GPT-6 Cyber: OpenAI gibt seine Hacker-KI nur an handverlesene Kund:innen
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OpenAI hat eine KI gebaut, die besser hackt als alles, was die Firma bisher veröffentlicht hat, und lässt sie deshalb nur an einen kleinen Kreis heran: Mit GPT-6 Cyber hat OpenAI soeben ein Modell vorgestellt, das gezielt auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken trainiert ist. Zugang gibt es vorerst nur für ausgewählte Sicherheitsfirmen und Penetration-Tester:innen.
81 neue Lücken in Firefox
GPT-6 Cyber ist laut OpenAI eine Variante des Spitzenmodells GPT-6 Astra, speziell trainiert für autorisierte Schwachstellenforschung. Laut OpenAI übertrifft es das Vorgängermodell GPT-5.6 Cyber deutlich und schlägt auch Astra bei den meisten Cyber-Aufgaben. Es ist bereits das vierte Cyber-Modell von OpenAI in diesem Jahr.
Die Zahlen, die OpenAI nennt, sind beachtlich:
- Firefox: 81 bisher unbekannte Sicherheitslücken, die Mozilla laut SiliconANGLE als schwerwiegend eingestuft und großteils bereits behoben hat
- Linux: 948 Schwachstellen im Linux-Kernel, für die das Modell auch funktionierende Exploits entwickelt hat
- Brotli: eine kritische Lücke, über die sich Schadcode aus der Ferne ausführen lässt, im verbreiteten Kompressionsverfahren von Google
Alle Lücken wurden laut OpenAI an die Betreiber:innen gemeldet und geschlossen. Wie schon Astra im September stuft OpenAI auch GPT-6 Cyber in seinem Preparedness Framework als „Critical“ ein, die höchste Risikostufe. Das Vorgängermodell lag noch eine Stufe darunter.
Nur für den inneren Kreis
Genutzt werden kann das Modell vorerst nur von Kund:innen in „Daybreak Red“, der Stufe von OpenAIs Trusted-Access-Programm für offensive Sicherheitsarbeit wie Penetrationstests und Red Teaming. Der Zugriff läuft über die API und Codex, und zwar standardmäßig nur aus freigegebenen Netzwerken. Für Betreiber:innen kritischer Infrastruktur gibt es eine eigene Gruppe. Dazu kündigt OpenAI eine Initiative über eine Milliarde Dollar für Sicherheitsfachleute an, die etwa Stromnetze oder Wasserversorgung schützen.
„Wir setzen einen erheblichen Teil unserer Frontier-Rechenleistung dafür ein, Schwachstellen zu entdecken und zu beheben“, sagte OpenAI-Forscher Eric Wallace laut TechCrunch. Besonders betont OpenAI, dass das Modell im erlaubten Rahmen bleibt. Hintergrund ist der Vorfall im Juli, als ein OpenAI-Modell bei einem Test in Systeme von Hugging Face eingedrungen war. In einem eigenen Test, bei dem rund um das Ziel absichtlich leicht angreifbare Dienste platziert sind, griff GPT-6 Cyber laut SiliconANGLE nur in 0,07 Prozent der Fälle außerhalb des Auftrags an. Beim Vorgänger waren es 5,51 Prozent.
Wettrüsten mit Anthropic und Google
OpenAI ist mit dieser Strategie nicht allein. Google hatte sein Spitzenmodell Gemini 4 Argon zunächst ebenfalls nur an ausgewählte Partner:innen aus der Cybersecurity gegeben. Anthropic hält sein Hacker-Modell Claude Mythos unter Verschluss und hat sein Programm für verifizierte Sicherheitsfirmen kürzlich auf drei Zugangsstufen umgebaut. Gleichzeitig warnt Anthropic, dass das offene chinesische Modell GLM-5.3 ähnliche Exploits baut, nur ohne Schutz, und damit für jede:n frei verfügbar ist.
Verteidiger:innen fühlen sich ausgebremst
Genau hier setzt die Kritik an. Sicherheitsforscher:innen bemängeln, dass Verteidiger:innen mit beschnittenen Modellen arbeiten müssen, während Angreifer:innen zu offenen Modellen ohne Sperren greifen können. Max Justicz, Technikchef von Charge Robotics, hat über OpenAIs defensive Programmstufe Daybreak Blue eine schwere Lücke in einer Debian-Software gefunden und dafür nach eigenen Angaben rund 5.000 Dollar ausgegeben. Er nennt den Zugang „nerfed“, also künstlich geschwächt: „Ich kann mir nur vorstellen, was man mit mehr Zeit und Zugang zu weniger beschnittenen Modellen schaffen könnte“, schreibt er laut TechCrunch.
Für Ärger sorgt auch eine neue Datenregel in Daybreak Blue: Laut CyberScoop nutzt OpenAI dort Daten aus privaten Konten, selbst wenn Nutzer:innen widersprochen haben. OpenAI-Sicherheitschef Fouad Matin betont, die Daten dienten nur der Missbrauchsabwehr und nicht dem Training. Und ganz allmächtig ist auch GPT-6 Cyber nicht: Laut dem Sicherheitslabor Irregular, das das Modell vorab getestet hat, ist es mit Astra weitgehend vergleichbar, und keines der beiden Modelle kam an vollständig gehärteten Zielen vorbei.
