Rebound: Chip-Aktien holen 720 Milliarden Euro zurück
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Ein Tag Blutbad, ein Tag Schnäppchenjagd: Nach dem schwersten Ausverkauf seit 2020 haben sich die KI-Aktien am Freitag kräftig erholt. Die zehn wichtigsten an US-Börsen gehandelten Chipkonzerne haben in den ersten Handelsstunden zusammen rund 720 Milliarden Euro an Börsenwert zurückgewonnen. Damit ist gut die Hälfte des Verlusts vom Donnerstag wieder wettgemacht. Die Nasdaq legte zeitweise fast 2 Prozent zu.
Die Tabelle
Grundlage sind die Börsenwerte und Kursgewinne laut CompaniesMarketCap kurz nach dem US-Handelsstart. Daraus haben wir den Gewinn in Euro berechnet (Kurs 1 Euro = 1,113 Dollar) und mit dem Verlust vom Donnerstag verglichen. Weil der Handel noch läuft, sind alle Werte Zwischenstände.
| Unternehmen | Plus am Freitag | Gewinn | Minus am Donnerstag | Aufgeholt |
|---|---|---|---|---|
| Nvidia | 7,1 % | 281,3 Mrd. € | 402,1 Mrd. € | 70 % |
| TSMC | 7,7 % | 126,2 Mrd. € | 198,8 Mrd. € | 63 % |
| AMD | 13,2 % | 78,4 Mrd. € | 124,3 Mrd. € | 63 % |
| Micron | 10,2 % | 68,3 Mrd. € | 141,2 Mrd. € | 48 % |
| Broadcom | 4,7 % | 58,9 Mrd. € | 145,5 Mrd. € | 40 % |
| ASML | 6,5 % | 30,3 Mrd. € | 48,3 Mrd. € | 63 % |
| Lam Research | 11,9 % | 24,8 Mrd. € | 40,7 Mrd. € | 61 % |
| Intel | 8,2 % | 20,4 Mrd. € | 28,7 Mrd. € | 71 % |
| Applied Materials | 8,7 % | 19,7 Mrd. € | 35,8 Mrd. € | 55 % |
| KLA | 8,6 % | 13,0 Mrd. € | 23,4 Mrd. € | 56 % |
| Summe | 7,7 % | 721,3 Mrd. € | 1.188,8 Mrd. € | 61 % |
Quelle: CompaniesMarketCap, eigene Berechnung, Zwischenstand Freitag
Am stärksten erholen sich genau jene Werte, die am Donnerstag am härtesten getroffen wurden: AMD legt rund 13 Prozent zu, Lam Research fast 12 Prozent, Micron rund 10 Prozent. Nvidia hat mit einem Plus von rund 7 Prozent bereits 70 Prozent seines Verlusts aufgeholt. Deutlich zäher läuft es bei Broadcom, das nur 40 Prozent zurückgewinnt. Am Donnerstag hatten die 16 größten Halbleiterkonzerne laut unserer Berechnung zusammen rund 1,3 Billionen Euro verloren, der Philadelphia Semiconductor Index war um 12 Prozent eingebrochen.
Warum die Börse wieder kauft
Der wichtigste Grund ist schlicht der Absturz selbst: Nach Kursverlusten von teils über 17 Prozent an einem Tag greifen Anleger:innen bei vermeintlichen Schnäppchen zu. Dazu kommen drei weitere Faktoren:
- Starker Arbeitsmarkt: Die US-Wirtschaft hat im Oktober 165.000 neue Stellen geschaffen, mehr als doppelt so viele wie erwartet. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent.
- Entwarnung aus Texas: Die neu gewählte demokratische Gouverneurin Gina Hinojosa, die neue Rechenzentren stoppen will, hat klargestellt, dass bereits genehmigte Projekte fertiggebaut werden dürfen. Laut Yardeni Research machen diese praktisch die gesamte geplante Rechenzentrumskapazität von Texas für 2027 aus.
- Volle Auftragsbücher: AMD-Chefin Lisa Su hatte erst diese Woche bei den Quartalszahlen erklärt, die Nachfrage sei größer als das Angebot. Der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft hatte sich fast verdoppelt.
Yardeni Research hält den Ausverkauf deshalb für übertrieben und spricht von einer Kaufgelegenheit. Die politische Gegenwehr sei ein weiteres Hindernis für KI-Investitionen, neben Finanzierung und Engpässen bei Strom und Bauteilen. „Aber das sind Bremsschwellen, keine Straßensperren“, heißt es in einer Notiz an Kund:innen. Auch der Angstindex VIX, der am Donnerstag um bis zu 70 Prozent nach oben geschossen war, gab am Freitag um rund 13 Prozent nach. Laut Yahoo Finance lag der S&P 500 nach solchen VIX-Sprüngen seit 1991 einen Monat später in sieben von acht Fällen im Plus.
Erholung auf wackligen Beinen
Ob aus dem Rebound eine echte Wende wird, ist offen. Viele Chipwerte liegen trotz des Plus weit unter ihrem Niveau von vor einem Monat: AMD ist laut 24/7 Wall St. über diesen Zeitraum noch immer rund ein Drittel im Minus, Intel sogar rund die Hälfte. Eine Erholung, die allein auf überverkauften Kursen beruhe, könne schnell wieder verpuffen, wenn neue Schlagzeilen über Baustopps für Rechenzentren auftauchen, warnt das Finanzportal.
Zudem hat der starke Arbeitsmarkt eine Kehrseite. Die Jobdaten machen laut Yahoo Finance eine Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember wahrscheinlicher, weil die Fed sich vor allem auf die hohe Inflation konzentriert. Höhere Zinsen treffen gerade hoch bewertete Tech-Aktien. Der Dow Jones lag am Freitag zeitweise im Minus. Und an der politischen Lage hat sich nichts geändert: Der neue Kongress, in dem laut einer Analyse 78 Prozent der neu Gewählten Rechenzentren regulieren oder beschränken wollen, tritt im Jänner zusammen.
