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KI-Blutbad: Chip-Aktien verlieren an einem Tag 1,3 Billionen Euro

Close-up of a red and black circuit board
Chip stocks lost trillions in market value in a single day. © Michael Dziedzic / Unsplash

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Ein einziger Handelstag, und die Chipbranche ist um 1,3 Billionen Euro ärmer: Am Donnerstag, zwei Tage nach dem Wahlsieg der US-Demokraten, haben die 16 größten an US-Börsen gehandelten Halbleiterkonzerne zusammen rund 1,30 Billionen Euro an Börsenwert verloren. Allein Nvidia büßte rund 402 Milliarden Euro ein, fast so viel wie Tesla und SpaceX seit dem Wahltag zusammen. Wir haben nachgerechnet, wen der Ausverkauf wie hart getroffen hat: Chips, Neoclouds und KI-Software.

Die Methode

Grundlage sind die Schlusskurse vom Donnerstag und die Börsenwerte laut CompaniesMarketCap. Aus dem Börsenwert nach Handelsschluss und dem Tagesverlust in Prozent haben wir den Wert am Vortag und damit den Verlust in Euro berechnet (Kurs 1 Euro = 1,113 Dollar). Berücksichtigt sind nur Aktien, die in den USA gehandelt werden, weil asiatische und europäische Börsen zum Zeitpunkt der Auswertung bereits den Freitag handelten.

Chips: 1,3 Billionen Euro weg

Am härtesten traf es die Halbleiter. Im Schnitt verloren die 16 Konzerne gewichtet 11,3 Prozent an einem Tag, Speicherchip-Hersteller und Ausrüster deutlich mehr:

Unternehmen Minus am Donnerstag Verlust Börsenwert danach
Nvidia 9,3 % 402,1 Mrd. € 3.940 Mrd. €
TSMC 10,8 % 198,8 Mrd. € 1.645 Mrd. €
Broadcom 10,4 % 145,5 Mrd. € 1.250 Mrd. €
Micron 17,5 % 141,2 Mrd. € 667 Mrd. €
AMD 17,3 % 124,3 Mrd. € 596 Mrd. €
ASML 9,3 % 48,3 Mrd. € 470 Mrd. €
Lam Research 16,4 % 40,7 Mrd. € 208 Mrd. €
Applied Materials 13,6 % 35,8 Mrd. € 228 Mrd. €
Intel 10,3 % 28,7 Mrd. € 250 Mrd. €
Texas Instruments 10,7 % 27,4 Mrd. € 228 Mrd. €
Arm 13,1 % 24,1 Mrd. € 160 Mrd. €
KLA 13,3 % 23,4 Mrd. € 152 Mrd. €
Marvell 16,4 % 21,2 Mrd. € 108 Mrd. €
Analog Devices 11,1 % 19,7 Mrd. € 157 Mrd. €
Qualcomm 9,5 % 15,8 Mrd. € 150 Mrd. €
Astera Labs 19,6 % 6,9 Mrd. € 28 Mrd. €
Summe 11,3 % 1.303,8 Mrd. €

Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung

Besonders auffällig ist der Absturz bei Speicherchips und Fertigungsanlagen. Micron, AMD, Lam Research und Marvell verloren jeweils mehr als 16 Prozent. Sie hängen am stärksten an neuen Rechenzentren, deren Bau der neue Kongress und mehrere Bundesstaaten bremsen wollen. Laut einer Analyse von Data Center Watch wollen 78 Prozent der neu gewählten Abgeordneten Rechenzentren regulieren oder beschränken.

Neoclouds: kleine Summen, große Prozente

In absoluten Zahlen spielen die Neoclouds, also die auf KI spezialisierten Cloud-Anbieter, eine kleine Rolle. Prozentuell traf es sie aber am härtesten, im Schnitt mit fast 13 Prozent:

Unternehmen Minus am Donnerstag Verlust Börsenwert danach
Nebius 14,9 % 4,8 Mrd. € 27,5 Mrd. €
CoreWeave 9,8 % 2,4 Mrd. € 21,6 Mrd. €
IREN 17,0 % 1,3 Mrd. € 6,6 Mrd. €
TeraWulf 13,9 % 0,7 Mrd. € 4,5 Mrd. €
Core Scientific 10,8 % 0,4 Mrd. € 3,3 Mrd. €
Cipher Mining 14,6 % 0,4 Mrd. € 2,3 Mrd. €
Hut 8 6,1 % 0,3 Mrd. € 5,0 Mrd. €
Summe 12,8 % 10,4 Mrd. €

Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung

Für die Neoclouds ist der Donnerstag nur der jüngste Schlag. Bereits vor der Wahl hatten CoreWeave, Nebius und IREN binnen eines Monats bis zu 40 Prozent verloren. Viele der Firmen sind hoch verschuldet und hängen davon ab, dass in Texas und anderswo neue Rechenzentren ans Netz gehen.

KI-Software: Glimpflicher davongekommen

Deutlich besser hielten sich die Software-Konzerne. Zusammen verloren die 16 Unternehmen mit Verlusten rund 341 Milliarden Euro, prozentuell aber meist nur im niedrigen einstelligen Bereich. Ausnahme ist Palantir mit fast 10 Prozent Minus:

Unternehmen Minus am Donnerstag Verlust Börsenwert danach
Microsoft 3,6 % 132,7 Mrd. € 3.575 Mrd. €
Alphabet 1,9 % 61,6 Mrd. € 3.111 Mrd. €
Meta 4,0 % 57,3 Mrd. € 1.390 Mrd. €
Palantir 9,7 % 36,2 Mrd. € 336 Mrd. €
Oracle 6,9 % 24,0 Mrd. € 323 Mrd. €
Snowflake 7,3 % 6,7 Mrd. € 85 Mrd. €
IBM 2,8 % 6,1 Mrd. € 210 Mrd. €
ServiceNow 5,9 % 6,0 Mrd. € 95 Mrd. €
Datadog 7,5 % 4,6 Mrd. € 56 Mrd. €
Salesforce 2,1 % 3,5 Mrd. € 164 Mrd. €
Dynatrace 6,6 % 0,8 Mrd. € 11 Mrd. €
Adobe 0,8 % 0,7 Mrd. € 86 Mrd. €
SentinelOne 8,8 % 0,7 Mrd. € 6,7 Mrd. €
UiPath 3,7 % 0,2 Mrd. € 6,1 Mrd. €
C3 AI 4,9 % 0,1 Mrd. € 1,6 Mrd. €
SoundHound 1,4 % 0,02 Mrd. € 1,7 Mrd. €
AppLovin plus 31,0 % plus 25,4 Mrd. € 107 Mrd. €
Summe ohne AppLovin 3,4 % 341,2 Mrd. €

Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung

Der einzige große Gewinner ist AppLovin. Die Aktie des Werbetechnik-Konzerns sprang nach starken Quartalszahlen um 31 Prozent. Auch die großen Plattformen Microsoft, Alphabet und Meta kamen mit 2 bis 4 Prozent Minus vergleichsweise glimpflich davon, obwohl sie wegen ihres schieren Gewichts in absoluten Zahlen viel verloren.

Warum Software besser wegkommt

Das Muster ist eindeutig: Je näher ein Unternehmen am Bau von Rechenzentren ist, desto härter wurde es abgestraft. Die Börse rechnet offenbar damit, dass Moratorien in Texas, Georgia und Ohio sowie strengere Regeln im Kongress den Ausbau bremsen und damit die Nachfrage nach Chips und Rechenleistung dämpfen. Laut Goldman Sachs könnten kurzfristige Baustopps rund 45 Prozent des geplanten Ausbaus in den USA betreffen. Bei den großen Plattformen sehen Anleger:innen dagegen auch einen Vorteil. Am Mittwoch, dem ersten Handelstag nach der Wahl, waren Microsoft, Amazon und Apple sogar noch kräftig gestiegen, weil Händler:innen laut Bloomberg darauf setzten, dass die Demokrat:innen die teuren KI-Investitionen der Tech-Riesen bremsen.

Ein Tag ist noch kein Trend

Ob aus dem Ausverkauf ein längerer Abschwung wird, ist offen. Die Rotation raus aus KI-Aktien hatte schon vor der Wahl begonnen, die Wahl lieferte den Anlass, Gewinne mitzunehmen. Laut Apollo-Chefökonom Torsten Slok wachsen die Gewinne der S&P-500-Firmen weiter kräftig, und ein Gesetz gegen Rechenzentren müsste erst beide Kammern des Kongresses und Donald Trumps Veto überstehen. Die nächsten Signale kommen mit dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag und den Inflationsdaten am Dienstag. Zudem bilden die Zahlen nur einen einzigen Handelstag ab.

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