Rätselhafter Hirnpilz breitet sich in den USA aus
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Ein Schimmelpilz, der sich im Gehirn einnistet und bis zu zwei Drittel der Infizierten tötet, taucht in den USA immer häufiger auf: Das zeigt ein soeben veröffentlichter Bericht der US-Gesundheitsbehörde CDC und der University of Washington im Fachblatt Morbidity and Mortality Weekly Report. Der Erreger heißt Cladophialophora bantiana, ein schwarzer Schimmelpilz, der bisher als extreme Seltenheit galt. Warum die Fälle zunehmen, können die Forscher:innen nicht erklären.
Von einer Handvoll Fällen auf 14 pro Jahr
Für den Bericht werteten die Forscher:innen Proben eines großen Referenzlabors aus. Zwischen 2009 und Juli 2026 fanden sie 48 bestätigte und eine wahrscheinliche Infektion in 21 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington. Lange blieb es bei ein bis fünf Fällen pro Jahr, 2024 waren es dann acht und 2025 bereits 14.
Dass schlicht häufiger getestet wird, erklärt den Anstieg laut den Autor:innen nicht. Gemessen an der Zahl untersuchter Proben aus dem zentralen Nervensystem stieg die Rate von durchschnittlich 8,4 Fällen pro 1.000 Proben in den Jahren 2017 bis 2023 auf 26 pro 1.000 im Jahr 2025, ein Plus von rund 210 Prozent. „Wir glauben daher, dass der Anstieg real ist“, sagt Studienautor Joshua Lieberman.
Auch gesunde Menschen betroffen
Gefährlich ist der Pilz vor allem, weil er das Gehirn befällt und dort Abszesse bildet. Trotz aggressiver Behandlung starben in früheren Fallserien 60 bis 70 Prozent der Patient:innen. Die beste Überlebenschance bietet eine Kombination aus chirurgischer Entfernung der Abszesse und mehreren Antipilzmitteln über lange Zeit.
Ungewöhnlich ist auch, wen es trifft. Die meisten schweren Pilzinfektionen betreffen Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bei diesem Erreger hatte aber rund die Hälfte der Erkrankten keine bekannte Immunschwäche. Das mittlere Alter (Median) der Patient:innen im aktuellen Bericht lag bei 68 Jahren. Wie die Ansteckung genau passiert, ist unklar. Die führende Vermutung: Sporen werden eingeatmet oder gelangen über eine Hautwunde in den Körper und wandern dann über das Blut ins Gehirn.
Klimawandel als mögliche Ursache
Für den Anstieg gibt es bisher nur Hypothesen. Lieberman hält steigende Temperaturen und den Klimawandel für mögliche Faktoren, Belege dafür gibt es aber noch nicht. Erschwert wird die Suche dadurch, dass der Pilz in Umweltproben kaum zu finden ist und die Patient:innen keine gemeinsame Infektionsquelle haben. Auch die Studie selbst hat Grenzen, weil sie auf den Daten nur eines Labors beruht und wenig über die Vorgeschichte der Erkrankten weiß. Lieberman fordert deshalb eine systematische Erfassung durch Labore in den ganzen USA.
Für Panik besteht trotz allem kein Anlass: Mit 14 Fällen pro Jahr in einem Land mit mehr als 330 Millionen Einwohner:innen bleibt die Infektion extrem selten. Wie bei anderen Pilzen, die sich zuletzt ausgebreitet haben, etwa dem multiresistenten Hefepilz Candida auris, sehen Fachleute darin aber ein Warnsignal: Pilzinfektionen werden häufiger, und es gibt nur wenige wirksame Medikamente dagegen.

