Marvell kauft Lumentum um 115 Milliarden Dollar, plus 9 weitere M&A-Deals der Woche
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Marvell übernimmt Lumentum, den Hersteller der Laser und optischen Komponenten, die Daten zwischen KI-Chips transportieren, in einem reinen Aktiendeal mit einem Unternehmenswert von rund 115 Milliarden Dollar (rund 102 Milliarden Euro), einer der größten Transaktionen der Tech-Geschichte. Lumentum-Aktionär:innen erhalten für jede Aktie 4,5 Marvell-Aktien und halten damit rund ein Drittel des fusionierten Unternehmens. Das Angebot bewertet Lumentum mit rund 1.132 Dollar je Aktie, ein Aufschlag von 23,9 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs.
Der Deal bringt zwei Nvidia-Zulieferer zusammen, in die Nvidia heuer jeweils 2 Milliarden Dollar investiert hat, und positioniert Marvell gegen Broadcom bei der Vernetzung von KI-Rechenzentren. Marvell erwartet jährliche Einsparungen von mehr als 1 Milliarde Dollar. Beide Aktien fielen nach der Ankündigung deutlich, der Abschluss wird im ersten Halbjahr 2028 erwartet.
Salesforce übernimmt Cresta um kolportierte 2,7 Milliarden Dollar
Salesforce übernimmt Cresta, ein KI-Unternehmen für Contact Center, das Sprachagenten für den Kundenservice baut, um kolportierte rund 2,7 Milliarden Dollar (rund 2,4 Milliarden Euro). Salesforce will Crestas Sprachagenten mit Agentforce und Service Cloud kombinieren und den digitalen Support damit auf Telefonanrufe ausweiten.
Cresta wurde 2017 aus dem KI-Labor der Stanford University heraus gegründet und wird von Andreessen Horowitz, Sequoia und Greylock unterstützt. Der Preis entspricht rund dem 1,7-Fachen der zuletzt bekannten Bewertung von 1,6 Milliarden Dollar. Es ist der jüngste Customer-Experience-Deal von Salesforce in diesem Jahr, nach Fin (rund 3,6 Milliarden Dollar) und Braze (rund 5,66 Milliarden Dollar). Der Abschluss wird im ersten Quartal des Salesforce-Geschäftsjahres 2028 erwartet.
CrowdStrike kauft Fiddler und Dreadnode für die Sicherheit von KI-Agenten
CrowdStrike übernimmt zwei KI-Security-Startups: Fiddler AI überwacht und erklärt, was KI-Agenten im Betrieb tun, Dreadnode testet KI-Modelle, Anwendungen und Agenten vor dem Einsatz gegen mehr als 100 Angriffsstrategien. Beide werden in die Falcon-Plattform integriert und decken damit den Lebenszyklus von Agenten ab, vom Test vor dem Start bis zur Überwachung im Betrieb.
Laut Wall Street Journal liegt der Gesamtpreis bei 495 Millionen Dollar (rund 440 Millionen Euro), rund 400 Millionen für Fiddler und 95 Millionen für Dreadnode, großteils in bar. Fiddler wäre damit rund das Vierfache der insgesamt eingesammelten 100 Millionen Dollar wert. CrowdStrike nannte keine Konditionen und erwartet den Abschluss beider Deals im vierten Quartal seines Geschäftsjahres 2027.
Dropbox kauft Tigris Data um 350 Millionen Dollar für KI-Infrastruktur
Dropbox übernimmt Tigris Data, eine global verteilte Objektspeicher-Plattform für KI-Workloads, um rund 350 Millionen Dollar (rund 311 Millionen Euro) in bar. Tigris wurde von ehemaligen Uber-Ingenieur:innen gegründet und ermöglicht Entwickler:innen, Daten über verschiedene Clouds hinweg zu speichern und abzurufen, ohne an einen Anbieter gebunden zu sein.
Parallel dazu hat Dropbox DBX Agent Cloud gestartet, ein neues Speicher- und Infrastrukturgeschäft für Unternehmen, die KI-Anwendungen und Agenten bauen, beginnend mit S3-kompatiblem Objektspeicher. Der Kaufpreis entspricht rund dem 14-Fachen der Series A über 25 Millionen Dollar, die Tigris im Oktober 2025 eingesammelt hatte. Der Abschluss wird im vierten Quartal 2026 erwartet.
Bilt kauft Sport-Tech-Firma Lava um 300 Millionen Dollar
Bilt, die Plattform für Mietprämien und lokalen Handel, übernimmt Lava um 300 Millionen Dollar (rund 267 Millionen Euro). Lava betreibt Echtzeit-Technologie für Treueprogramme, Mitgliedschaften und Kund:innenerlebnis für Sport- und Unterhaltungsorganisationen und arbeitet mit 56 Profiklubs zusammen, darunter die Detroit Lions und die Denver Nuggets. Mitgegründet wurde Lava von Vivek Ranadivé, dem Eigentümer der Sacramento Kings.
Bilt will seine KI-Agenten mit Lavas Echtzeit-Technologie verbinden und Sportfans mit seinem Netzwerk aus rund 7 Millionen Mitgliedern und 50.000 Händler:innen zusammenbringen. Der Deal folgt auf die Übernahme von Sion um 30 Millionen Dollar im März. Bilt wurde in seiner letzten privaten Finanzierungsrunde mit 10,8 Milliarden Dollar bewertet.
Meta übernimmt KI-Coding-Startup Conductor
Meta hat Conductor übernommen, ein KI-Coding-Startup, mit dem Softwareentwickler:innen Teams von Agenten in parallelen Arbeitsbereichen einsetzen können, wobei jeder Agent an einem anderen Teil eines Projekts arbeitet. Conductor hat sein Kernprodukt im vergangenen Sommer gestartet und nutzt Agenten von Laboren wie Anthropic und OpenAI statt eigener Modelle.
Gründer und CEO Charlie Holtz sagte, das Team werde mit Metas Superintelligence Labs zusammenarbeiten, und kündigte bis Anfang nächsten Jahres etwas Neues für Nutzer:innen an. Der Deal ergänzt Metas Vorstoß ins KI-Coding, nachdem das Unternehmen im August seinen eigenen Agenten Muse Code gestartet hatte. Konditionen wurden nicht genannt.
SpaceX prüft Übernahme von Boost Mobile für den US-Mobilfunk
SpaceX verhandelt laut Washington Post mit EchoStar über den Kauf von Boost Mobile oder den Zugang zu dessen Netz, um Starlink Mobile zu starten, einen hybriden Mobilfunkdienst aus Satelliten und Funkmasten. Elon Musk soll sich im Oktober mit EchoStar-Chairman Charlie Ergen getroffen haben, ein Deal ist bisher nicht angekündigt.
SpaceX hatte EchoStar im Vorjahr Mobilfunkfrequenzen um rund 17 Milliarden Dollar abgekauft. Boost besitzt keine eigenen Masten und mietet Kapazität bei AT&T und T-Mobile, die einer Übertragung daher womöglich zustimmen müssten. Beide sollen, ebenso wie Verizon, Musks Anfragen nach Netzzugang abgelehnt haben. EchoStar zählte Ende des zweiten Quartals 7,38 Millionen Mobilfunkkund:innen bei Boost und Gen Mobile.
Docusign kauft Suplari für KI im Einkauf
Docusign hat Suplari übernommen, ein KI-Unternehmen aus Seattle für Einkaufsanalyse, das Ausgaben-, Lieferanten- und Vertragsdaten aus ERP- und Procure-to-Pay-Systemen zusammenführt und Einsparungen bis in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung nachverfolgt. Zu den Kund:innen von Suplari zählen BT Group und Nordstrom.
Docusign kombiniert Suplari mit Iris, der KI-Engine seiner Plattform Intelligent Agreement Management, damit Agenten Ausgaben außerhalb von Verträgen erkennen, Lieferantenzusagen nachverfolgen und Vertragsverlängerungen vorbereiten können. Der Deal führt Docusign weiter über die E-Signatur hinaus, nach der kolportiert 165 Millionen Dollar teuren Übernahme von Lexion 2024. Konditionen wurden nicht genannt.
Omen AI kauft Aquatic Labs um 16 Millionen Dollar für die Kühlung von Rechenzentren
Omen AI, das Echtzeit-Sensoren zur Überwachung der Kühlflüssigkeit in Rechenzentren baut, übernimmt den Mitbewerber Aquatic Labs in einem Deal aus Bargeld und Aktien über 16 Millionen Dollar (rund 14 Millionen Euro). Omens Sensoren erkennen Elemente im Wasser, Aquatic Labs misst die Alkalinität, das fusionierte Unternehmen will bis Anfang nächsten Jahres einen gemeinsamen Sensor ausliefern.
Die Echtzeit-Überwachung ersetzt mehrtägige Labortests und hilft Betreiber:innen, das Ablassen der Flüssigkeit und das Abschalten von Chips zu vermeiden. Aquatic-Labs-CEO Allan Adams, ein ehemaliger MIT-Professor, wird Chief Science Officer. Der Kaufpreis entspricht rund der Hälfte der Series A über 31 Millionen Dollar, die Omen im Juni eingesammelt hat.
Dark Matter übernimmt KI-Agenten-Plattform House Numbers
Dark Matter Technologies, Anbieter von Software für die Vergabe von Hypothekarkrediten, hat die KI-Agenten-Plattform und das geistige Eigentum von House Numbers übernommen. Deren Agenten überwachen Kreditakten, arbeiten Kreditbedingungen ab und kommunizieren per E-Mail, SMS und Sprache mit Kreditnehmer:innen und Kreditgeber:innen.
Die Plattform von House Numbers läuft seit zwei Jahren im Echtbetrieb und hat Kredite für mehr als 100 Kreditgeber abgewickelt. Mitgründer und CEO Jeff Levinsohn wechselt als Chief AI Officer zu Dark Matter, die Technologie wird in dessen Kreditvergabesystem Empower integriert. Konditionen wurden nicht genannt.
Über den Autor: Ben Boissevain [in] [𝕏] ist Gründer von Ascento Capital Invest (www.techbanking.com), einer Boutique-Investmentbank, die Technologieunternehmen in den USA und international bei M&A, Kapitalbeschaffung und Bewertungen berät. Er stellt wöchentlich die Liste der Top Ten Tech M&A Transactions zusammen und schreibt für TechCrunch.
