„Fuck AI“: Aktivist:innen stürmen Baustelle von Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam
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Der Widerstand gegen den KI-Ausbau ist in Europa auf dem Baukran angekommen: Hunderte Aktivist:innen sind soeben auf die Baustelle eines neuen Rechenzentrums für Microsoft in Amsterdam eingedrungen. Einige kletterten auf einen Kran und hängten dort ein Transparent mit der Aufschrift „Weg mit Rechenzentren, fuck AI“ auf. Die Polizei rückte mit Pfefferspray an und nahm mehrere Personen fest.
🚨 BREAKING: PROTESTORS STORM MICROSOFT DATA CENTER SITE IN AMSTERDAM https://t.co/577vVUtKxc
— WallStreetBots (@WallStreetB0Ts) November 6, 2026
Mit Leitern über den Zaun
Organisiert hat die Aktion die niederländische Gruppe Geef Tegengas („Gib Gegengas“), unterstützt von Extinction Rebellion und pro-palästinensischen Gruppen. Laut NL Times stiegen die Protestierenden mit Leitern über den Zaun, schnitten ein Loch hinein und kletterten auf Gerüste und den Kran. Wie viele es waren, ist umstritten: Reuters berichtet von rund 100 Personen auf dem Gelände, eine Sprecherin von Geef Tegengas sprach gegenüber dem Lokalsender AT5 von rund 500, dazu Hunderte vor dem Zaun.
Datacenter in aanbouw bezet in Amsterdam.
— Eppo Tjuchem (@EppoTjuchem) November 6, 2026
Geef Tegengas heeft het bouwterrein van Microsoft bezet met zo'n 50 demonstranten.
Naast het terrein is een support-demonstratie. https://t.co/UgBHoXKZ8C
Auf den Betonfundamenten hinterließen die Aktivist:innen Graffiti, auf einem weiteren Transparent stand „Microsoft powers genocide“. Die Protestierenden riefen „Microsoft has got to go“ und „Free Palestine“. Der Vorwurf: Microsoft liefere Cloud-Dienste an die israelische Armee und die US-Einwanderungsbehörde ICE. Microsoft hatte bereits im Vorjahr einer israelischen Militäreinheit den Zugang zu einigen Cloud- und KI-Diensten gesperrt, nachdem Medien über Massenüberwachung von Palästinenser:innen berichtet hatten.
"F*ck AI!"
— Chay Bowes (@BowesChay) November 6, 2026
Activists stormed Microsoft's Amsterdam data centre site, broke through fences, climbed cranes, and sprayed graffiti. Riot police showed up with batons.
The site will reportedly use as much electricity as every home in Amsterdam. https://t.co/EBu1992Rc9
Geef Tegengas ist für solche Aktionen bekannt. Die Gruppe hat in den vergangenen Jahren immer wieder Bahnstrecken im Hafen von Rotterdam blockiert, und bereits im Juni hatte sie die Einfahrt zu derselben Baustelle versperrt.
Drei Türme mit je 85 Metern
Gebaut wird das Rechenzentrum im Amsterdamer Stadtteil Sloterdijk vom britischen Entwickler Pure Data Centres, der dafür mehr als eine Milliarde Euro investiert. Geplant sind drei 85 Meter hohe Türme mit insgesamt 78 Megawatt Anschlussleistung, Microsoft wird der einzige Mieter. Laut den Protestierenden wird die Anlage so viel Strom verbrauchen wie alle Haushalte Amsterdams zusammen. Die damalige niederländische Raumordnungsministerin Mona Keijzer sprach Anfang des Jahres vom Jahresverbrauch einer Kleinstadt. Pikant: Amsterdam hat den Bau neuer Rechenzentren eigentlich bis 2030 verboten. Das Microsoft-Projekt war allerdings schon lange geplant, die Genehmigung wurde vor dem Stopp erteilt. Auch die nationale Regel gegen Hyperscale-Rechenzentren greift nicht, weil sie nur Anlagen mit mehr als 70 Megawatt und zugleich mehr als zehn Hektar Fläche erfasst. Die drei Türme stehen auf gerade einmal 2,3 Hektar.
Welle von Protesten in Europa
Amsterdam ist kein Einzelfall. Erst am Dienstag hatten Aktivist:innen vor einem Microsoft-Rechenzentrum in Dublin einen nachgestellten israelischen Militär-Checkpoint aufgebaut. In Irland sind Rechenzentren besonders umstritten, weil sie einen großen Teil des Stroms verbrauchen. In Spanien wehren sich Dörfer wie Torrelobatón gegen riesige Anlagen, und in Finnland hat die Umweltbehörde Google kürzlich angewiesen, die Arbeiten an zwei Rechenzentren zu stoppen, weil dort bereits vor Abschluss der Umweltprüfung Wald gerodet wurde. Auch in den USA wächst der Widerstand. Bei den Midterms haben Wähler:innen vielerorts gegen den ungebremsten Ausbau gestimmt, und laut einer Analyse wollen 78 Prozent der neu gewählten Abgeordneten Rechenzentren regulieren oder beschränken. Der Protest gegen die KI-Konzerne selbst ist ebenfalls lauter geworden: Im Sommer zogen in San Francisco Hunderte unter dem Motto „Stop the AI Race“ von OpenAI über Anthropic bis zu Google DeepMind.
Brüssel setzt auf den Ausbau
Politisch steht der Protest quer zu den Plänen in Brüssel. Die EU will rund 30 Milliarden Euro für den Bau von Rechenzentren mobilisieren und fördert sogenannte KI-Gigafactories, um bei künstlicher Intelligenz nicht weiter hinter die USA und China zurückzufallen. Auch die Hyperscaler investieren kräftig: Google steckt 13 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur in Finnland, Microsoft und Amazon planen große Anlagen im spanischen Aragonien. Für Pure Data Centres ist Amsterdam deshalb ein gefragter Standort. „Amsterdam ist einer der am stärksten eingeschränkten Märkte für digitale Infrastruktur in Europa“, sagte CEO Dawn Childs bei der Ankündigung der Investition. Politisch lässt sich das Projekt ohnehin nicht mehr aufhalten. „Diese Genehmigung wurde vor fünf Jahren erteilt“, sagte Keijzer im Parlament, „ich kann daran nichts mehr ändern.“ Microsoft erklärte, man respektiere das Recht auf friedliche Meinungsäußerung, dulde aber keine Aktionen, die gegen das Gesetz verstoßen oder Menschen gefährden.

