI-Unternehmen seit Langem vor, ihre Werke ohne Erlaubnis und ohne Bezahlung für das Training von KI-Modellen zu nutzen. Anfang des Jahres startete eine Allianz aus rund 800 Künstler:innen, Autor:innen, Schauspieler:innen und Musiker:innen die Kampagne „Stealing Isn’t Innovation“ und sprach von Diebstahl im großen Stil. Die Unterzeichner:innen fordern Lizenzvereinbarungen und das Recht, die Nutzung ihrer Werke für generative KI zu untersagen.
Der Fall Taylor liefert dazu ein konkretes Beispiel, wie wenig sich ein KI-Unternehmen um Urheberschaft kümmern kann: Eine bezahlte Anzeige machte das Werk eines Menschen zum Aushängeschild für ein KI-Produkt, nach Taylors Darstellung ohne sein Wissen. Hier geht es zwar um Werbung statt um Trainingsdaten, doch das Muster ist dasselbe.

