Claude Haiku 5.5: Anthropic drückt den Preis um bis zu 90 Prozent
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Der Preiskampf bei KI-Modellen erreicht die Kleinen: Anthropic hat soeben Claude Haiku 5.5 vorgestellt, das bisher günstigste und schnellste kleine Modell des Unternehmens. Für die meisten Anfragen kostet es nur noch ein Zehntel des Vorgängers Haiku 4.5 und soll dabei deutlich mehr können. Damit zieht Anthropic preislich mit OpenAIs kleinem Modell GPT-6 Luna gleich, wenige Wochen vor dem geplanten Börsengang.
Ein Zehntel des Preises, mit Haken
Haiku 5.5 kostet über die Programmierschnittstelle 0,10 Dollar (rund 9 Cent) pro Million Input-Tokens und 0,50 Dollar (rund 45 Cent) pro Million Output-Tokens. Haiku 4.5 lag bei 1 Dollar beziehungsweise 5 Dollar. Der günstige Tarif gilt allerdings nur für Anfragen bis 100.000 Tokens, darüber steigt der Preis auf 0,50 Dollar Input und 2,50 Dollar Output pro Million Tokens. Laut Anthropic fallen rund 90 Prozent der bisherigen Haiku-Anfragen unter diese Grenze.
Ein zweiter Haken steckt im Kleingedruckten: Ein neuer Tokenizer zählt denselben Text als rund 30 Prozent mehr Tokens. Unterm Strich verspricht Anthropic deshalb rund 75 Prozent niedrigere Kosten für typische Anwendungen.
Die wichtigsten Daten:
- Kontext: bis zu 1 Million Tokens, bis zu 128.000 Tokens Output.
- Denkaufwand: Als erstes Haiku-Modell lässt sich der Aufwand einstellen, Standard ist die mittlere Stufe.
- Verfügbarkeit: über die Claude-Schnittstelle sowie Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry.
- Sicherheit: strengere Regeln bei Cybersecurity als beim Vorgänger, Penetrationstests sind standardmäßig gesperrt.
Großer Sprung bei Agenten-Aufgaben
Laut den von Anthropic veröffentlichten Benchmarks ist der Abstand zum Vorgänger enorm. Beim Test OSWorld, in dem Modelle einen Computer bedienen, kommt Haiku 5.5 auf 72,4 Prozent, Haiku 4.5 schaffte 15,7 Prozent und GPT-6 Luna 48,9 Prozent. Beim Programmiertest Terminal-Bench erreicht Haiku 5.5 39,2 Prozent gegenüber 16,4 Prozent bei Luna, allerdings nur mit maximalem Denkaufwand, auf der Standardstufe sind es rund 20 Prozent. Das größere Sonnet 5.5 liegt in allen Tests weiter vorne. Unabhängig überprüft sind die Werte noch nicht.
Mit dem Start senkt Anthropic auch den Preis für zwischengespeicherte Eingaben bei Sonnet 5.5 von 0,20 auf 0,10 Dollar pro Million Tokens. Abonnent:innen der Max- und Team-Tarife bekommen zudem monatliche Guthaben für die Programmierschnittstelle, von 100 Dollar (rund 89 Euro) bei Max 5x bis zu 500 Dollar (rund 445 Euro) für ein Team.
Preiskampf vor dem Börsengang
Bei den kleinen Modellen ist der Wettbewerb besonders hart. Laut VentureBeat kostet GPT-6 Luna exakt gleich viel wie Haiku 5.5, Googles Gemini 3.5 Flash-Lite liegt bei 0,30 Dollar Input und 2,50 Dollar Output, Grok 4.3 von SpaceXAI bei 1,25 und 2,50 Dollar. Dazu kommen chinesische Open-Weight-Modelle wie DeepSeek, die oft noch günstiger sind.
Für Anthropic fällt der Start in eine heikle Phase. Das Unternehmen bereitet laut Berichten einen Börsengang für Mitte November vor, an der Wall Street warten viele auf das IPO. Haiku 5.5 ist nach Opus 5.5 und Sonnet 5.5 das dritte neue Modell der Generation 5.5 innerhalb weniger Wochen. Ob sich der Preisrutsch rechnet, hängt davon ab, wie viel zusätzliche Nutzung das günstige Modell bringt.

