KI-Blutbad: Chip-Aktien verlieren an einem Tag 1,3 Billionen Euro
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Ein einziger Handelstag, und die Chipbranche ist um 1,3 Billionen Euro ärmer: Am Donnerstag, zwei Tage nach dem Wahlsieg der US-Demokraten, haben die 16 größten an US-Börsen gehandelten Halbleiterkonzerne zusammen rund 1,30 Billionen Euro an Börsenwert verloren. Allein Nvidia büßte rund 402 Milliarden Euro ein, fast so viel wie Tesla und SpaceX seit dem Wahltag zusammen. Wir haben nachgerechnet, wen der Ausverkauf wie hart getroffen hat: Chips, Neoclouds und KI-Software.
Die Methode
Grundlage sind die Schlusskurse vom Donnerstag und die Börsenwerte laut CompaniesMarketCap. Aus dem Börsenwert nach Handelsschluss und dem Tagesverlust in Prozent haben wir den Wert am Vortag und damit den Verlust in Euro berechnet (Kurs 1 Euro = 1,113 Dollar). Berücksichtigt sind nur Aktien, die in den USA gehandelt werden, weil asiatische und europäische Börsen zum Zeitpunkt der Auswertung bereits den Freitag handelten.
Chips: 1,3 Billionen Euro weg
Am härtesten traf es die Halbleiter. Im Schnitt verloren die 16 Konzerne gewichtet 11,3 Prozent an einem Tag, Speicherchip-Hersteller und Ausrüster deutlich mehr:
| Unternehmen | Minus am Donnerstag | Verlust | Börsenwert danach |
|---|---|---|---|
| Nvidia | 9,3 % | 402,1 Mrd. € | 3.940 Mrd. € |
| TSMC | 10,8 % | 198,8 Mrd. € | 1.645 Mrd. € |
| Broadcom | 10,4 % | 145,5 Mrd. € | 1.250 Mrd. € |
| Micron | 17,5 % | 141,2 Mrd. € | 667 Mrd. € |
| AMD | 17,3 % | 124,3 Mrd. € | 596 Mrd. € |
| ASML | 9,3 % | 48,3 Mrd. € | 470 Mrd. € |
| Lam Research | 16,4 % | 40,7 Mrd. € | 208 Mrd. € |
| Applied Materials | 13,6 % | 35,8 Mrd. € | 228 Mrd. € |
| Intel | 10,3 % | 28,7 Mrd. € | 250 Mrd. € |
| Texas Instruments | 10,7 % | 27,4 Mrd. € | 228 Mrd. € |
| Arm | 13,1 % | 24,1 Mrd. € | 160 Mrd. € |
| KLA | 13,3 % | 23,4 Mrd. € | 152 Mrd. € |
| Marvell | 16,4 % | 21,2 Mrd. € | 108 Mrd. € |
| Analog Devices | 11,1 % | 19,7 Mrd. € | 157 Mrd. € |
| Qualcomm | 9,5 % | 15,8 Mrd. € | 150 Mrd. € |
| Astera Labs | 19,6 % | 6,9 Mrd. € | 28 Mrd. € |
| Summe | 11,3 % | 1.303,8 Mrd. € |
Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung
Besonders auffällig ist der Absturz bei Speicherchips und Fertigungsanlagen. Micron, AMD, Lam Research und Marvell verloren jeweils mehr als 16 Prozent. Sie hängen am stärksten an neuen Rechenzentren, deren Bau der neue Kongress und mehrere Bundesstaaten bremsen wollen. Laut einer Analyse von Data Center Watch wollen 78 Prozent der neu gewählten Abgeordneten Rechenzentren regulieren oder beschränken.
Neoclouds: kleine Summen, große Prozente
In absoluten Zahlen spielen die Neoclouds, also die auf KI spezialisierten Cloud-Anbieter, eine kleine Rolle. Prozentuell traf es sie aber am härtesten, im Schnitt mit fast 13 Prozent:
| Unternehmen | Minus am Donnerstag | Verlust | Börsenwert danach |
|---|---|---|---|
| Nebius | 14,9 % | 4,8 Mrd. € | 27,5 Mrd. € |
| CoreWeave | 9,8 % | 2,4 Mrd. € | 21,6 Mrd. € |
| IREN | 17,0 % | 1,3 Mrd. € | 6,6 Mrd. € |
| TeraWulf | 13,9 % | 0,7 Mrd. € | 4,5 Mrd. € |
| Core Scientific | 10,8 % | 0,4 Mrd. € | 3,3 Mrd. € |
| Cipher Mining | 14,6 % | 0,4 Mrd. € | 2,3 Mrd. € |
| Hut 8 | 6,1 % | 0,3 Mrd. € | 5,0 Mrd. € |
| Summe | 12,8 % | 10,4 Mrd. € |
Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung
Für die Neoclouds ist der Donnerstag nur der jüngste Schlag. Bereits vor der Wahl hatten CoreWeave, Nebius und IREN binnen eines Monats bis zu 40 Prozent verloren. Viele der Firmen sind hoch verschuldet und hängen davon ab, dass in Texas und anderswo neue Rechenzentren ans Netz gehen.
KI-Software: Glimpflicher davongekommen
Deutlich besser hielten sich die Software-Konzerne. Zusammen verloren die 16 Unternehmen mit Verlusten rund 341 Milliarden Euro, prozentuell aber meist nur im niedrigen einstelligen Bereich. Ausnahme ist Palantir mit fast 10 Prozent Minus:
| Unternehmen | Minus am Donnerstag | Verlust | Börsenwert danach |
|---|---|---|---|
| Microsoft | 3,6 % | 132,7 Mrd. € | 3.575 Mrd. € |
| Alphabet | 1,9 % | 61,6 Mrd. € | 3.111 Mrd. € |
| Meta | 4,0 % | 57,3 Mrd. € | 1.390 Mrd. € |
| Palantir | 9,7 % | 36,2 Mrd. € | 336 Mrd. € |
| Oracle | 6,9 % | 24,0 Mrd. € | 323 Mrd. € |
| Snowflake | 7,3 % | 6,7 Mrd. € | 85 Mrd. € |
| IBM | 2,8 % | 6,1 Mrd. € | 210 Mrd. € |
| ServiceNow | 5,9 % | 6,0 Mrd. € | 95 Mrd. € |
| Datadog | 7,5 % | 4,6 Mrd. € | 56 Mrd. € |
| Salesforce | 2,1 % | 3,5 Mrd. € | 164 Mrd. € |
| Dynatrace | 6,6 % | 0,8 Mrd. € | 11 Mrd. € |
| Adobe | 0,8 % | 0,7 Mrd. € | 86 Mrd. € |
| SentinelOne | 8,8 % | 0,7 Mrd. € | 6,7 Mrd. € |
| UiPath | 3,7 % | 0,2 Mrd. € | 6,1 Mrd. € |
| C3 AI | 4,9 % | 0,1 Mrd. € | 1,6 Mrd. € |
| SoundHound | 1,4 % | 0,02 Mrd. € | 1,7 Mrd. € |
| AppLovin | plus 31,0 % | plus 25,4 Mrd. € | 107 Mrd. € |
| Summe ohne AppLovin | 3,4 % | 341,2 Mrd. € |
Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung
Der einzige große Gewinner ist AppLovin. Die Aktie des Werbetechnik-Konzerns sprang nach starken Quartalszahlen um 31 Prozent. Auch die großen Plattformen Microsoft, Alphabet und Meta kamen mit 2 bis 4 Prozent Minus vergleichsweise glimpflich davon, obwohl sie wegen ihres schieren Gewichts in absoluten Zahlen viel verloren.
Warum Software besser wegkommt
Das Muster ist eindeutig: Je näher ein Unternehmen am Bau von Rechenzentren ist, desto härter wurde es abgestraft. Die Börse rechnet offenbar damit, dass Moratorien in Texas, Georgia und Ohio sowie strengere Regeln im Kongress den Ausbau bremsen und damit die Nachfrage nach Chips und Rechenleistung dämpfen. Laut Goldman Sachs könnten kurzfristige Baustopps rund 45 Prozent des geplanten Ausbaus in den USA betreffen. Bei den großen Plattformen sehen Anleger:innen dagegen auch einen Vorteil. Am Mittwoch, dem ersten Handelstag nach der Wahl, waren Microsoft, Amazon und Apple sogar noch kräftig gestiegen, weil Händler:innen laut Bloomberg darauf setzten, dass die Demokrat:innen die teuren KI-Investitionen der Tech-Riesen bremsen.
Ein Tag ist noch kein Trend
Ob aus dem Ausverkauf ein längerer Abschwung wird, ist offen. Die Rotation raus aus KI-Aktien hatte schon vor der Wahl begonnen, die Wahl lieferte den Anlass, Gewinne mitzunehmen. Laut Apollo-Chefökonom Torsten Slok wachsen die Gewinne der S&P-500-Firmen weiter kräftig, und ein Gesetz gegen Rechenzentren müsste erst beide Kammern des Kongresses und Donald Trumps Veto überstehen. Die nächsten Signale kommen mit dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag und den Inflationsdaten am Dienstag. Zudem bilden die Zahlen nur einen einzigen Handelstag ab.

