Claude Code verrät E-Mail-Adressen von Nutzer:innen an fremde Websites
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Wer Claude Code im Netz suchen ließ, hat womöglich gleich seine E-Mail-Adresse mitgeschickt: Anthropics KI-Agent für Entwickler:innen hat bei Webzugriffen die E-Mail-Adresse des Nutzerkontos an die aufgerufenen Websites übermittelt. Ein betroffener Entwickler macht das für Dutzende Spam- und Scam-Mails pro Tag verantwortlich. Anthropic hat den Fehler eingeräumt und eine Korrektur angekündigt.
Die Adresse steckt im User-Agent
Ins Rollen gebracht hat die Sache ein Bug-Report auf GitHub mit dem Titel „Privacy violation in User-Agent header“. Der Nutzer schreibt, er erhalte täglich Dutzende Scam-Mails, weil Claude Code seine Adresse ohne Erlaubnis im User-Agent an beliebige Dritte weitergegeben habe. Der User-Agent ist jene Kennung, mit der sich ein Programm bei jedem Seitenaufruf gegenüber dem Server ausweist. Laut einem anderen Betroffenen sah der Eintrag etwa so aus: ein Name für die Sitzung, gefolgt von der vollständigen E-Mail-Adresse in spitzen Klammern.
Das Thema schoss auf Hacker News auf Platz 1 und sammelte dort mehr als 1.000 Punkte und über 300 Kommentare. Auf GitHub haben knapp 300 Nutzer:innen den Bericht mit einem Daumen nach oben markiert. Ein ähnlicher Fehlerbericht soll laut einem Kommentator bereits vor rund fünf Monaten eingereicht worden sein.
Warum die KI ihre Nutzer:innen verpetzt
Der Grund ist banal. Laut einem auf GitHub zitierten Kommentar aus dem Claude-Code-Team auf Hacker News hatte Anthropic die Konto-Adresse in den Kontext des Modells gepackt, damit Claude im Code korrekte Autor:innen-Angaben setzen kann. Wenn Claude selbst einen Befehl schrieb, etwa einen Webaufruf per curl, setzte es die Adresse manchmal als Kontaktadresse in den User-Agent. Das ist für sich keine abwegige Idee: Manche Dienste, etwa die US-Börsenaufsicht SEC, verlangen von automatisierten Zugriffen eine Kontaktadresse im User-Agent. Nur hat niemand die Nutzer:innen gefragt, ob sie ihre private Adresse dafür hergeben wollen.
„Es tut mir leid, dass wir das zugelassen haben“, heißt es in dem Kommentar. Die E-Mail-Adresse werde mit dem nächsten Release aus dem Kontext entfernt. Ein Mitwirkender von Anthropic verwies auf GitHub zudem auf eine eingebaute Erweiterung namens „cc-plugin-privacy“, die das Verhalten ab Version 2.1.317 standardmäßig blockieren soll. Allerdings läuft der stabile Update-Kanal laut dem zitierten Kommentar noch auf Version 2.1.311, und ein Nutzer berichtet, dass die Schutzfunktion seinen Test nicht abgefangen habe. Der GitHub-Eintrag ist weiterhin offen.
Brisanter Zeitpunkt für Anthropic
Für Anthropic kommt die Panne zur Unzeit. Der Claude-Hersteller steckt mitten in den Vorbereitungen für seinen Börsengang, der nach dem Ausverkauf an den Börsen ohnehin ins Wackeln geraten ist. Claude Code ist dabei eines der wichtigsten Produkte: Anthropic selbst lässt laut Börsenprospekt inzwischen 90 Prozent seines neuen Codes von der KI schreiben.
Die Konkurrenz ist groß. OpenAI bietet mit Codex ein direktes Gegenstück an, dazu kommen Coding-Tools wie Cursor und Agenten von Google. Wie leicht Kund:innen wechseln, hat erst kürzlich die Neobank Revolut gezeigt, die ihre 2.000 Entwickler:innen von Claude Code und Codex auf das chinesische Open-Weight-Modell GLM umgestellt hat. Für europäische Unternehmen stellt sich zudem die Frage, ob die ungefragte Weitergabe von E-Mail-Adressen an Dritte mit der DSGVO vereinbar ist.
Schnelle Reaktion, offene Fragen
Ganz so dramatisch, wie es der Titel des Hacker-News-Eintrags nahelegt, ist die Sache allerdings nicht. Betroffen war laut Anthropic nur die Adresse des eigenen Kontos, und das auch nur dann, wenn Claude Befehle selbst formulierte. Dass die Spam-Welle des Betroffenen tatsächlich auf Claude Code zurückgeht, ist nicht belegt, auch wenn mehrere Nutzer:innen auf Hacker News von ähnlichen Erfahrungen berichten. Anthropic hat innerhalb eines Tages reagiert, sich öffentlich entschuldigt und eine Lösung angekündigt. Wie viele Nutzer:innen betroffen sind und an welche Websites ihre Adressen gingen, hat das Unternehmen bisher nicht gesagt.
